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Die Geschichte*
der IG Klettern München & Südbayern e.V.

1994 – 2002



Kletterhalle Heavens Gate - Die Chronik der IG Klettern München & Südbayern e.V.
Erzähler: IG-Vorstand
(Du willst mehr sehen? Bilder zum Vergrößern anklicken.)


24.11.1994

Unsere Geschichte beginnt auf den Tag genau einen Monat vor dem Heiligen Abend, nehmen wir an in einer stallähnlichen Behausung, in einem Münchner Hinterhof, irgendwo in der Nähe der Theresienwiese. In eben dieser Nacht nämlich, vom 23. auf den 24. November 1994, da
„(...) trafen sich in einer berüchtigten Küche einige mehr oder minder zurechnungsfähige und zwielichtige Gestalten. Nach einer Weile war das Bier fast zuende, die Köpfe fast zu rot, die Ideen fast zu gut. (...) Als es schließlich Tag wurde, waren die Formalitäten erledigt, die Beiträge festgesetzt und die Ämter verteilt.“

(Quelle: SEILVERHAU 11/96)

Diese Verteilung sah ungefähr so aus:
1. Vorsitzender: Richard Ebert
Stellv. Vorsitzender: Volker Falk
Kassenwart: Andrea Ebert
Schriftführer: Karen Stock
1. Beisitzer: „Zvonko“
2. Beisitzer: Tom Kobras
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Ricci und Andrea Ebert, die Eltern und Gründer unserer IG.
Zweifelsfrei anwesend in jener Nacht & Küche waren: Der Richard (= Ricci, sprich „Ritschi“) Ebert. Und seine Schwester Andrea (= „die Andi“), die man beide wohl mit Fug und Recht als die treibenden Kräfte des Ganzen – um nicht zu sagen: unsere Gründungs-Eltern – bezeichnen darf.




1995


Jedenfalls fragten der Ricci & die Andi gleich im Frühjahr des kommenden Jahres ganz offiziell beim Dachverband der IG Klettern an, ob sie nicht eine weitere IG-Tochter ins Leben rufen dürften? Ihr Name:

IG (= Interessengemeinschaft) Klettern München & Südbayern e.V.!

Und der IG-Dachverband? Der sagte: „Ja“.
Und wir Leser fragen uns, was solche „IGs“ eigentlich sind?

“Die IG KLETTERN sind Vereinigungen von Kletterern für Kletterer, die sich für die Erhaltung ihrer Klettergebiete einsetzen. Gegründet wurde die erste IG Klettern 1989 im Frankenjura, als die behördliche Totalsperrung des Röthelfelsen drohte. (...) Bereits kurz danach taten sich auch in anderen Regionen Deutschlands Kletterer zusammen, da sie unvermittelt vor ähnlichen Problemen standen. Sie gründeten weitere IG Klettern und nahmen die Vertretung ihrer Interessen in die eigenen Hände.
Heute, 2011, gibt es bundesweit 14 IG Klettern und 4 weitere eigenständige Klettervereinigungen, die sich im Bundesverband IG Klettern e.V. zusammengeschlossen haben.“

Der BUNDESVERBAND IG KLETTERN e.V. wiederum vertritt die Interessen seiner Mitglieder auf Bundesebene, im Kuratorium Sport & Natur e.V., dem Bundesausschuss Klettern & Naturschutz des DAV, sowie auf Fachtagungen und anderweitigen Veranstaltungen. Der Bundesverband sorgt für den Informationsaustausch zwischen seinen Mitgliedsvereinen und unterstützt deren Aktivitäten vor Ort und auf Landesebene. Desweiteren koordiniert er die Kooperationen mit der Industrie und kümmert sich um die bundesweite Öffentlichkeitsarbeit.

(Quelle: www.ig-klettern.de)

Soviel als Hintergrundinfo. Zurück zum Ricci und zur Andrea – und zu ihrem Aufnahmeantrag: Der relativ weit nördlich stationierte IG-Bundesverband hatte natürlich überhaupt nichts dagegen, noch treffsicherer als mit der Urmutter aller IGs, der IG Klettern Frankenjura, einen weiteren Vorposten mitten ins DAV–Hoheitsgebiet zu setzen. Erteilte den Antragsstellern daher auch nur zu gerne seinen Segen. Verlieh ihnen Briefpapier und Logo. Und damit ging´s auch sofort los:
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Unser offizielles Logo.
Erstmals ins Bewusstsein der Münchener Kletterer-Szene trat dieser neue, illustre Verein im Frühjahr 1995, anläßlich eines grandios schlecht besuchten Initialfests in Pasing, in der Berduxstrasse. Immerhin gab´s Bier bis zum Pupillenstillstand, so dass die Unkosten von ca. DM 2000.- – angefallen u.a. durch die Bereitstellung eines Klettertürmchens – sogar beglichen werden konnten. Man munkelt: Mit dem Flaschenpfand...

Die erste Amtshandlung vom Ricci war, den SEILVERHAU ins Leben zu rufen: „Die erste inoffizielle Zeitschrift der IG Klettern München und Südbayern e.V.“, woraus auch fast alle Zitate hier stammen.
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Typischer Seilverhau-Look mit dem späteren Heavens Gate Ur-Logo.
Die Erstausgabe des SEILVERHAU (fortan SV) erschien im Oktober 1995, bestand aus genau 2 DIN A4-Seiten und wurde im Großen & Ganzen von einem einzigen Mann geschrieben, gelayoutet, kopiert, gefaltet, eingetütet, verschickt und im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.) demnach auch verantwortet: Vom „RicciE“, so sein Kürzel, der seit damals, in der Küche, das Amt des „Präsi“ übernahm.

Richard Ebert liebte es, immer ganz mächtig mit dem Säbel zu rasseln. Und im Dienste der Wahrheit „Klartext“ zu reden. Schon in der Erstausgabe liest sich das so:

„Wir sind es satt

# die Deppen von Ökoträumern und politischen Karriereheinis zu sein.
# vom DAV nur als Mittel eingesetzt zu werden, um Steuergelder für Wegebau und Hüttensanierung in den Alpen rauszuschlagen.
# irgendjemand um Erlaubnis fragen zu müssen, wenn wir ins Freie gehen wollen.

Deshalb haben wir die IG Klettern München & Südbayern e.V. gegründet.“

So der Ricci im O-Ton, in seinem typischen Stil, der sich auch nie ändern sollte: Direkt und kernig und subjektiv ehrlich, scheinbar genetisch undiplomatisch – aber auch immer wieder erstaunliche Kooperationen initiierend.
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Auch immer gerne nachtaktiv: Andrea Ebert.
Ricci Schwester Andi dagegen, die sich damals stark in der Blinden-Arbeit engagierte, erklärt den Entschluss zur Gründung eines eigenen Vereins rückblickend mit der

„(...) Tatsache, dass beim DAV keiner zuständig war, um Blindenkurse durchzuführen. Das war schließlich und endlich auch einer der Gründe, dass sich unsere IG in München gegründet hat.“

Wie auch immer - als Verantwortliche der an besagtem 24.11.1994 „niedergekommenen“ und am 20.03.1995 offiziell ins Vereinsregister des Amtsgerichts München eingetragenen „Interessengemeinschaft Klettern München und Südbayern“ sind folgende 2 Namen vermerkt:

Vorsitzender: Ebert Richard, Unternehmensberater, München
Stellvertretender Vorsitzender: Falk Volker, Maler, München


Und ab ging die Post! Um gleich mal alle Kräfte zu bündeln, wurde schon im ersten SV zur 1. ordentlichen Mitgliederversammlung geladen, am 16.11.95, in der Gaststätte Thalkirchner (SV 10/95):

„Freibier können wir Euch leider nicht anbieten. Aber es wird bestimmt ein aufschlußreicher, wahrscheinlich sogar ein ganz netter Abend.“

An diesem sicher netten Abend wurden die folgenden, übergeordneten Ziele definiert:

„# Kontakte mit der Stadt knüpfen, um Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stellen zu können
# evtl. mit Boulderwand
# Einrichtung eines Info-Telefons für Kontakte, Nachrichten, Verkäufe etc.
# Verhandlungen mit der Industrie, wegen Materialspenden, die auch den Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden können
# Den SEILVERHAU regelmäßig erscheinen zu lassen
# Konzeption eines Kurs- und Schulungsprogramms
# Klettern, Klettern, Klettern

Und für IG-Mitglieder ist das alles so weit, wie irgend möglich kostenlos!“

Genau das war damals die große Vision.
Und es wurde nicht eine Sekunde gezögert, diese in die Tat umzusetzen.

Schon im nächsten SV (12/95), also nur einen Monat später, wurden bereits erste Kontakte mit verschiedenen Outdoor-Unternehmen gemeldet. Und: Ein 1. Kletterkurs für Blinde wurde angekündigt, ohne dass man überhaupt wusste, wo der eigentlich stattfinden sollte?! Was wiederum Rückschlüsse auf den Grundwahnsinn zuläßt, der von Anfang an im Headquarter herrschte.
Absolut typisch jedenfalls: Bevor man einen Kurs „mit Normalen“ zustande bekam, hatte man schon einen Kurs mit lauter Blinden beisammen, was im Wesentlichen auf Andi Eberts Kontakten beruhte: Yiieeppieh! Aber: Die dadurch unausweichlich gewordenen Investitionen in Verleihmaterial usw. waren für den jungen Verein ein finanzieller Kraftakt, der fraglos nur gestemmt werden konnte, weil der Ricci bei der Kletterindustrie und dem hiesigem Sportfachhandel höchstpersönlich betteln ging und alles noch Notwendige als Spende erhielt.
Dieser Zustand zwischen grandiosem Wollen, limitierender Realität und aktivem Hoffen auf jedwede Lösung sollte sich die nächsten 10 Jahre nicht mehr groß ändern, weswegen man ihn bald als „normal“ zu akzeptieren lernte. Die 80.- DM Jahresbeitrag jedenfalls, die jedes IG-Mitglied damals zu entrichten hatte, waren zwar ein Haufen Geld, die Mitgliederzahl aber zu überschaubar, um damit wirklich große Sprünge machen zu können. Auch der Erlös aus der 1. gewerblichen Anzeige im SV – „ALIENS NEU!!! Klemmgeräte aus den USA. Prospekt anfordern bei Harry Danzer (SV 12/95)“ – war zwar hochwillkommen, machte das Kraut aber nicht wirklich fett. Und so war letztlich alles gut, denn es gab ja auch noch keine bemerkenswerten finanziellen Verpflichtungen. Immerhin reichte es für ausreichend Fusel, um den eigentlichen Höhepunkt dieses ersten IG-Jahres gebührend zu feiern:
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1995, der letzte Schrei:
„AUSWEISE, ES GIBT AUSWEISE!!! Endlich ist es soweit, wir haben das, was einen echten deutschen Verein zu einem Verein macht, nämlich Ausweise! (...) Die Gestaltung haben Moneten-Andrea sowie unser Skatebooard Zwonne übernommen.“


