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Fleischbank SO-Verschneidung

Erlebnisbericht alpine Gemeinschaftstour, Herbst 2011





Samstag ca. 5:00 Uhr daheim. Frühstück. Zumindest versuche ich es. Bin schon etwas nervös. Habe auch nicht sooo gut geschlafen. Neben mir steht ein gepackter Rucksack mit meinen überschaubaren Kletterhabseligkeiten. Jaro kommt in einer halben Stunde, um mich abzuholen.

Ziel: Wilder Kaiser - Fleischbank, die angepeilte Route: SO-Verschneidung (10SL, 8-, 7-(A0), 430m).

Wie sagt der ("Wilde") Kaiser doch so schön: Schau mer mal...

Das wird sicherlich anstrengend und klettermäßig grenzwärtig für mich - also doch frühstücken!!! Schließlich kommt Jaro, ich steige zu, und los geht’s. Autobahn, dann Landstraße und schließlich in Griesenau die Passstrasse hoch. Inzwischen ist die Sonne aufgegangen, allerdings ist es ziemlich nebelig. Kurz vor der Griesner Alm dann haben wir den Nebel hinter uns gelassen und der Wilde Kaiser liegt zur Linken. Ein Wahnsinnsanblick! Vom Parkplatz aus dann ca. 1h Zustieg über den Eggersteig zum Ellmauer Tor. Jaro zeigt mir während des Gehens einige bekannte Touren: u.a. "Pumprisse" oder "Des Kaisers neue Kleider". Bin ich hier wirklich richtig? Dann endlich der Einstieg. Wir sind die ersten, und soweit ich das sehen konnte, auch die einzigen an diesem Tag in dieser Tour. Etwas weiter unten, am Einstieg zur Dülfer gibt es dafür schon Gedränge (3 Seilschaften). Ok, dann mal los. Gurt an, Seile durchziehen, Jaro behängt sich mit Exen, Keilen und Friends. Jetzt wird es ernst. Naja, noch nicht so ganz. 1. SL ist mit 6 bewertet. Jaro klettert zügig (Lektion 1: Alpinklettern ist auch viel Zeitmanagement). Steige nach. Noch etwas zittrig. Am Standplatz dann die (böse) Überraschung. Nächste Seillänge (5) ich. Also los... vielleicht. Es gibt Gott sei Dank einige Bohrhaken. Ansonsten versuche ich so oft, wie möglich etwas zu legen. Es dauert auch nach objektiver Bewertung schon ziemlich lange. Kann auch den neu sanierten Standplatz nicht finden. Also Stand an Klebehaken + Köpflschlinge. Jaro kommt schnell nach und steigt gleich weiter zum eigentlichen Standplatz! Ach da wär der also gewesen... Hüstel! (Lektion 2: Übersicht behalten). Das war dann auch schon das glorreiche Ende meiner Vorstiegsbemühungen. Ab jetzt nur noch brav Nachstieg. Ab der 3. SL (6) sind wir auch endlich aus dem Schatten draußen. Wunderschönes Wetter. Rechts beginnt schon die Verschneidung. Diese wird allerdings erst in der 4. SL (7+) benutzt. Diese Seillänge ist echt der Wahnsinn!!! Kurz nach dem Stand rein in eine sehr glatte und auf den ersten Blick strukturlose Riesenverschneidung (ca. 30m nur Verschneidung!). Aber beim Klettern merkt man schnell, dass eigentlich immer an der richtigen Stelle was zum Treten ist. Für die Arme heißt es allerdings meistens Stützen oder in den Verschneidungsriss greifen. Außerdem gibt es hier reichlich (zum Teil sehr altes - noch von den Erstbegehern, 1944) Material. Ergo: wenn es mal gar nicht geht... Habe ich auch genutzt (mit nur bedingt schlechtem Gewissen - Vgl. Lektion 1).

Die nächste Seillänge (7) fand ich persönlich am schwersten. Über zwei kleinere Verschneidungen und ein kleines Dach (oder Dächlein, OK) zum nächsten Standplatz. Dieser kleine Überhang sollte sich als mein größter "Feind" erweisen. Erwische nicht die richtigen Griffe. Nur an einer Stelle, die aber brüchig aussieht. Und was soll ich sagen. Ja, was im alpinen Gelände brüchig aussieht, ist es auch meistens! Abflug. Der ehemalige Griff strebt dem Erdmittelpunkt entgegen, während mich die beiden Halbseile fangen. Das war offensichtlich auch für die Wanderer interessant. Nach einigem Herumgezappel mit ordentlich Adrenalin komme ich schließlich am Standplatz an. Dort die Ermahnung... schon klar: brüchig = nix gut! Habe meine Lektion 3 gelernt. Die nächsten beiden Seillängen (7 und 7-) gehen jetzt ganz gut. Das Wetter ist wirklich super. Keine Wolke am Himmel, warmer Fels, Gruß von einer Gruppe Steinböcke im Ellmauer Tor. Bequemer Standplatz auf einem Band (nach einigen Hängeständen in den Verschneidungsseillänge). Genialer Tag. Die nun folgende 8. SL (laut Topo 8-). Ein überhängender Riss (da johlt schon beim Anblick die Haut an den Fingern). Aber, oh Wunder, das ging wirklich gut (im Nachstieg, schon klar, aber dafür frei). Für Jaro als Elbsandstein erprobten Rissjunkie natürlich auch im Vorstieg. Die Tour ist hier im Wesentlichen zu Ende. Die beiden übrigen Seillängen (4 bzw. 3) schenken wir uns, u.a. um wieder besser zum Einstieg und damit zu unseren Rucksäcken zu kommen. Ziel: Abseilen über die Nachbartour. Nach insgesamt ca. 8h waren wir schließlich wieder unten beim Einstieg. Wow! Zurück zum Auto. Diesmal entspannter als heute früh, ein bisschen was Essen und zurück. War wirklich ein Wannsinnstag mit einer (für mich) schweren, aber genialen und (für alpine Verhältnisse) gut abgesicherten Tour. Habe mich dank meines Kletterpartners /-lehrers immer sicher gefühlt. Danke!!! Super viel dabei gelernt. Das waren in Wirklichkeit eher 30 Lektionen!













Daher Ziel für 2012: aus dem reichlichen informativen input möglichst viel alpinen Kletter-output machen...


Sebastian Böcklein

14.02.2012 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 14.02.2012