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Alpine Extremklassiker

Durchbruch in den VII. Grad: Die Pumprisse im Wilden Kaiser

Vorgeschichtliches

Irgendwann hat schon jeder mal was über sie gehört. Oder gelesen. Lothar Brandler-Projekt, Ende der 50er Jahre. Erstbesteigung Ende der 70er durch Walter Kiene und den unsterblichen Reinhard Karl. Erste Alpintour im offiziellen VII.-Grad! Einer der ersten Wiederholer: Bergsteiger-Chefredakteur Andreas Kubin. Eine Solobegehung von Heinz Grill. Einträge im Gipfelbuch? Nur gaaaanz wenige! Dafür wie aus der Kletterhall of Fame. Grundbedingung: Die ("einfachen") Nachbartouren müssen ohne Flattern klappen!!! Leider gibt es immer wieder Erinnerungen an den Todessturz vom letzten Jahr. Grausige Ereignisse, an die sich die Berge erinnern - und ausdünsten, ihr Leben lang...



Grundsätzliches

Die Pumprisse sind keine "extrem extreme" Tour: Überschaubarer Zu- und Abstieg, unmittelbare Nähe zum am meisten begangenen Steig im Wilden Kaiser, Stripsenjochhaus in Sichtweite. Bis zum Eröffnungs-Quergang sogar mehr als genug Haken. Dann der Quergang: eine schwere A1-Länge. Bis eben nach diesem Quergang kann man auch sehr schnell und leicht aus der Tour abseilen. Die Standplätze sind inzwischen so "gut" vorgebaut, dass man sie "nur" ausbessern muss. Die Tour ist sehr brüchig, die Risse unglaublich glatt und materialaufwändig. In der letzten Länge erleichtert ein Normalhaken kurz über dem Stand einem hier das Leben doch sehr. Trotzdem: Besser keinen Hüpfer riskieren! Beste Freunde immer wieder - die ganz grossen Friends! Es gibt immer wieder ohne Erwarten einige Normalhaken "am Wegesrand", Routenfindung ist daher auch nicht schwierig. Auf viele kleine Friends und Keile kann man verzichten, auf die großen besser nicht!





Abstieg

Richtung Stripsenjochhaus über eine Tour in der Nordflanke 2x abseilen (ca. 50 und ca. 30 m). Stände: geklebt und Schlingen. Weiter über Schrofen auf der Nordseite absteigen und 1x über einen Kamin 40 m abseilen, insgesamt ca. 45 Minuten, wenn man die Abseilstellen kennt. Tipp: Sachen weiter oben auf dem Eggersteig deponieren. Abseilen über "Spass 2000" geht auch, dauert aber lange und ist mühsam, besonders wenn man die Strecke nicht kennt. Die erste Variante ist aber auch für Gehfaule akzeptabel.





Gedanken

Gibt es sowas wie "absicherungs-ethische Pflichten" der Erstbegeher? Sollen Erstbegehungen plaisir- oder testamenthaft genormt werden? Wer würde überhaupt die Touren mit nicht genormtem Hakenabstand klettern können, und was würde der Erstbegeher sagen, wenn man seine ikonenhafte Tour in eine Plaisirtour umbohren würde? Die Zeit wird es zeigen, was diejenigen treibt: Ehrgeiz oder Freude? Daher wird das Schaffen von Kletterautobahnen immer im Gegensatz zum Schaffen von ideellen Werten liegen.





Rückblick

Manche Orte bringen besondere Erinnerungen hervor. Die können manchmal sehr schön sein, manchmal schwer, sogar bedrückend. Dadurch gibt es unterschiedlichste Orte. Darunter viele, von denen niemand jemals was erfährt. Der Berg dagegen speichert alle! Wie schade, dass das Bewusstsein für dieses alpine Bewußtsein immer mehr verloren geht: Per Navi zum Parkplatz, per Koordinaten zum Einstieg und per google maps zu der nächsten Wirtschaft...


Trotzdem: Klettern macht Spass!


jo

18.01.2012 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 18.01.2012