1996


Der betörend-respektlose Geruch von Anarchie und Größenwahn, den die IG-Oberen in ihrem Drive munter ausdampften, lockte bald erste Sympathisanten an. Georg Wrobel beispielsweise und Thomas Zilch, die unter Ricci´s Regie am SV mitbasteln durften. Oder Barbara Asenkerschbaumer, die den vakanten Posten der Prüferin der nach wie vor chronisch leeren IG-Kassen übernahm. Kein Wunder auch, bei damals „weltweit“ nicht mal ´nem Dutzend Mitgliedern! Recht überschaubar geht´s also zu in diesen Tagen, da schlägt eine Nachricht wie eine Fliegerbombe ein:

„WIR KÖNNEN EINE KLETTERWAND NUTZEN!!!
In Neubiberg, in der Fachhochschule der Bundeswehr, dürfen wir klettern. Dort stehen (...) alle möglichen Fitnessgeräte zur Verfügung – und eben eine Kletterwand. (...) Die Halle ist nur mit einem Schlüssel zugänglich, der bei der IG erhältlich ist. (...) Also bedenkt: Die Leute, neben denen ihr trainiert, sind bei der Bundeswehr. Verhaltet euch dementsprechend!“ (SV)
Eben diese Leute staunten nicht schlecht, als dort urplötzlich lauter Blinde einliefen: Es waren die Teilnehmer des ersten im Namen der IG München und Südbayern e.V offiziell ausgerichteten Kletterkurses. Die Vorgeschichte dazu erzählt die Andi selbst im SV:

„Die Manu habe ich während meines Studiums kennengelernt, und es kam, wie es kommen musste, irgendwann habe ich ihr vorgeschlagen, dass wir mal zum Klettern gehen. Dass Manu blind ist, hat uns nicht groß gestört, und so hat eigentlich unsere Aktion Klettern für Blinde angefangen.“

In Neubiberg also, auf dem Bundeswehrgelände, traf sich fortan die Ur-IG zum Stählen der Alabaster-Körper. Randvoll Kraft und Tatendrang lud man auch gleich zur 1. offiziellen IG-Ausfahrt ein (, der unzählige weitere nachfolgen sollten):

„Datum: 27./28. Juli.
Ort: Blautal oder Nähe davon.
Übernachtung: Kämpingplatz oder Pangsion.“

Wenig später, im Oktober, folgte dann auch schon der erste der legendären IG-Ausflüge an den Gardasee.
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IG on the road. Kein Kommentar.
1996 gab es natürlich auch eine Mitgliederversammlung. Ein Blick auf die Punkte der Tagesordnung sagt irgendwie alles über den Stand der Entwicklung:

„1. Zivildienstellen
2. IG-eigenes Fahrzeug
3. Arbeitskreise in der Politik
4. IG-Ausflug ins feindliche Baden-Württemberg
5. Neutouren & Sanierungen, Titel: Hilti, Brmmmmm & Durch
6. Paßbilder f. Vereinausweise
7. Kann mal wer schauen, was Eric macht?
8. Anträge, Wünsche und sonstige abzulehnenden Angelegenheiten“

Nicht abgelehnt wurde von den IGlern die Teilnahme an der digitalen Weltrevolution. Mit der Folge: Auch die „IG klettert ins Internet (...) und befindet sich damit in illustrer Gesellschaft mit Daimler Benz, BMW, Microsoft und den ganzen anderen Klettersportbegeisterten.“
Weitere Rückschlüsse auf die damalige Grundatmosphäre und/oder Geisteshaltung der Truppe lassen sich aus dem Impressum des SV ableiten:

„Der SEILVERHAU erscheint mindestens 10x im Jahr regelmäßig, vorausgesetzt, es schreibt wer was. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht die Meinung der IG Klettern wieder, wie überhaupt dieser Haufen völlig meinungslos ist. Aber: Es ist immer Stimmung.
Unverlangt eingesandte Manuskripte werden oft gedruckt und immer in Ehren gehalten, zurückgeschickt nur, wenn ein frankierter Rückumschlag beigelegt ist. Die Briefmarke bitte nicht aufkleben: Sollten wir das Zurückschicken vergessen, haben wir wenigstens die Briefmarke.“

Es herrschte tatsächlich eine so gute Stimmung, dass immer neue IG-Autoren ehrenamtlich für den SV schreiben: Ralph Mandelik zum Beispiel. Oder Jörg „Sandstein“ Raschig, der uns an einer Durchsteigung der Fleischbank SO-Wand teilhaben läßt.
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Jörg "Sandstein" Raschig bei der ehrlichen Arbeit.
Sowie die nimmermüde Judith Faltl, inzwischen Landesvorsitzende des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbunds.

Umweltpolitisch ging auch einiges weiter: Sebastian „Sebi“ Wagner vertritt den Bundesverband der IG Klettern fortan als Repräsentant in einem Arbeitskreis des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltschutz.
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Hat auch mal unten angefangen: Doktor Sebi Wagner.
Außenpolitisch dafür ist die Kacke am Dampfen. Stein des Anstoßes: Eigentlich nur eine Schraube. Aber halt nicht irgendeine, sondern eine, die scharfkantig überstand und an der sich auch die blinden Kletterer regelmäßig schrammten. Die Folge: Ein handfester Streit mit dem Neubiberger Hallenwart (und DAV´ler) Stefan Winter.

Ricci: „Wenn unsere blinden Kletterer nach drei Wochen immer noch über dieselbe Schraube schrubben, dann entsteht einfach eine Missstimmung.“

Stefan Winter: „Es gibt keine Missstimmung.“ (SV)

Letztlich gab es die dann aber doch, spätestens als in der Bundeswehrhalle ein Seilriß ruchbar wurde, bei dem zwar glücklicherweise niemandem etwas passierte, dessen Umstände und Ursachen für Ricci jedoch höchst unzureichend geklärt und vor allem kommuniziert wurden (Seiner Erinnerung nach erboste das sogar den damaligen DAV-Sicherheitspapst Pit Schubert). Kurzerhand stellte er den Verantwortlichen derart in seiner speziellen Klartext-Art zu Rede, dass die Bundeswehrhochschule schlagartig aufgeschreckt zur Krisensitzung rief, an der auch der klar Betextete, d.h. Verantwortliche, teilzunehmen hatte. Die Wogen glätteten sich daraufhin zunächst, und Folge war eine neue „Benutzerregelung für die Kletterhalle Neubiberg“, die dem kostenfreien Dasein dort ein Ende setzte, was Ricci mit folgenden Worten an die IG weitergab:


„3. Die Kosten für die Hallenbenutzung betragen enorme hundert Pfennige für Mitglieder und unverschämte fünf Mark für Greenhörner, sprich Jungs und Mädels, welche wohl hoffentlich bald Mitglieder sein werden.

4. Diese gigantischen Summen sind bei jeglicher Hallenbenutzung, d.h. auch bei „nur Benutzen“ der dortigen Fitnessgeräte zu entrichten.“ (...)

Sobald wir was Eigenes haben, wird sowieso alles lockerer.“ (SV)
Was „Eigenes“ lag zwar noch in weiter Ferne, dafür tauchte eine neue Kletter-Location am Horizont auf – und zwar der Sport Scheck, in der Sendlinger Straße!

Dort gab (und gibt) es im Haupttreppenhaus eine für damalige Verhältnisse sensationell hohe Indoor-Kletterwand, an der die Ilse, die Judith und der Bernhard, allesamt blind, anläßlich einer 50-Jahresfeier des Sport Scheck im Namen der IG ihre Kletterkünste demonstrieren durften – und damit ein breites Publikum in Bewunderung und Erstaunen versetzten. Woraufhin man die IG Klettern gleich zur nur nächsten Sport Scheck-Aktion wieder einlud, diesmal neben so illustren Gästen wie den damals noch so genannten „Huber-Brothers“.

Und noch etwas anderes passierte in dieser Zeit: Die IG bekommt tatsächlich ihr eigenes Fahrzeug. Nicht irgendeines, sondern einen richtig ausgewachsenen Mercedes Sprinter! Ricci hatte sich mal wieder eines seiner typischen Konzepte einfallen lassen – und es der Daimler-Niederlassung präsentiert. Daraufhin kostete der Bus zwar nur noch einen Bruchteil, aber selbst dieses Schnäppchen war immer noch eine Menge Holz für den finanzschwachen Verein. Wie dem auch sei, man nimmt´s mit Humor. Und das liest sich dann so: „Also, die eine Hälfte unseres Busses steht schon so gut wie in der Garage. Jetzt müssen wir nur noch schauen, wo wir die andere Hälfte herkriegen. Ach ja, und natürlich die Garage...“.
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Die IG-Kantine.
Schmalhans ist Küchenchef. Was reingeht, wird nicht selten vertrunken. Immerhin wird ein 1. Kunde gefunden, der im SV ab sofort regelmäßig Platz für Anzeigen bucht: Der Outdoor-Riese Patagonia. Heißt: Die nächste Party ist gerettet! Und die steigt am 20.12.1996 (noch mangels eigener Räumlichkeiten) im Gewerkschaftshaus an der Schwanthalerstraße – Motto: „Adventadventdiebudebrennt“ – und gilt als die Mutter aller IG-Weihnachtsfeiern.

