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Klettern auf Rädern

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.
C1 Kolumne
Ausgabe 06/2012 vom 02.11.2012

Ältere Ausgaben


Klettern auf Rädern



„Je älter du wirst, desto höher werden die Berge“, hat mal ein weiser Mann gesagt. Und so ist es leider auch, verdammt! Trotzdem hörst du sie weiterhin rufen, deine Schicksals-Berge & -Gipfel, so telepathisch irgendwie. Irgendwie nehmen sie Kontakt mit uns auf: „Infizieren“ uns über unsere Träume, Wünsche oder Sehnsüchte mit der immer zwingender werdenden Idee, „genau diesen steinernen Haufen“ – aus welchen Gründen auch immer – unbedingt mal besuchen zu müssen. 1x nur wenigstens! Tja, und dann ist`s meist nur noch eine Frage der Zeit, bis es endlich wieder losgeht. Irgendwohin. Mit einem Gipfel-Ziel vor Augen, das deinem Leben einen tieferen Sinn und eine klare Richtung gibt. Aber: Man wird eben halt auch älter. Nichts ist mehr so leicht wie „früher“. Und „früher“? War bekanntlich alles anders: Alles!

Früher hat man im Oberreintal z.B. sein Fahrrad
noch mitten in der Wand abgestellt.

Ganz egal, wer auf sein Leben zurückblickt, „früher“ war der Schnee immer viel weißer und tiefer, die Gipfel-Wurscht hat früher intensiver geschmeckt; und die Hütten-Gaudi war auch irgendwie anders: Früher, als man noch mit dem Drahtesel aufbrachen, von München oder Rosenheim, bis Kufstein über Bayrischzell. Hin & zurück am selben Wochenende. Um im Kaiser was zu reißen. An den Ruchenköpfen droben. Oder an der Kampenwand.

Typisch Hermann Buhl:
Fällt vom Radel und wird trotzdem unsterblich.

Legendär die Radlfahrt des unvergessenen Hermann Buhl: In Landeck startend, passierte er um Mitternacht desselben Tages die Schweizer Grenze. Über den Maloja-Paß ging´s dann ins Val Bregaglia hinunter. Mit nur fünf Franken in der Tasche erreichte er um 19 Uhr abends endlich total durchnäßt sein Ziel für die Nacht, die Sciora-Hütte. Am nächsten Morgen um sechs Uhr stieg er – free solo!! – in die riesigen Platten der Nordostwand des Piz Badile ein. Um elf Uhr hatte er die 800 Meter hohe Wand hinter sich gebracht. Dann stieg er über die Nordkante ab – und auf sein Radel wieder drauf. In zwei Stunden schaffte er die 20 Kilometer (und 1100 Hm) auf die Passhöhe zurück. Um zwei Uhr morgens passierte er die Grenze nach Österreich. Kurz vor Innsbruck schlief er dann am Lenker ein – und stürzte samt Gepäck in den reißenden Inn. 1952 war das, ein Jahr vor dem Nanga Parbat.

Hans Kammerlander.
Wär den Everest fast als Erster mit dem Radl runtergefahren.
Dann entschied er sich für Ski.

Nicht weniger spektakulär liest sich, was „der junge“ Hans Kammerlander vollbrachte: 1991 durchstieg er an ein und demselben Tag (mit Hans-Peter Eisendle) die Nordwände des Ortler und der Großen Zinne, was allein für sich ja schon eine große Leistung ist. Aber damit nicht genug! Die 246 km Entfernung zwischen den beiden Bergen fuhren die beiden auch noch auf dem Radl!

Soviel zu „früher“, als die wirklich wilden Hunde noch ein bisschen wilder waren. Und heute? Heut ist alles noch genauso! Nur ein bisschen anders eben. Wie schon eingangs angedeutet: Die Berge, die rufen, sind deutlich niedriger geworden. Dafür locken sie umso süßer. Ihr Lockruf kommt diesmal aus einem Ort namens „Vinales“ – und der befindet sich mitten auf Kuba.

Nach Vinales? Immer der Zigarre nach!

Gerüchten zufolge sollen sich dort „ein paar Leute so wie du & ich“ gleich bei einem der schönsten Strände der Welt eine Kletter-Oase geschaffen haben – so einzigartig wie unsere Halle! Und? Gibt es einen besseren Grund, dort einfach mal vorbeizuradeln? Gibt es nicht. Also: Werde berichten.
Verspricht

Euer C1

02.11.2012 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 02.11.2012