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Skihochtour

Tödi - Skihochtour

 

Eigentlich wollten wir nicht nach Sargans. Nicht, dass wir generell was gegen Sargans hätten. Ehrlich gesagt, hatten wir uns noch nie groß um Sargans gekümmert, geschweige denn Gedanken gemacht. Vor allem nicht jetzt, da wir ganz woanders, einiges weiter südlich hin und an Sargans nur vorbei wollten. Idealerweise ohne zu merken, dass wir gerade an Sargans vorbeifahren. Nur mein Auto war anderer Meinung. Und so sind wir jetzt in Sargans.

Auch gut, nach der ersten Ratlosigkeit. Insbesondere nachdem wir eine gemütliche Unterkunft mit angegliederter Küche gefunden hatten. Nur auf Roberts Kochkünste werden wir zukünftig nicht mehr vertrauen.

Wochenende heißt für Schweizer Werkstätten definitiv Wochenende. Damit ist klar, wir sind länger in Sargans. Ein Tag fußläufig entfernter Klettergarten am Schollberg geht ja ganz korrekt in Ordnung. Aber dann sollten Ski und Gletschergeraffel doch ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Für das Tal haben wir eindeutig zuviel warme Klamotten dabei. Nur wohin? Sargans hat zwar den Pizol, der ist jedoch mittlerweile bis über die Mittelstation schneefrei. Da kommt Robert nach einer Steige Dosenbier sein Töditrauma in den Sinn. Zweimal hat er ihn schon versucht, jedesmal wurde er grimmig mit schlechtem Wetter abgeschüttelt. So etwas muss man aufarbeiten, wir helfen gerne dabei.

Montags früh kommt das Vehikel in die Werkstatt, das Vertrauen in die Fähigkeit niedersächsischer Ingenieurskunst wird ein weiteres von viel zu vielen Malen erschüttert. Der eidgenössische Meister seines Fachs ist jedoch guten Mutes, das Problem bis zum nächsten Abend gelöst zu haben. Das klingt gut, noch besser ist das anschließende Frühstück von Marianne in unserer grandiosen Bleibe und am Besten das dazugehörige Müsli. Das lassen wir natürlich auf keinen Fall sausen. Danach geht es mit prallem Bauch und vollen Säcken zu Fuß zum Bahnhof.


 


2 Postmänner am Bahnsteig

 

 

Die Bimmelbahn führt mit einmal Umsteigen nach Linthal, ab dann brausen wir mit Edy’s Alpentaxi nach Tierfehd, wo der Zustieg zur Fridolinshütte beginnt.

Der Fridolin ist der Schutzpatron des Kanton Glarus und von daher heißt die Hütte hier so, wie sie heißt, der Gebirgsstock hier Glarner Alpen und damit hat alles seine Richtigkeit und seine beruhigende Ordnung.

Die steile Forststraße ist steinig, die Sonne brennt, der Schweiß fließt in Strömen. In weiser Voraussicht haben wir die Plastikeimer an den Rucksack gehängt und schweben zunächst auf weicher Schmeichelturnsohle nach oben.  Irgendwann wird es flacher, bis Hintersand ist der Weg aber schneefrei.

 

 

 

gepflegter Zustieg


 

Dort an der Alphütte machen wir Brotzeit, rüsten auf die Ski um und lassen die Halbschuhe zurück. Ohne den Neuschnee der letzten Woche wäre wohl sonst auch hier kein Winter mehr, aber mit zunehmender Höhe wird die Schneeauflage dicker und wir schieben die Bretter stetig Richtung Hütte.

 


Einer geht, Einer staunt

 

Das Wetter macht auf wolkig, wir sind unverzagt guten Mutes und schwitzen dafür etwas weniger. In der Hütte ist es immerhin trocken, dafür nur fast warm, es gibt zu Essen und vor allem auch zu Trinken. Allerdings mit allzu harten Schweizer Franken zu entlohnen. Aber so isses halt. Wir studieren die ausgeliehen mitgeführte Karte und entscheiden uns für eine moderate Aufstehzeit.