„Tagesordnung:

1. Feierliche Begrüßung
Präsi marschiert ein, von der Menge umjubelt
Liedgut: „Here comes the Sun“ (G. Harrison)

2. Huldigung der Vorstandschaft durch die Mitglieder
frenetischer Jubel bei Nennung der einzelnen Personen
Liedgut: „Opel-Gang“ (T. Hosen)

3. Andächtiges Beisammensein
Klettererlebnisse der Mitglieder und andere Lügen
Liedgut: „Spiel mir das Lied vom Tod“ (E. Morricone)

4. Tombola
Ziehung der Gewinne und Verteilung an Gewinner
Liedgut: „Mit 5 Mark sind Sie dabei“ (ARD)

4. Ab-, Auf- und Zusammenbruch der Gemeinde
Blitzartiges Verschwinden aller Anwesenden nach der Frage:
„Wer bleibt noch zum Aufräumen da?“
(SV 11/96)
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Vor dem Fest ist nach dem Fest.
1997


Ein großes Ereignis warf seinen Schatten ja schon länger voraus. Und so kam denn auch, was kommen musste. Die Neubiberger fanden Riccis Darstellung des oben kurz angedeuteten Kletterhallenkonflikts „(…) falsch wiedergegeben. Vereinbarte Sachverhalte werden falsch interpretiert. Die Art und Weise der Darstellung ist polemisch und persönlich beleidigend.“ Usw. Ergo: „Unter solchen Voraussetzungen ist eine Zusammenarbeit mit der IG Klettern Mü/SBay nicht möglich.“ Aber: „Das beachtenswerte Engagement der Frau Ebert findet auch weiterhin die volle Unterstützung seitens der UNIBw München. Gleichzeitig bitten wir jedoch um Verständnis, dass wir die sonstigen Vereinsinteressen der IG Klettern Mü/SBay nicht fördern und die Kletterwand den Mitgliedern nicht weiter zur Verfügung stellen können“.

Patsch! Das war ein empfindlicher Rückschlag. Vor allem, weil man damals die – noch dazu sehr kleinflächigen – Indoorklettermöglichkeiten in München an gerade mal einer Hand abzählen konnte. Aber es half alles nicht. Und der Ricci konstatierte: „Ich habe die Halle verloren...“ (SV 1/97)

Begräbnisstimmung machte sich breit. Die IG – abgestürzt ohne recht durchgestartet zu sein? Unglaublich! Panikreaktionen fast: Als erstes sollte gleich mal der SEILVERHAU eingestampft werden. Unser Herzblatt – „es wird nicht mehr kommen“, war in einer kurzen Mitteilung an die Mitglieder zu lesen. In einer wilden, verzweifelten, mehrtägigen Telefonaktion wurden alle möglichen und unmöglichen Kontakte reanimiert oder aufgefrischt. Und siehe da: Der Sport Scheck griff der überschaubaren Truppe erneut unter die Arme und erlaubte „regelmäßiges Klettern“ im Eingangsbereich seines Geschäfts. Die Zukunft der IG war vorerst mal wieder etwas gerettet...
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Bayerischer Tourismusminister in spe.
Dito die Zukunft des Fremdenverkehrs. Denn: Seit dem 20. Februar sind der Ricci und der Sebi im Bayerischen Umweltministerium in einem Unterarbeitskreis „Bewußtseinsbildung im Tourismus“ aktiv, der irgendwie dem Oberarbeitskreis „Freizeit, Tourismus und Umwelt“ zuarbeitete. Wie auch immer: Neue Aufgaben bringen neue Energien. Gebären neue Ideen. Und öffnen somit neue Arbeitsfelder, wie es beim Ricci eindeutig der Fall war. Jedenfalls wird im längst von den Scheintoten wieder erwachte SEILVERHAU folgendes Schreiben von ihm veröffentlicht:

„Hiermit gebe ich meinen sofortigen Rücktritt von allen offiziellen Funktionen innerhalb der IG Klettern München & Südbayern e.V. bekannt.“

Aber:
„Ich werde auch in Zukunft für unseren Verein tätig sein, und zwar hauptsächlich in der Funktion als Spendenauftreiber. Dies kann ich nicht ehrenamtlich tun, da an einer derartigen Aufgabe ein enormer Zeitaufwand hängt, der in irgendeiner Form bezahlt werden muß.“
(SV 11/97)

Dass Riccis überraschender Rücktritt einen anderen Grund gehabt haben mag, zeichnete sich ziemlich zeitgleich auf dem Titel des SVs ab. Die Rede ist von einem leicht verschwommenen, grobkörnigen Schwarweiß-Foto, auf dem man ein riesiges Blechsilo in den Himmel hochschießen sieht. Dazu die Überschrift: „A WUNDA.“
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Im Hintergrund: Das Wunda. Im Vordergrund: Der Daxi.
Die Geschichte dieses Wunders begann an einem Nachmittag, als Ricci und Andrea auf dem Gelände des damaligen Amüsierparadieses Kunstpark OST eine leerstehende Halle inspizieren durften, die man eventuell zu einer Kletterhalle hätte aufrüsten können. Als sie aus diesem Gebäude ziemlich enttäuscht wieder heraus kamen, erblickten sie erstmals bewusst die ehemaligen Kartoffelmehl-Silos – und sofort ging die Sonne auf. Der Geländewart vom Kunstpark wäre zwar beinah in Ohnmacht gefallen, als ihn Ricci fragte, ob man denn nicht in diese Silos rein könne, aber gegen eine gute Idee, deren Zeit gekommen ist, hilft ja bekanntlich wirklich nix. Ricci hat sich sofort hingesetzt, wieder mal in Windeseile ein Konzept gebastelt und schon ging es mit einem Planungsgerüst und einer groben Kostenschätzung in die fällige Mitgliederversammlung. Dortselbst wurde sogleich „(...) genehmigt, dass wir versuchen sollen, ein Kletterhallen-Projekt „Heavens Gate“ zu realisieren.“

Was vielleicht diesbezgl. noch erwähnt werden sollte: Der Verein hatte damals ca. 35 Mitglieder – inklusive Kinder. Und das, was sich da abzeichnete, war ein Projekt, das deutlich potentere Mitbewerber schon jahrelang vor scheinbar unlösbare Probleme stellte.
(Anm. d. Chronisten: Der Tom Schlager behauptet, dass „ca. 70%“ dieses Namens auf sein kreatives Konto gehen. Wie auch immer - bezeichnend jedenfalls ist, dass „Heavens Gate“ von der ersten Sekunde an ohne Apostroph geschrieben wurde. Und damit von Anfang an scheinbar falsch. Aber Ricci hatte auch hierfür eine Lösung in petto: „Unsere Halle hat ja nicht nur einen Himmel am Ende, sondern jedes Silo hat seinen eigenen, es gibt also mehrere Himmel im Heavens Gate“. Himmel hin, Himmel her – wen juckt das bis heute? Niemanden! Also weiter im SV-Text:
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Auch in der Schreibweise eigen.
„Die Halle, um die wir derzeit kämpfen, liegt in München, direkt in S-Bahn-Nähe, im Kunstpark Ost. Die Grundfläche der Halle beträgt ca. 200m2, die reine Kletterhöhe rund – bitte hinsetzen! – knapp 35 Meter; also schon so eine in vielfacher Hinsicht bemerkenswerte „Location“ (...) Im Endausbau rechnen wir mit einer reinen Kletterfläche von 2.000m2. Die Resonanz auf unser Projekt ist ermutigend (...) Von Seiten der genehmigenden Behörden kommt man uns mit sehr großer Zuvorkommenheit entgegen (...) Aber das Tollste ist das Interesse, auf das wir bei den Kletterern stoßen: Wenn das so weitergeht, werden wir rund um die Uhr öffnen müssen (...) Wir rechnen mit einer Eröffnung in der ersten Januarhälfte 1998 und mit einer Investitionssumme von ca. 500.000.- DM, also nicht unbedingt soooo wahnsinnig viel, aber doch ein nettes Stück Holz, das wir weitgehend aus Eigenmitteln und Spenden aufbringen wollen“.
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Kletterhalle Heavens Gate im pränatalen Zustand.
Somit waren die Weichen gestellt, und die Mitgliederversammlung der IG Klettern München & Südbayern e.V. beschloß folgendes weitere Vorgehen: Die „Geburt“ der Kletterhalle Heavens Gate wird in die Hände eine fünfköpfigen Gremiums gelegt, mit einer genau definierten Aufgabenverteilung:

1. Andrea Ebert (Kassiererin)
# Genehmigungen # Behörden/Schulamt # Gastro # Kasse

2. Markus „Bambam“ Steinke
# Projektierung Baukosten # Material-, Personalplanung # Projektabwicklung

3. Tom Schlager
# Materialplanung # Herstellerkontakte # Kurse

4. Sebi Wagner
# Koordination # Verträge # Vertretung der IG Mitglieder

5. Ricci Ebert
# Kostenplanung, gesamt # Sponsorenverträge # Koordination # Events
(SV 11/97)

Kurzum: Die Zeit der Unschuld war damit vorbei! Aus Spass wurde Ernst. Und das rasend schnell. Die Post schwoll an. Eine „Tippse“ wurde gebraucht. Gesucht. Und gefunden: Julia Huber übernahm diesen Posten.
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Im Keller ging die Sonne auf, mit Julia Huber.
Ganz nebenbei wurde einfach mal mit dem Hallenaus- und umbau begonnen. Um die Tragweite dieser Entscheidung richtig einordnen zu können, muss man sich vergegenwärtigen, dass es um die Realisierung einer Halle mit der damals (mit Abstand) größten Kletterfläche in Deutschland ging. Umgesetzt von einem kleinen, unabhängigen Verein. Ohne Aussicht auf gesicherte Fördermittel und Subventionen. Und ohne nennenswerte Eigenmittel. Das heißt:
Ein bisschen Geld war zufällig da: 10.000.- DM als Zuschuss für eine Kletterwand für Blinde. Ideale Voraussetzungen also, um Nächte mit dem Schweissbrenner durchzuarbeiten, Kernbohrer und Betonsägen zum Glühen zu bringen. (Ricci kannte mal wieder irgendwen von Hilti. Und so wurden uns diese eigentlich unerschwinglichen Gerätschaften kostenlos zur Verfügung gestellt, damit selbige mal unter absoluten Extrembedingungen getestet werden konnten). Ohne Behinderung durch ein enges Planungskorsett war Learning by doing, Kreativität und Improvisation Trumpf. Ganz nebenbei galt es auch noch seine Fertigkeiten in technischer Kletterei zu perfektionieren, nachdem das Stockwerk über unseren Silos auf einmal ebenfalls vermietet und mit einem Boden versehen war, womit jeder Zustieg von oben nachhaltig verhindert wurde. Egal! Das häusliche Heimwerkerarsenal wurde weiterhin fröhlich geplündert, Brauchbares oder Wiederverwertbares aus heimischen Kellern gekramt oder geliehen. Mitgearbeitet hat, wer halt gerade irgendwie den Fehler beging, „zufällig“ vorbeizuschauen. Wochenlang wurde geschuftet. Ununterbrochen. Rund um die Uhr!

Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass, trotz aller Unkenrufe, das Heavens Gate als fleisch- bzw. betongewordene Nichtkonvention letztlich dann doch immer wieder alle nötigen Genehmigungen bei den Behörden erlangte, den einschlägigen Vorschriften genügte und mit den Vermietern des Gebäudes immer in einem gesunden Kontakt stand. Dass dafür ein gutes Verhandlungsgeschick (damals meist Ricci und Andi) unerlässlich war, darf hier natürlich nicht unerwähnt bleiben.
Nur für Hartgesottene: Die Geburt einer Halle.

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Diese historische IG-Phase wurde nur kurz unterbrochen, um am 12. Dezember wieder beim DGB in der Schwanthalerstraße zusammen Weihnachten zu feiern, mit Tombola und selbstgekochtem Essen. Bölk- und Gesprächsstoff gab´s wie immer mehr als genug. Und die Folge war natürlich: Jede(r), der diesen „Spirit“ damals spürte, war sofort wie besoffen vom Halle-Luja. Kurz: Unvergesslich geile Zeiten waren das!


1998


Nach Riccis Rücktritt wurde

Carola Wildner, Grafikerin, Hamburg

zum 1. Vorstand gewählt. Die eigentliche Macht aber konzentriert sich „im Gremium“, das sind jene oben genannten 5 Leute, die mit ihren Helfern und Helfershelfern, Freunden und Sympathisanten in einem ca. 2 Monate währenden, geradezu titanischen Akt die Kartoffelmehl-Silos einer heruntergekommenen Knödelfabrik in das umbauen, was bald schon Europas höchste Indoor-Halle sein wird – und gleichzeitig das einzigartige Vereinsheim der IG Klettern München & Südbayern e.V.!
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Nasen von vorne: Tamara, Markus, Anja, Steffi, Lucy, Kathrina, Natascha, Steffi und Gabs (vlnr).
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Nasen von hinten.
„Und wo wir schon beim Thema sind – ohne die Hilfe der folgenden Personen hätten wir Heavens Gate nie auf die Beine gestellt!

#KPO-Martin
#Ralf H.
#Benni
#Brösl
#Uwe
#RichardII
#Thomas B.
#Richard Sen.
#Christian E.
#Andi
#Hausi
#Helmut
#Thomas H.
#Christian H.
#Peter
#Robert
#Kilian
#Holger
#Kurti
#Ralf M.
#Edwin
#HG
#Günther
#Markus M.
#Nico
#Stephen
#Tweety
#Martin P.
#Herbi
#Wilhelm
#Wanja
#Stefan R.
#Kathi
#Matthias
#Flo
#Toni
#Bärbel
#Florian
#Martin S.
#Martin Sp.
#Jutta
#Karen


Herzlichen Dank“
(SV 4/98)

Der aufmerksame Leser findet unter all diesen Namen und Kürzeln so manch eine „Nase“, die mittlerweile längst verschollen ist.
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Kalle

Aber auch viele, die seither untrennbar mit diesem silbernen Betonklotz und unserem Verein verbunden sind.
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HG
Der HG zum Beispiel, den sein Schicksal als Westfale eines Wintertages hier vorbeigeweht hat, woraufhin er bis heute gleich mal Anker warf. Unvergessen sein Auftritt als Sägemeister in Unwetter und Sägegischt, als er mit Südwester bekleidet stückweise unseren Haupteingang in die Betonhülle schnitt und dabei den gullilosen Vorplatz in eine veritable Eisarena verwandelte.
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Roland "Hausi" Hausenberger
Oder der Hausi, der dem Laden derzeit als noch nicht graue (Kassenwart-) Eminenz dient; vor allem aber in der FÜL-Ausbildungsleitung unsere Trainer vorbildlich formt und damit die Basis unseres erfolgreichen Kursgeschehens mitbestimmt.
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Benni Plahl
Oder der Benni, der als nimmermüdes Vereinsfaktotum längst die höchsten Weihen bekam und sich offiziell Geschäftsführer nennen darf.

All diese Leute (und noch einige hier nicht Aufgelistete mehr, sorry) fieberten Anfang des Jahres 1998 nur einem einzigen Ereignis entgegen. Und dann kam sie endlich, die erlösende Nachricht:

„Am Freitag, 16. Januar, werden wir eröffnen!
Ab 14.00 Uhr kann dort das ganze Wochenende geklettert werden!“
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Die Vereinspflanze natürlich: Hopfen.
Und so kam es denn auch: Eine neue, junge, unberechenbare Indoor-Halle mit weltrekordverdächtigen 30 Metern Wandhöhe bereicherte plötzlich die bayrische Kletterlandschaft – und wurde von den alteingesessenen Kräften natürlich sofort wahrgenommen: Als Sensation. Und Konkurrenz.
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Das Höchste in München: 30m Adrenalin.
Die allgemeine Aufregung, die mit diesem Herzschlag-Ereignis erst so richtig begann, machte die Chef-Etage nicht unbedingt „gelassener“. Die Halle war zwar endlich eröffnet, aber eigentlich befand sie sich noch im Rohbau. Es gab gerade mal etwa zehn lange Routen, Boulderwände waren fast Fehlanzeige, und die Ausstattung hatte den Charme eines Bauwagens. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Immerhin waren die Lieferanten der großen Brocken zwar alle damit einverstanden, dass sie nur einen Bruchteil der Auftragssumme vorab bekamen – und der Fehlbetrag über den laufenden Betrieb aufgebracht werden sollte. Aber wie weiter, wenn keiner zum Klettern gekommen wäre? Tja, man war eben verdammt jung damals, vollkommen angstfrei und von der Unfehlbarkeit der eigenen Idee komplett überzeugt. Manch einer mag auch rückblickend meinen, wir waren „völlig übergeschnappt“ damals oder wenigstens durch und durch gaga. Oder Dada?
Fest steht diesbezgl. ohne Zweifel, dass unser heutiger 1. Vorsitzender Dr. Wagner seine 2seitige Rezension des Heinz-Zak-Buchs „Rockstars“ mit folgender Schlussnote eloquent abrundete:
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Design by Olli Kögler.
„DaDocDaDeppDeaDenDexdDaDseiDungDsumDruggnDenggdDannDibbdDannDDadeiDaDibbseDaglassnhod“
Vermutlich haben auch ihm damals diese glorreichen Tage ein bisschen sehr die Sinne verwirrt?! Ein echter Wahnsinn aber auch: Eigene Kletterhalle. Mit eigenem Bus. Für inzwischen knapp 100 Leutchen, die nach der 1. großen, öffentlich ausgerufenen Heavens Gate-Party, am 14. März 98, allesamt noch drei Tage danach sternhagel high waren... Dank des neuen IG-Mobils jedenfalls können die ersten Ausfahrten angesagt werden: Zum Roß- und Buchstein. Und zur Kampenwand. Kosten: 13.- DM pro Teilnehmer, die die IG dringendst braucht, denn nach wie vor muss jeder Groschen mehrmals bedächtigst umgedreht werden. Daneben geschehen aber noch andere Dinge, die die IG aus ihrem Unschuldsschlaf schrecken:

„Und dann hat sich noch einer ordnungsgemäß mit gestecktem Achter verknotet, war hochgeklettert und abgestürzt: Er hatte sich an der Materialschlaufe des Sitzgurts eingebunden!“ Aber – Gottseidank – nix Schlimmes ist passiert...
(SV 4/98)
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Down under: Holger Ingerfeld.
Über all jenen Ereignissen kreiste damals – was bei diesem Finanzierungsmodell aber nicht wirklich erstaunt – der große schwarze Pleitegeier. Gerade mal vier Jahre nach Vereinsgründung, mit bis dahin knapp 100 Mitgliedern, war die Kapitaldecke denkbar dünn, Rücklagen waren Fehlanzeige, Hilfe von einem potenten Dachverband oder aus öffentlichen Mitteln war nicht zu erwarten. Einsicht in das fragile Finanzkonstrukt hatten die Wenigsten. Von außen sah man mehr den Rubel rollen und weniger, dass dieser eigentlich längst schon wieder ausgegeben bzw. verplant war. Dieser Umstand warf seinen Schatten vor allem auf die gute Laune der vielen Umbau-Helfer, Mitarbeiter und „Gremiums-Mitglieder“, die mit Herzblut bei der Sache waren und nun wenigstens ihre Auslagen für Baumaterial, Arbeitszeit etc. beglichen haben wollten. Aber was tun? Es war einfach kein Geld da. Nullkommajosef. Die Kassen waren leer. So leer, dass nicht mal mehr der SEILVERHAU kostenlos unters Volk gebracht werden kann. Ok. Verkaufspreis ab sofort also DM 1.- . Dafür darf darin aber auch weiterhin Jede(r) unzensiert sein Wort erheben, wie das ein Autor namens „Stoni“ wg. nicht erfolgter Cash-Rückzahlung denn auch gnadenlos tut. Tippse Huber bringt die Stimmung auf den Punkt: „Kein Wunder, dass diverse Leute keine Böcke mehr auf uns haben.“

