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Climbing the Golden Triangle

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.
C1 Kolumne
Ausgabe 01/2012 vom 18.01.2012

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Climbing the Golden Triangle



Jedesmal die gleiche Gaudi: Je näher der Aufbruch rückt, desto mächtiger das Beben, das dir gleich ins Beinkleid rauscht! Das ist vor einer großen Wand genauso wie vor einer Asien-Reise. Wie überhaupt vor jedem Tripp ins Ungewisse. Unbekannte. Unvorhersehbare. Kurz gesagt: Nicht nur die Liebe geht durch den Magen. Vor jedem Grenzgang rumpelt´s im Bauch. Diesmal sogar ganz gewaltig. Denn: Diesmal ging´s ins Goldene Dreieck. Ins Vergessene Land. Also nach Laos.
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne


Burma, Thailand und eben Laos umgeben das sog. „Goldene Dreieck“: Eine gewaltige, total unübersichtliche Urwaldregion, in der die Leute nicht nur Schnittlauch anbauen. Während in den Anden das Koka-Blatt wächst und bei uns der Hopfen fein rankt, gedeiht im Goldenen Dreieck der Mohn ganz besonders, was hier aber nur nebenbei erwähnt werden soll. Denn, soviel als Fazit gleich vorweg: Laos berauscht „pur“ schon mehr als genug! Wohin du auch kommst, immer wieder diese Erkenntnis: Das Paradies auf Erden könnte schöner nicht sein. Was nicht unwesentlich eben auch damit zu tun hat, dass es in Laos noch kaum Autos gibt. Keine Zeitung. Und der höchste Geldschein dort einen Gegenwert von 5 Euro hat. Münzen gibt es keine. Verständigung: Englisch. Kolonialherren: Franzosen. Staatsform: Großfamilie. Durchschnittl. Lebenserwartung: 55 Jahre. Das angeblich meistbombardierte Land der Welt. Im Herzen Südostasiens. Ohne einen Millimeter Küste. Dafür mit einem atemberaubenden Fluss, dem Mekong, der das Land wie eine urgewaltig Schlagader durchpumpt.
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Schlamm drüber! Der Mekong ist der beste Dünger.

Wir hatten gut drei Wochen Zeit für die klassische Erkundungs-Route: Vom Basislager in der Hauptstadt Vientiane auf der einzigen Straße immer senkrecht in den Norden hoch, zu unserem Gipfel-Ziel, einem Ort namens Luang Namtha. Und weil der Geist unserer Halle immer & überall weht, unternahmen wir diese Fahrt auch „mit Bergsteiger-Augen“. Heißt: Waren ständig am Gucken, was alles so geht...
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Ocker vom Hocker: Die typische Farbe des Mekong

Die größte Aufmerksamkeit aber zogen zunächst nicht die Berge auf sich, sondern der Mekong, dieser unglaubliche Fluß. Neben dem Brahmaputra, dem Ganges und dem Indus gehört der Mekong zu den vier heiligen Flüssen des Himalaya. Seine bislang unentdeckte Quelle wird im Einzugsgebiet des heiligen Bergs Kailash vermutet, also irgendwo im Hochland Tibets. Von genau dort bis zu seinem Delta legt das extrem ockerfarbene Wasser sagenhafte 4.000 Kilometer zurück. Allein 1.800 davon mitten durch Laos, mit übers Jahr verteilten Pegelschwankungen von 3 bis 20 Metern.

An einem Seitenarm des Mekong nun, ca. 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt, an einem Fluß mit Namen Nam Song, liegt ein Ort von geradezu magischer Schönheit. Die globale Sehnsuchts-Projektion eines jeden Backpackers: Vang Vieng!

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Hüttenglück mit Blick ins Paradies


Der Insidern durchaus nicht unbekannte „Kletterarzt“ Volker Schöffel entdeckte Vang Vieng bereits im Jahre 96; und hat im Verlaufe mehrerer Erschließer-Reisen dorthin ein gutes Dutzend Routen hinterlassen. (Bis zum oberen VIII. Grad glaub ich, Topos recherchierbar.)
Im spürbar boomenden Vang Vieng gibt es inzwischen etliche Adventure-Agencies, über die man z.B. „Toprope-Klettern with Guide“ buchen kann. Auch möglich: Du leihst Dir dort das Komplett-Equipment aus – und ziehst auf eigene Faust los, was wir auch taten. Aber nicht mit Seil und Haken diesmal...
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Isar-Flimmern im Herzen von Laos

..sondern mit Kajaks zogen wir los, die man dort auch mieten kann. Ließen uns 25 Kilometer stromaufwärts bringen – und paddelten dann einen göttlichen Tag lang auf dem Nam Song zurück nach Vang Vieng.
Leute, die es etwas gemütlicher mögen, lassen sich nur etwa 4 Kilometer stromaufwärts fahren, zu einer unbeschreiblichen Location, wo´s echt jeden Opi um haut. Und die Jungen sowieso. Heimgehen dann meistens impossible. Was also tun? Wie kommst Du nachhause? Unschwere Frage! Per „Tubing“ natürlich: Schnappst Dir´n Reifen, ne Halbe und tschüss...

In Laos reist man auf dem Wasser. Oder mit dem Bus. Eisenbahn gibt´s jedenfalls keine. Und Du kannst Dir sicher sein: Egal für welches Transportgerät Du Dich entscheidest – Du kommst niemals pünktlich an. Niemals! Ich schwöre: In den 3 Wochen fanden wir (bis auf 2 Ausnahmen; eine davon ein Inlandsflug) keinen einzigen Transporteur, der uns ohne Break von A nach B bringen konnte. Aber, ey Mann, that´s Laos. That´s Live. Jeden Tag wieder: Ein permanentes Staunen. Egal, wohin Dein Blick sich richtet. Nicht zuletzt auch der alpine. Stolze Berge jedenfalls säumen die Straße...
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Namenlose Schönheit im 2000er-Bereich

...und überall eigentlich lugen sie raus: Mächtigste Wände, die garantiert noch unberührt sind. Drumrum ein bisschen Leben bieten - inkl. eines Abenteuers, das nur schwer zu toppen ist. Die Rede ist von der alpinen Königsdisziplin, also Mehrseillängen-Erstbegehungen im Geiste Kurt Alberts. Was heißt: Klettern mit Kumpels in exotischer Gegend...
Unter dem Siegel absoluter Verschwiegenheit hier auch ein Beispiel für so ein Projekt: 300 Höhenmeter sind das ca., mitten im Paradies gelegen, die nur darauf warten, begangen zu werden:
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Traum-Projekt mit Taxi-Service zum Wandfuss

Leider kann die genaue Lage dieser Traumwand nur bei einem Bier beschrieben werden. Und wo bitteschön schmeckt das Hopfen-Destillat besser als bei uns an der Theke. Nirgendwo! (Und gegen diese eingangs erwähnten Choliken hilft der Hopfen ja auch. Oder war das der Mohn? Egal!) Bis gleich dann also in der Halle.

Harrywiedertschi,

Euer C1
18.01.2012 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 18.01.2012