 

 


Frische Routenplanung


 

Die halten wir auch ein und lassen uns nicht durch die vorher entstandene Hektik der Frühstaufsteher beirren. Dafür haben wir beim Frühstück unsere Ruhe und können danach ohne Rempeleien die Schuhe anziehen. Kurz wird der Hüttenhang heruntergerutscht, dann geht es ans Auffellen. Es ist immer noch dunkel, somit haben wir auch nichts versäumt und schnaufen im Schein der Stirnlampen der deutlichen Spur unserer VorschnäuferInnen hinterher.

 

 


Rinnengewerkel, fern


 

Langsam wird es hell und wir sehen die Vorhut dann auch bald in der Rinne werkeln, die rechts am ersten Gletscherbruch vorbeiführt. Das ist schlicht und ergreifend steiles Stapfgelände. Ist man dort, kommen die Ski an den Sack und dafür die Eisen vom Sack an den Schuh. Was vom Ergebnis her wurscht ist, denn derschnaufen muss man die Stelle so oder so.

 

 


Rinnengewerkel, nah


 

Danach wird es wieder etwas gemächlicher. Wir haben auf unsere Vorhut aufgeschlossen, diese hinter uns gelassen und dürfen uns jetzt den Weg selber suchen. Dafür sehen wir nichts mehr. Genauer: nichts, womit wir richtig was anfangen können. Die Wolke tut, was sie kann. Entlang der spärlichen Spurenreste hangeln wir uns weiter. Solange man noch irgendwas von Vorgängern erahnt, hat man das Gefühl, noch richtig unterwegs zu sein. Zur Sicherheit seilen wir uns an, ob und wie und wo da Gletscher ist und schon gleich gar Spalten, ist weder im Groben noch im Detail auszumachen. Und wenn der Strick schon dabei ist, wird er auch benutzt. Schließlich wird es steiler und ganz schließlich sakrisch steil, Zefix. Aber wo man normalerweise wohl nur abfährt, kann man auch mal raufschuften, Hauptsache ankommen. Irgendwann geht es hinten runter, wir sind also an einem Grat.

 

 

 

Gratgang


 

Aus nachvollziehbaren Gründen fallen wir aber lieber nicht hinten runter, sondern gehen schlicht nach rechts rauf, denn jeder Grat endet mal an einem Gipfel. Sonst wäre es ja auch kein Gipfel. Kurz vor diesem hat die Wolke dann ein Einsehen und zieht sich nach unten zurück.

 

 


Über den Wolken


 

Wir sehen dafür das Kreuz und haben damit für die letzten Meter eine Zielvorgabe. Oben angekommen, staunen wir über den Ausblick und den Anraum.

 

 


Staunzeit


 

Aber trotz Sonne wird ist es nicht so richtig warm, wir kürzen die Sache ab und rüsten uns zur Abfahrt.

 

 


Raumzeit


 

Der Harsch macht die Sache leider rechtschaffen unerfreulich und die blöde Wolke, in die wir wieder eintauchen, macht sich auf unvergleichliche Weise nochmal bemerkbar. Der neblige Gleiß macht die Orientierung schon sehr mühselig, irgendwie stammeln wir uns nach unten.

 

 


Spaltengestammel


 

Bis sich die Sonne schließlich doch noch endgültig durchsetzt und wir uns in einem größeren Kontext orientieren können. Das entspannt immer wieder ungemein, wenn man sieht, wo man ist.  Die steile Aufstiegsstapfrinne verspricht kein skifahrerisches Erlebnis, dafür sehen wir eine spannende Spur mitten hinein in den Gletscherbruch.

 

 


Orientierungsphase


 

Nichts wie hinterher, ein bisschen Abenteuer kann nicht schaden. Immerhin besteht eine verschärfte Chance, dass da doch wirklich einer mit einer guten Spürnase einen Durchschlupf durch den Verhau gefunden hat.