Soviel zur inneren Stimmung dieser Tage. Die Nerven lagen einfach blank! Nach außen wird die IG dafür langsam wahr- und ernst genommen und z.B. in Gestalt von Sebi Wagner zu einer Podiumsdiskussion zum ewigen Thema „Sanierung von Alpin-Routen mit Bohrhaken“ eingeladen. Die Hubers, Reinhold Messner, Swami Darshano, Richard Goedecke, Heinz Zak, Andy Dick, Pit Schubert - die Creme de la Szene ist geschlossen vertreten. Und „wir“ mittendrin! Parallel dazu darf sich der Ricci bei der Akademie für Naturschutz & Landschaftspflege über das Thema „Werbung im Bereich Natursport“ verströmen. Während der Tom Schlager inhouse eine Truppe zusammentrommelt, um vom 08.–11. Oktober erstmals gemeinsam unter dem IG-Banner ins sagenumwobene Arco auszuschwärmen: Ein wahrlich unvergleichlicher Ausflug, von dem ein junger Mann namens Christian (1) im SV wie von einem Erweckungserlebnis berichtet.
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Von rechts nach links: C2 und C1.
Und plötzlich eine Sensation: Ricci hatte irgendwie Kontakt aufgenommen und zwar ausgerechnet mit der scheinbaren Inkarnation seines Erzfeinds – sprich: der Geschäftsführung der DAV Sektion München – und dort in Person von Harry Dobner einen ebenso unkonventionellen wie pragmatischen Widerpart gefunden. Nur wenige Wochen später gab es einen Vertrag zwischen der IG und der Sektion München, der den Sektionsmitgliedern erhebliche Vergünstigungen beim HG-Eintritt gewährte und der IG eine hübsche monatliche Abfindung dazu. Daraufhin beginnt man die Dauerpleite gelassener zu nehmen, verteilt den Seilverhau wieder kostenlos, sieht sich dafür aber gezwungen, alle Preise anzuheben. Nicht unerwähnt soll hier bleiben, dass ohne eine ganze Handvoll privater Kreditgeber, die wahrscheinlich gar nicht so recht wussten, wohinein sie investierten oder persönlichkeitsmäßig zumindest vergleichbar wahnsinnig und/oder vom Klettervirus befallen waren, also dass ohne diese das ganze Ding wahrscheinlich echt den Bach hinuntergegangen wäre. Gleichzeitig ist das aber ein grandioses Beispiel dafür, dass rein aus der Kraft der Anarchie – und diese gebündelt durch ein gemeinsames, profitgier- und fast machtkampffreies Interesse an der Sache –, tollste Dinge entstehen können. Wunderbar mitzuverfolgen in jedem neuen SEILVERHAU. Als produktivste Autoren fallen nach wie vor auf: Ricci und Sebi. Tippse Huber ist auch fleißig und berichtet gern detailverliebt, u.a. von X´s* Geburtstagsfeier, irgendwo hinter Rosenheim. Zu schon fortgeschrittener Stunde, so ist zu lesen, musste das bereits mächtig angeschlagene Geburtstagskind wohl die Hütte mal verlassen.

„Als er wieder hereinkam, stellte sich heraus, dass er großen persönlichen Kummer hatte. Wir konnten zwar nicht genau herausbekommen, wieso, aber immer wieder murmelte/stöhnte er etwas von „JÖARG“ – beugte sich anschließend über einen Eimer und füllte diesen mit herzzerreißendem Schluchzen an.“ (SV 12 /´98)
*(Namen der Redaktion bekannt)


Auch Ricci hatte Grund zu feiern. Einen doppelten sogar. Immerhin war gerade die 1. selbstorganisierte TrainerInnen-Ausbildung der IG Klettern München & Südbayern e.V. erfolgreich über die Bühne gegangen: Mit 15 Trainer-AspirantInnen, von denen 7 durchhielten und von den beiden Ausbildungsleitern „Barbi und Doc“ schlußendlich dann auch die höheren FÜL- (=Fachübungsleiter) Weihen überreicht bekamen.
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Die Barbi.
Der andere Grund zum Feiern war, dass angesagte Labels wie Mammut, Gentic oder Elho als Werbepartner auf den rollenden Himmelszug aufsprangen und höchst erfreuliche Beiträge leisteten, was die interne Stimmung deutlich hob. Elho Serac zum Beispiel versorgte die Aktivisten der IG Klettern mit wintertauglichen Funktionsklamotten und bescherte uns den ersten Satz Trainer-T-Shirts. Von Mammut kamen u.a. Seile, Exen und Gurte, die sogleich als Verleih- und Kursmaterial eingesetzt werden konnten. Das spülte wieder etwas Geld in die Kasse, genug jedenfalls, um die komplette IG-Familie am 12.12. erstmals zu Weihnachten im Heavens Gate zu versammeln – und dort eine Party zu feiern, die schlichtweg unvergessen bleibt. Jedenfalls bei denen, die sich überhaupt noch an irgendwas erinnern können.
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Robert "Bob" Noichl schmeißt die Weihnachtsfeier im Alleingang.
Zum Beispiel daran, dass der Robert „Bob“ Noichl damals aus irgendeinem unerfindlichen Grund das komplette XXL-Buffet ganz alleine zubereitete!!

1999


Das Neue Jahr geht sofort gut los – und zwar mit Sebis offizieller Bestallung zum 2. Vorstand der IG. Ein guter Grund dem Volk zu danken:

„Seit der letzten Mitgliederversammlung (07.12.) bin ich also nun Stellv. Obervorleitungsdenkständer unseres zusammengewürfelten Haufens und wurde zu allem Überfluss auf der denkwürdigen Weihnachtsfeier zum Mister IG 1998 gewählt. Das letztere brachte mir eine Trophäe ein, die einer Pastetenform nachempfunden wurde.“ Ach ja, was wären wir nur ohne unsere „ (...) Exponenten Ricci, Tom und Andrea oder ohne unser Faktotum HG, die Huberin und den Robert?! Die blinde Judith und Ilse klettern mittlerweile in unglaublichen Bereichen, auch wegen der tat- und vor allem sehkräftigen Mithilfe vieler Mitglieder. Christian, Hausi, Tweety, Ralf, Beni, Floh, Wanja, Andi und wie sie sonst noch alle heißen.“
(SV 2/99)
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Verschollenes Urgestein: Ralf Draeger.
Die Judith kennt jeder – aber wer kennt eigentlich die blinde Ilse noch? Tom Schlager erinnert sich: „Ilse klettert mit mir auf die Rossteinnadel/3+. Die Gute, blind(!) vertrauend, stellt sich auf der gewundenen Gratschneide hin und will geradeaus weiter. Ok. Nur: Da geht´s 60 Meter in die Südwand. Nach einer kleinen Kurskorrektur berührt sie stolz das Gipfelkreuz und strahlt über ihren Erfolg. Abseilen in die Nordwand, Klettersteig zur Tegernseer Hütte, über die Röhrlmoosalm wieder zurück. Ein Hammertag für uns.“

Aber wir waren beim Sebi: „Stellv. Obervorleitungsdenkständer“ wird am 16.02. natürlich nicht ins Vereinsregister des Amtsgericht München eingetragen, sondern:

Vorsitzende:
Ebert Andrea, München, geb. 28.06.1967
Stellvertretender Vorsitzender:
Dr. Wagner Sebastian, München

Abgewählt wurden:
Vorsitzende: Carola Wildner
Stellvertretender Vorsitzender: Volker Falk

In die anderen 4 traditionellen IG-Ämter wurden gewählt:

Kassierer: Ricci Ebert
Schriftführer: Tom Schlager
1. Beisitzer: Stefan Ringmann
2. Beisitzer: Adel

Und das tat sich sonst noch in jener Zeit:
Flo startet eine Laufgruppe; Ricci lädt zum Skifahren ein; Tom inszeniert eine „Kletterhallentour Allgäu“. Kurz: Die Früchte des Wahnsinns erblühen in schillerndsten Farben. Trotz immenser Schulden gedeiht das Biotop am Kunstpark in wunderbarer Selbstverliebtheit und feiert sich auf Teufel komm raus, zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Die Anarchie lebt! Was sich überall bemerkbar macht. Wanja und Hausi fahren z.B. zu einem Kletterwettkampf nach Pfaffenhofen – und schreiben einen Artikel darüber. Die Original-Überschrift:

„Mein erster IG-Wettkampf. Mein erster Artikel. Und ich weiß keine Überschrift!!“
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Junge Wilde: Wanja und Roland.
Andere Themen werden dafür umso ernster genommen. Soll heißen: Das intern erarbeitete Trainer-Ausbildungskonzept nimmt immer mehr Gestalt an. Nur über einen 6tägigen Anwärterlehrgang gelangte man damals zum 6tägigen Aufbaulehrgang, mit dem schönen Ziel: Fachübungsleiter Indoorklettern.

Gleichzeitig tun sich erste Probleme im Thekenbereich auf. Grund: Die stetig wachsende Nachfrage nach Gurten und vor allem Verleihschuhen in allen möglichen und unmöglichen Größen bringt die Bardamen in echte Bedrängnis. Aber was soll´s, schließlich steht ja am 19.06.1999 das große IG-Sommerfest an. Dazu gleich mal ´ne wichtige Durchsage:
„Keiner aus dem Heavens Gate Gremium darf an den Grill! Wir wollen aus unseren Kottlets nicht von Ricci Hackfleisch, von Tom Steine oder von Doc Dauerwurst machen lassen.“

Für Tippse „Juhu“ ist die Party da schon gelaufen. Denn: „Julia wird uns verlassen“. Heißt: Stelle frei im Heavens Gate. Für: Sekretär(in)/Organisation. Und: Es werden zusätzlich Thekenkräfte gesucht, denn die Halle beginnt richtig zu Brummen, wird zum Szenetreff schlechthin. So ist in den Stellenausschreibungen u.a. zu lesen:

„Dass wir eine sehr offene Atmosphäre bieten, dürfte mittlerweile bekannt sein, ebenso, dass wir einer guten Party nicht abgeneigt sind“:
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DJ Nils und Benni.
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Hausis Jutti.
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Kalle, Senta und Andrea.
Echte Feier-Biester eben! Und plötzlich überall präsent. So hat der Ricci dem Bayerischen Rundfunk z.B. ein Event für „Rock im Park“ in Nürnberg verkauft, wo ein knappes Dutzend IG-Haudegen den Dauerregen dann einfach ignoriert – und die Veranstaltung mit Original Münchner Bierkastenklettern kurzerhand zum Happening macht.
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Inoffizieller Rekord beim Bierkastenklettern: 42 Kästen.
Die Aura dieses weltfremden Wahnsinns lockt denn auch immer wieder wirklich Wahnsinnige ins HG zum Klettern an, die dort unfähig, unwissend oder auch mit völlig ungeeignetem Material ihr Glück versuchten. Meist kam alles zusammen. Manche wollten auch nicht glauben, dass bei 30 m Routenhöhe die damaligen Standardseile mit 45m bzw. 50 m schlicht etwas zu kurz sein könnten. Wodurch sich der Ricci höchstpersönlich genötigt fühlt, mal ordentlich auf den Tisch zu hauen – und allen „Profis und ganz normalen Idioten“ ab sofort gnadenlos den Rausschmiß ankündigt, die „mit zu kurzem Seil kommen und glauben, dass er/sie mittels Räuberleiter und/oder Stuhl zumindestens das Einbinden schafft.“
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Ricci greift ein.
Unser heutiger 1. Vorsitzender, Dr. Wagner, macht sich seinen eigenen Reim im SV drauf:

„Scheisse in nem Überhang
hält sich meistens nicht sehr lang;
Scheisse in dei´m Steinschlaghelm
Auf der Hütte war ´n Schelm;
Scheisse an der Abseilacht
Häufig dunkle Flecken macht
(...)“

Scheiße! Überall plötzlich! Auch in unserer heilen Welt: Am 16. Oktober stürzt Robert „Bob“ Noichl an der Kampenwand ab und „landet“ im Kreiskrankenhaus Traunstein. Der Unfall löst innerhalb der IG-Familie eine derartige Welle der Anteilnahme aus, dass die Andi in der Halle extra einen Kalender aufhängt,
„(...) damit nicht alle am selben Tag hinfahren. Also, wer ihn besuchen möchte, kann sich ja dort eintragen oder sich mit anderen Leuten absprechen, wer, wo, wann, wie...“

Diesem Schock stehen mehrere gute Nachrichten gegenüber: Der Ricci wurde (mit 4 Ja-Stimmen und 1 Enthaltung) zum 2. Vorsitzenden des Bundesverbands der IG Klettern gewählt. Und: Selbiger Bundesverband hat unser FÜL-Konzept zur Trainerausbildung einstimmig verabschiedet – und damit offiziell zertifiziert. Großartig ist das!
Dafür steht unsere Zukunft nach wie vor in den Sternen:
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Sternegucker.
Was geschieht mit dem KPO-Gelände? Werden die Mietverträge verlängert? Wohin ziehen wir im Ernstfall um? Viele, ernste Probleme also, die aber längst der Normalzustand sind.

„Das Problem allerdings, das alles überstrahlt, ist die rechtliche Unsicherheit. Heavens Gate hat mittlerweile eine Größenordnung erreicht, die die Maße und Verhältnisse eines kleinen gemeinnützigen Vereins zu sprengen droht. Deshalb hat uns unser Steuerberater dazu aufgefordert, Heavens Gate so schnell wie möglich wirtschaftlich umzustellen und eine vereinseigenen GmbH zu gründen.“
(SV 7/99)

Und genau so geschah es denn auch: Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 06.12.99 wurde die Gründung dieser GmbH rechtmäßig beschlossen.

Ihr Name: Philo-Silo GmbH.
Ihr Geschäftsführer: Der Ricci.
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Fester Bestandteil jeder Weihnachtsfeier: Die große IG-Tombola.
5 Tage später, am 11.12.99, wurde das 5jährige IG-Jubiläum gefeiert – und es ging mit gewaltigem Schwung furchtlos hinein in ein neues Jahrtausend.


2000


„Stillstand ist Rückschritt“ hieß schon immer der Wahlspruch, daher wurden auch gleich wieder Nägel mit Köpfen gemacht. Ein kleiner, bunter Überblick:

# Der Flo und der Roland rufen die erste Leistungsgruppe für IG-Kids ins Leben.
# Bob Noichl meldet sich aus dem Krankenstand zurück und wird bald wieder im Vorstieg gesichtet.
# Die IG-FÜL-Ausbildung nimmt immer professionellere Gestalt an. Als Ausbilder dienen inzwischen: „Altalpinisten, SportlehrerInnen, Staatlich geprüfte Bergführer, Leistungsträger des Klettersports, PädagogInnen“.
# Unter der liebevollen Aufsicht von Martin Fleck entsteht eine kleine IG-Alpin-Bibliothek.
# Der Mitglieder-Stand beläuft sich inzwischen auf ca. „400 Nasen“, durch deren Köpfe ein neues Projekt zu geistern beginnt: „Die IG will in unmittelbarer Nähe der Gipfelstation der Brauneckbahn ein alpines Sportkletterzentrum einrichten, das vor allem auf mittlere Schwierigkeitsgrade ausgerichtet ist.“ (Hintergrund: Ricci konnte den Grundbesitzer und Wirt der Stie-Alm (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Stefan und Vroni!) von der Idee der Sportkletterei an seinen Felsen überzeugen und nebenbei gleich auch noch ein paar Übernachtungen für die Erschließer erschließen.) Juristische Bedenken überwindet Doc Sebi mit einer Denkschrift. Titel: „Die Rechtssituation felsbetretender Hominiden im Freistaat“. Fazit: „Solang man nichts kaputtmacht, darf uns niemand nirgends am Klettern hindern, was wollen wir mehr.“ Diese Erkenntnis aktiviert sofort die üblichen Verdächtigen. Zu den Männern der ersten Einbohr-Stunden am Brauneck gehören Andy, Ricci, Benni, Günther Merx, Wanja, Hausi, HG - und nicht zuletzt der gute Haydar, der mit „Durchs wilde Kurdistan“ eine der ersten Routen über der Stie-Alm eröffnet.
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Hi da: der Haydar.
Und dazwischen ununterbrochen Ausfahrten, Ausflüge, Spritztouren überall hin: Der Sebi lädt persönlich ins Oberreintal, zur Fahrradlkante. Mittwochs geht´s regelmäßig mit dem IG-Bus in die umliegenden Klettergärten. Fast jedes 2. Wochenende fahren paar Leute nach Arco „in´n Zoo“.

# Man veranstaltet sogar einen Skikurs für Kinder, den der Ricci nicht nur organisierte, sondern auch als Skilehrer persönlich durchführte. # Und: „Wir wollen noch in diesem Sommer eine Außenwand montieren, die sich gewaschen hat. Gut 1000m2 Kletterfläche, rund 25-30 Meter hoch, mit Galerie und wenn möglich mit einem kleinen Biergarten davor.“ (SV 3/00)
# Tom Schlager tritt als Schriftführer zurück.
# Dafür treten andere ins Rampenlicht. Zum Beispiel die Sieger-Seilschaften vom 1. Big Wallhalla* (06.Mai):

1. König/Schußmüller (34 Routen)
2. Hausenberger/Lechner (33)
3. Ingerfeld/Schützenberger 29
4. Zwicklbauer/Streicher (25)
5. Körner/Fleck (22)

*Aufgabe: Als 2er Seilschaft in 10 Stunden so viele verschiedene 30m-Silo-Touren wie nur möglich zu begehen – „Rotpunkt oder Pink-point, Hauptsache alle beide waren oben.“
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Wallhalla-Recken.
O-Ton aus dem Wettkampfbericht:
„ In ihre schweissnassen und dreckverschmierten Gesichter stand die Anstrengung geschrieben. (...) Zwecks Zeitmangel wurde sogar das Rauchverbot im unteren Hallenbereich kurzerhand aufgehoben. Und zum Finale: Ein leckeres Grillfest!!“ (SV 3/00)

Trotzdem: Die allgemeine Stimmung im Verlauf dieses Jahres äußert sich zunehmend „genervt“. Eine 2-Klassengesellschaft wird angeprangert: Ihr da oben, wir da unten. Was dazu beigetragen haben mag, dass nach dem „Urgestein“ Tom Schlager nun auch der verdiente Martin Fleck seinen Ausstieg aus allen Ämtern ankündigt – und damit seinen Abschied vorwegnimmt.


2001


Der Schwund geht weiter: Auch der Haydar schmeißt hin, gibt seinen Posten als IG-Layouter wieder auf. Dafür wird endlich eine neue Sekretärin gefunden: Die gute Steffi – und die bringt sofort frischen Wind in die Bude!