 

 

Nix wie hinterher


 

Prächtig und immer wieder ein Ereignis, sich so zwischen Eistürmen und Spalten durchzubasteln.

 

 


Prachtgelände


 

Höchst spannend, ob es nach der nächsten Ecke überhaupt und, wenn ja, wie weitergeht. Und höchst entspannend, wenn man eine gute Spurvorgabe hat.

 

 


Spannungsgelände


 

Letztlich endet das Ganze in prächtigem Schigelände, das dann auch brauchbaren Schnee und damit die Möglichkeit für ansehnliche Schwünge bietet. Solange man es im  Rausch der Sinne nicht übertreibt.

 

 


Auslaufgelände


 

Auf diese Weise legt Robert als überzeugter Kurzschwunganhänger einen astreinen und respektablen Überschlag hin. Nachdem wir ihn und all das seine wieder eingesammelt haben, könnte man jetzt einfach gen Tal weitersurfen.

 

 


Landeplatz


 

Wir aber müssen erst noch zur Hütte hinauf, das dort deponierte Gepäck einladen. Aber  vor allem auch ein paar Kalorien nachladen und den Wasserhaushalt reparieren. Also erneut auffellen, schnaufen und schwitzen. An der Hüttenterrasse wird zufrieden auf das bisherige Tagwerk zurückgeschaut.

 

 


Rückschau


 

Robert nutzt die Zeit für ein Nickerchen in der Stube, Vali und ich genießen die Sonne, die Handwurst und den Ausblick. Trotz intensiver Bestrahlung wird uns aber auch hier nicht so richtig warm, die dicke Jacke bleibt an und der Bikini im Beutel.

Schließlich hilft es nix, wir wollen ja wieder zurück. Edy’s Alpentaxi wird informiert, wir packen zusammen und ab geht es Richtung Tal. Und das sogar halbwegs brauchbar, bis fast ganz zu unserem Schuhdepot. Wenn man diverse Lawinen ausnützt und einen Grundfatalismus zum Thema Skibelag hat. Bei Hintersand wird wieder um- und ausgezogen und es beginnt der Talhatscher.

 

 

 

Um- und Auszug


 

Wer kann und hat, dem sei dort wahrlich ein Bergrad empfohlen, wir nehmen den Weg unter die leidgeprüften Füße. Und das zieht sich. Wie so oft. Was es nicht schöner macht.

 

 


Anfang vom Ende


 

Immerhin kommt uns beim Abstieg die Glarner Hauptüberschiebung so richtig prächtig und unübersehbar in das Sichtfeld. Gewaltig und grandios, dieses Dokument der Erdgeschichte und Alpenentstehung. Eigentlich unvorstellbar, wenn es nicht einfach offensichtlich da wäre. Wir genießen den Augenblick, schließlich allesamt in Summe drei hochlobenswerte Geologen. Das Staunen hat ein Ende, der Weg noch lange nicht. Aber wir kommen dann auch irgendwann einmal an. Edy fährt wie der Teufel und so erreichen wir ums Arschlecken noch den Zug, den wir eigentlich schon abgeschrieben haben. Marianne hat in Sargans auch noch unser Zimmerchen und in der Werkstatt gibt es Abendschicht mit Barkasse und neuem Kühlerschlauch.

 

 

 

Skihochtour

Tödi – Zufallstreffer

 

 

Facts:

Tödi  3615 m NN

Ca. 1300 Hm/3 – 4 h zur Hütte, von dort ca. 1500 Hm/ 4 – 6 h zum Gipfel.

Für Viecher auch komplett vom Tal aus möglich

Normale Gletscherausrüstung sinnvoll, ausreichende Kenntnisse im Umgang damit und sicheres Skifahren erforderlich. Die Möglichkeiten einer Bergradbenutzung sollten ergebnisoffen geprüft werden.

16.03.2018 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 16.03.2018