Die jährlich 1x stattfindende, IG-interne FÜL-Ausbildung genießt auch extern immer mehr Anerkennung. Die 12 Plätze sind stets ausgebucht. Nochmal, zur Erinnerung: „Konzipiert wurde die Ausbildung von Barbara Roth, einer anerkannten Pädagogin in der beruflichen Bildung und Sportlehrerin, und von Dr. Sebastian Wagner, einem erfahrenen Praxisprofi in allen Bereichen des Klettersports und der Kletterpolitik“. (SV)
Auch übers Tagesgeschäft kann nicht mehr geklagt werden. Tatsache ist: Die IG Klettern München & Südbayern e.V. zählt mit inzwischen sage und schreibe über 250 Kursen und Schulkletterprojekten pro Jahr zu den renommiertesten Anbietern auf dem Sektor Indoor-Klettern. Und ist – mit gerade mal 500 Mitgliedern – schon auf dem Sprung in die nächsthöhere Liga. Sogar die Süddeutsche meldet: „2-Millionen-Projekt für Kletterfreunde“. Und der Seilverhau konkretisiert: „Es ist soweit! Die IG Klettern München & Südbayern e.V. baut in Bad Tölz eine zweite Kletterhalle!“ Bingo. Es wurden Gespräche mit den fünf lokalen DAV-Sektionen über mögliche Kooperationen geführt. Auch über eine Ablöse der alten Halle wurde gesprochen. Der Architekt hatte schon Pläne erarbeitet. Die Stadtverwaltung von Bad Tölz war wohlwollend. Aber: Der Finanzierungs-Plan für diese Halle wäre wesentlich komplexer gewesen, bzw. man war langsam schlauer geworden und wusste, auf welche Abenteuer man sich einlässt. Das Problem war schnell benannt: „Wir haben zur Zeit noch eine Finanzierungslücke von 650.000 Mark.“ Und: Heavens Gate war ja auch noch nicht in trockenen Tüchern...
Aber damit nicht genug: Die kleine, feine IG Klettern M&S stellte beim Bayerischen Landessportverband (BLSV) zudem auch noch den offiziellen Antrag auf Gründung des „Fachsportverbandes Wettkampfklettern“ – und löste damit ein prächtiges Erdbeben in der bayerischen Sportbürokratie aus. Schließlich war das Wettkampfklettern in Bayern doch bislang unangefochtenes Terrain des DAV. Und plötzlich kamen so Nobodies daher und fordern das Recht auf Mitbestimmung und Teilhabe! Das Ganze verursachte hektische Betriebsamkeit beim DAV, der kurz darauf ebenfalls einen Antrag auf Gründung eines solchen Fachsportverbandes stellte. Wie dem auch sei, auf einer durchaus turbulenten Gründungssitzung im damaligen Hackerkeller an der Theresienhöhe waren natürlich auch Aktivisten der Münchner IG zugegen und konnten gegen einige Widerstände erwirken, dass die IG Klettern M&S nicht nur außerordentliches Mitglied des Bayr. Landesfachverbands für Sport- und Wettkampfklettern (heute KVB) wurde, sondern dass „unsere Barbi“ auch noch von der Gründungsversammlung als Beisitzerin in den Vorstand dieses Fachverbands gewählt wurde. Plötzlich hatte das Wort der kleinen IG Klettern aus München in der großen Welt des Klettersports Gewicht!
Soviel zu den Vorgängen in den oberen Etagen. Das Fußvolk hatte ganz anderen Kummer. Allen voran der Flo, der aufgeregt meldet: „Die Schrauber der Route „Morgenurin“ sollten sich unbedingt nochmal die Position einiger Bohrhaken durch den Kopf gehen lassen, denn eine sichere Seilführung ist hier leider nicht möglich.“
(SV 02/01)

Und plötzlich war die IG Klettern auch noch mit zwei wirklichen Sportcracks bestückt. Ricci konnte die Gebrüder Bindhammer*, zu dieser Zeit sicherlich die besten deutschen Wettkampfkletterer, dafür gewinnen, ab sofort ihre nationalen Wettkämpfe als IGler zu bestreiten. Man erhoffte sich dadurch einen schönen Werbeeffekt – genauso wie fachlichen Input und Kompetenzzuwachs.
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Der Hammer: Die Bindhammers.
*Andreas Bindhammer beendete 1999 mit Platz eins beim Weltcup in Wien die siebenjährige Durststrecke deutscher Wettkampfkletterer - es war erst der dritte Weltcupsieg eines Deutschen überhaupt. Bruder Christian konnte 2001 im italienischen Arco erstmals den prestigeträchtigen Titel des Rock Master für sich entscheiden - ein Erfolg, der beim Tennis mit einem Wimbledon-Sieg gleich zu setzen ist.

Am 24. Juli 2001 dann die große IG-Jahreshauptversammlung, bei der es zum Eklat kommt. Der Grund dafür ist: Geld!
Wie immer meinen die einen, die anderen würden Geld für Dinge ausgeben, das man besser anders ausgegeben hätte. Andere meinen, es fehle viel Geld, wieder andere meinen, das Geld sei schon irgendwo, nur nicht da, wo wieder andere meinen, dass es eigentlich sein sollte. Zum einem guten Teil war dieses Chaos sicher der nicht leicht einsichtigen Konstruktion aus gemeinnützigem Verein und kommerzieller, aber vereinseigener GmbH geschuldet, welche aufgrund der Aufgabenfülle und der Umsätze notwendig wurde, die das Geschehen rund um IG und Heavens Gate mittlerweile erreicht hatte. Aus dem Kassenbuch auf einem Notizzettel war eine veritable Buchhaltung geworden, aus der Indi-Halle ein Unternehmen „mit einem hohen sechsstelligen Jahresumsatz“ (SV 3/01).
Der harte Kern der IG-Familie – und der bestand damals aus so ca. 50 Leuten, bei fast 600 Mitgliedern – war empört. Und wählte im Rahmen einer kleinen Palastrevolution eine neue Riege ins Amt:

1. Vorsitzende(r): Andrea Ebert
Stellv. Vorsitzender: Holger Ingerfeld

Kassiererin: Katja Bader
Schriftführerin Evi Mayer
Beisitzer 1: Silvio Schotte
Beisitzer 2: Sebi Wagner


Wie auch immer, für reinen Spass war mittlerweile zuviel Geld im Spiel bzw. eben nicht mehr, und das führte letztlich zu mehr oder weniger sauber geführten Debatten und Auseinandersetzungen. Darstellungen und Gegendarstellungen gaben sich im Seilverhau die Klinke in die Hand
Keine Frage: Es ging echt wild zu in diesen Tagen! Köpfe rollten und letztlich auch der vom Ricci, sicherlich bis dahin eine, wenn nicht die treibende Kraft beim Aufbau der IG Klettern München & Südbayern und vom Heavens Gate.
Aber es gab auch gute Nachrichten. Die Beste: Wir bekommen „trotz allem“ einen neuen Mietvertrag bis 2005. Das beruhigte die Gemüter. Man denkt auch schon wieder über alles Mögliche nach, z.B. über einen neuen Big Wall-Wettbewerb. Die „Grundidee: Es werden ALLE langen Routen geklettert. Mit Wand-Biwak. Zeitdauer: 1-2 Tage. Ausrüstung: Haulbag, Portaledge, Futter, Gluckgluck und Tüten für Aa & Lullu.“
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Einmalig im Angebot: 54 Routen à 30 Meter.
2002


Leider – oder Gottseidank – setzte sich diese Idee nicht richtig durch. Dafür wird am 9. März ein anderer Wettbewerb ins Leben gerufen, der seitdem jährlich 1x stattfindet: Unser IG-Boulder Cup!

Soweit, so gut. Trotzdem ist die Ruhe futsch: Weil weiterhin heftige Schulden wie ein Damoklesschwert überm Heavens Gate baumeln. Immer nur kurze Mietverträge. Ständig soll das ganze KPO-Gelände – inkl. unserer Halle – plattgemacht werden. Eine in sich total zerstrittene Vorstandsriege. Und dazu noch das erschöpfende Ringen um die Tölzer-Dependance. Die Süddeutsche schreibt:
„Andrea Ebert von der IG Klettern in München, die für das ehemalige Heizwerk der Kaserne ein Konzept erstellt hat, bastelt immer noch an der Finanzierung und verschiebt den Baubeginn wieder und wieder.“ (SZ, 15.02.02)

...und wieder, bis schließlich klar ist, dass die Kräfte nicht ausreichen, um auch noch dieses Mammut-Projekt mal so eben schnell zu stemmen. Logische Folge: Die visionäre Blase platzt – und die Druckwelle reißt so viel altes Elend mit sich, spült so viel Köpfe gründlichst durch, mit dem Ergebnis, dass die IG am Ende ist. In sich auseinandergebrochen. Was also tun: Die Halle ganz schließen? Oder einen Neuanfang wagen? Und wenn schon Neuanfang, dann bitte mit wem? Die Oberlotsen jedenfalls mussten das sinkende Schiff alle verlassen...

Am 17.09.2002 wurden in einer turbulenten Mitgliederversammlung folgende Steuermänner ans Ruder gewählt, mit dem ganz klaren Auftrag, die inzwischen 700köpfige IG-Familie wieder zurück auf den Normalweg zu führen:

1. Vorsitzender: Holger Ingerfeld
Stellvertr. Vorsitzender: Evert Dudok
Kassenwart: Martin Fleck
Schriftführerin: Evi Mayer
Beisitzer 1: Thomas Steffes
Beisitzer 2: Sebi Wagner
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Der Beweis: Ein echter IG-Präsi muß einen Hau haben oder zwei.
Das wirklich Unglaubliche an dieser Wahl war: Mit Evert Dudok und Thomas Steffes wurden 2 Leute in den Vorstand gewählt, die einen Roten Baron nicht vom Gasthaus zur Dusche unterscheiden konnten, uns in ihrer Eigenschaft als EADS-Manager aber mit Know-how befruchten wollen. (Ricci bekommt immerhin noch 6 Stimmen.)

Drei Nachrichten gehen im Trubel fast völlig unter:
1. Alex Huber geht am 1. August 2002 die berühmt-berüchtigte Direttissima an der Großen Zinne (18 SL, bis 8+) free solo!!
2. Der erste offizielle IG-Kletterführer Brauneck ist endlich im Handel. Und:
3. Der gute, alte SEILVERHAU stirbt.
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Harrywiedertschi.
Dafür wird der IG-Newsletter geboren.


2003


Während sich das Heavens Gate unaufhaltsam zum Treffpunkt der Münchner Kletterfreak-Szene entwickelt, konzentrieren sich hinter den Kulissen alle Vorstands-Kräfte auf ein Ziel: Die schwer angeschlagene Philo Silo GmbH wieder auf die Beine zu stellen! PR-Profi Steffes, Steuerberater Merl und Andy Feile entwickelten zu diesem Zweck ein fast 20seitiges Sanierungskonzept*. Dabei kommen sie bei der Beurteilung der Ist-Situation zu folgendem Schluß: Die "Einnahmen sind subkritisch", und die "Betriebsqualität ist grenzwertig".
Als einzig gangbare Lösung wird die "strikte Trennung von Verein/GmbH" vorgeschlagen. Heißt: Es werden zwei Geschäftsführer gesucht.
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Gestatten: Andy Feile, neuer GmbH-Geschäftsführer
Und gefunden: Thomas Steffes (Verein) und Andy Feile (GmbH) stellen sich zur Verfügung. Erarbeiten eine ganze Reihe an Marketing-Ideen – und liefern den Zeitplan zur Umsetzung im selben Atemzug mit.
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Steffi Reith will wissen, wann es losgehen soll?
Was für eine Frage!
"Jetzt! Sofort. (...) Klar ist: Wenn der September da ist, müssen wir es geschafft haben."*
Also nix wie an die Arbeit! Thomas Steffes entwarf gleich mal eine 2seitige Presse-Information*, in der er die Münchner Journalisten u.a. darüber aufklärte, dass mitten auf der Kultfabrik "Europas höchste Kletterhalle" steht. Und dass man in eben dieser Halle u.a. genau das ganz unnachahmlich zu zelebrieren versteht, was sich hinter (dem damals noch seltsam rätselhaft klingenden Tunwort) "bouldern" verbirgt: Bouldern, so schrieb er, "das ist Klettern für die Anspruchsvollsten, für die Mutigsten; Klettern einfach so: ‚ohne’! Ohne Sicherung." Mit einem Wort: Der letzte Kick für Teufelskerle.
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Unvergeßlich: Unsere (ausleihbare) Boulder-Drehscheibe! Letzter Kick für...
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...echte Teufelskerle, wie den Schützenberger Nils.
Von daher sei es auch nur logisch ist, dass die (bei uns bis dato immer noch unter Vertrag stehenden) "Lichtgestalten der deutschen Kletterszene", die bereits erwähnten Gebrüder Christian und Andreas Bindhammer nämlich, nicht mehr nur bei internationalen Großveranstaltungen im Trikot der ruhmreichen IG Klettern M&S e.V. antreten, sondern unserem nächsten Boulderwettkampf jetzt auch noch exklusiv ihren wohlklingenden Nachnamen leihen.
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IG-Model im ruhmreichen Trikot
Langer Rede kurzer Sinn: Am 08. Februar also fand gleich mal der "IG-Bindhammer-Cup für Kinder und Jugendliche" im Heavens Gate statt. Und? Der wurde ein voller Erfolg. Die Münchner Boulder-Szene ließ sich geschlossen einmal mehr selber hochleben. Und folgende Namen gingen als Sieger ihrer Altersklassen in die Bestenlisten ein: Lisa Müller. Benjamin Hoffmann. Leiff Büttner. Christoph Roß. und Manuel Schwaiger.

O-Ton aus dem Wettkampfbericht*:
"Die IG-Klettern dankt nochmals allen, die an unserem Event teilgenommen und jetzt dicke Ballone in den Armen haben - es war einfach abgefahren. Der ganze Wettkampf hätte jedoch nicht stattfinden können, wenn uns nicht folgende Leute, teilweise ganz von selbst, fett unterstützt hätten:
Chris Bindhammer und seine Freundin, Toni Lamprecht, Tom Schlager, Thomas Zilch, Sonja + Nico, Rebecca + Matthias, Thomas Steffes, die Trainerin der LG Kinder & Jugend der DAV-Sektion Augsburg, Hans-Günther Mertensmeier (Hagé), Frank Schouren (DJ Jackengott), Steffi Reith, Steffi Schabert, Michaela (Schiedsrichterin), Chris von der Brücke, Julia, Tamara Baehr und noch ein paar mehr, die eh immer was machen... aber nie genannt werden."
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Roland "Hausi" Hausenberger genießt die Ruhe nach dem Sturm
Gutes Stichwort. Nie genannt – bzw. richtig gewürdigt – wurde auch das bemerkenswerte Engagement „unserer Frau der ersten Stunde“: Judith Faltl.
Ende 2002 erst bestand sie als erste Blinde überhaupt in unserer Sportart die Ausbildung zur "Fachübungsleiterin Klettern", was auf folgender Fotostrecke kurz in Erinnerung gerufen werden soll:
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Teilnehmer FÜL-Ausbildung 2002/2003
Im Uhrzeigersinn: Hg, Hausi, Flo, Nikolaus, Uli, Patrick, Bekka, Judith, Füße
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IG-FÜL-Ausbilder: Evi Mayer
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IG-FÜL-Ausbilder: Benni Plahl
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Biwak-Übung am Brauneck
Und es war im April 2003, da gelang es der blinden Judith nicht nur, fünf (ebenfalls blinde) Teilnehmer für einen Anfängerkurs zu rekrutieren; sondern sie hat diesen Kletterkurs im Heavens Gate auch noch selber abgehalten! Nachträglich nochmal Helm ab vor der Judith, deren bemerkenswerte Power sich natürlich rumzusprechen begann. Bis sogar das Bayerische Fernsehen auf die Judith aufmerksam wurde. Und sie am 31. Juli um 21.20 Uhr im Dritten Programm in die Sendung "La Vita" einlud. (Nur konsequent & logisch also, dass die Judith zu den Helden der Halle gehört. Siehe: http://2010.kletternmachtspass.de/arc/100330/
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Powerfrau der ersten Stunde: Judith Faltl
Zurück zur Halle: Während sich dort unter dem hochkarätigem EADS-Management das Tohuwabohu rund um Verein und GmbH allmählich zu entwirren begann, wollte man auch im Tagesgeschäft in Zukunft ALLES besser machen. Guter Vorsatz, zweifelsohne. Aber: Was genau eigentlich gehörte verbessert? Antwort darauf sollte eine 2seitiger Fragebogen liefern, der als "1. große IG-Umfrage"* in die Annalen einging. Genau 200 dieser Fragebögen wurden von den Herren C1 und C2 (= Christian Rödling und Christian Wimmer) ehrenamtlich ausgewertet, bis sich "das Mysterium Halle" endlich auch prozentual darstellen ließ. Hier ausgewählte Einblicke:

Was gefällt dir hier besonders gut?
(67) Die Stimmung (27) Der Boulderbereich (27) Die Höhe
(23) Der Routenmix (20) Die Musik (7) freie Routen

Wie findest du die zwischenmenschliche Atmosphäre?
(125) gut (29) mittel/geht so (5) schlecht
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Fanden die „zwischenmenschliche Atmosphäre“ phasenweise mehr als nur gut:
Steffi und Nico
Fühlst du dich sicher?
(137) ja (10) mittel/geht so (11) nein

Wie findest du die Getränkepreise?
(117) ok (36) zu teuer

Wie findest du die Eintrittspreise?
(78) ok (85) zu teuer

Fazit nach der Endauswertung:

"Mag sich jeder seinen eigenen Reim auf diese vielen Zahlen machen! Oder es mit Winston Churchill halten: ‚Ich glaube nur an Statistiken, die ich selber gefälscht habe.’ Tatsache jedenfalls ist, dass unser Biotop über eine Atmosphäre verfügt, die 40% aller Befragten ganz „besonders gut“ gefällt. Mit anderen Worten: Man geht gern ins Heavens Gate. Wegen der Halle. Und wegen jedem einzelnen von uns!!"
Dazu zählen in dieser aufregenden Phase unbedingt auch Bekka Battis und Patrick Rist, die 2003 ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei uns machten, was sie wohl derart zusammenrücken ließ, dass sie bis heute immer noch als "liebes Paar" durchs Leben gehen.
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"Red Bull" Patrick Rist
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Smoking Bekka
Was geschah sonst noch im Jahr 2003? Klar: Wilde Ideen geisterten wie immer durch die Köpfe der Verantwortlichen. So sollte erstmals ein Mehrfachwettkampf ("Allstar Competition") ausgetragen werden, der aber leider nie realisert wurde. Dafür fand am 22.11. einmal mehr unser "Big Walhalla" statt. Etwa um diese Zeit wurde auch das 1. betreute Mutter/Kind-Klettern aus der Taufe gehoben (, ein IG-Kurs-Angebot, das sich bis heute großer & kleiner Beliebtheit erfreut). All das – und noch viel mehr – aber ging irgendwie im Jubel über eine Nachricht unter, an die schon keiner mehr richtig geglaubt hatte: Wir kriegen einen Mietvertrag für weitere 3 Jahre! Unsere Zukunft auf dem Kunstpark-Gelände ist damit für weitere 1000 Tage gesichert. Neue Hoffnung macht sich breit, die wieder neue Kräfte entfesselt, um das nach wie vor extrem dünne Eis, auf dem sich alle diese Geschichten hier zutragen, weiterhin zu stabilisieren. Ok. Aber, bitteschön, was tun?
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1. Vorsitzender Holger Ingerfeld hat in den Dolomiten einen Geistesblitz
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Beisitzer 2 Sebastian Wagner empfängt die Nachricht telepathisch
Der Vorstand bringt es schließlich auf den Punkt:

"Wir brauchen noch mehr Mitglieder, Freunde, Mäzene, Sponsoren, Bouldercracks und Kletterfreaks, Anfänger und Fortgeschrittene, Aktive und Passive usw. Bringt also Eure Freunde mit: zum Schnuppern, zum Testen, zum Hallen-Luft Atmen. Denn: Wir haben etwas Einmaliges zu bieten, und das sollten viel mehr Leute wissen als bisher.

Nachwuchsförderung ist wichtig. Sonst stirbt man aus. Oder vergreist. Oder wird peinlich. Nachwuchsförderung ist notwendig, genauso wie das "Sich-Kümmern" um sozial Benachteiligte, Behinderte oder Schwache. Das haben wir zu unserer Sache gemacht.

Und das soll so bleiben. Dafür stehen wir. Euer Vorstand"***


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Üblicher Verdächtiger
Nicht die schlechteste Ausgangsposition also, um die finale Abschluß-Party Jahres, unsere Weihnachtsfeier nämlich, derart konsequent zu zelebrieren, dass bei den üblichen Verdächtigen das Kopfweh bis weit ins Neue Jahr anhielt...

* (Quellen liegen vor)
** Nieder mit der Inflation! Zum Vergleich die Preise 2003 für Schüler/Studenten/Azubis: Tageskarte: 4.- €/Abendkarte: 5.50 €/Klettergold: 185.- €
*** Erste Meldung auf der neuen Vereinshomepage, für die sich der Thomas Steffes sie Domain "kletternmachtspass" ausgedacht hat, weil "heavensgate" in allen Schreibweisen leider schon vergeben war.


2004


(Fortsetzung folgt)
Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH. Stand: 29.03.2014 21:11