HG Logo klein

C1-Kolumne: Weihnachtsbrüller

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.
C1 Kolumne
Ausgabe 07/2010 vom 18.11.2010

Ältere Ausgaben

Weihnachtsbrüller


Wenn man als Kletterer naturgemäß nur Klettern im Sinn hat, möchte man natürlich auch nur über Dinge lesen, die sich irgendwie ums Klettern drehen. Deswegen heißt die einzige Zeitschrift für Kletterer auch „Klettern“ (– „Climb!“ gibt es ja nimmer). So ist das heute. Und so war es damals, in den 70er Jahren, als es auch nur ein einziges Heftl weit und breit gab. Ein Heftl für alle, die auch nur eines im Sinn hatten: Nämlich die Pubertät in den Griff zu bekommen! Und die Mysterien der Liebe an und für sich zu erlernen. Dabei half uns Dr. Sommer. Und das Fachblatt hieß: BRAVO!

Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Klettern? „Yeah! Yeah! Yeah!“
Damals – in BRAVO – war die Welt noch in Ordnung. Zumindest die weite Welt der Musik. Zwei Gegenpole gab´s, zwei konträre Gestirne: Die Beatles und die Rolling Stones. Die Beatles waren „die Guten“, allein natürlich schon wegen „Hey Jude“, der genialen Schieber-Hymne, bei der sich die Jungs und die Mädchen immer wie ertrinkend ineinander verhakten, dann mit geschlossenen Augen um die eigene Achse rotierten – und sich dabei knapp 3 Minuten lang abquetschten, was ging. Soviel kurz zur Beatles-Magie.
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Keith Richards, an einem seiner besseren Tage...

Deutlich weniger „schmusig“ ging´s bei den Rolling Stones zu. Es war ein offenes Geheimnis, dass (mindestens) Keith Richards hoffnungslos heroinsüchtig war. Und Mick Jagger über eine derart unglaubliche Aura verfügte, dass es dem Publikum schlichtweg den Schalter raushaute. Und dieses Publikum bestand anfangs fast nur aus Frauen. Warum? Weil deren Männer, so mutmasst Keith Richards in seiner soeben erschienenen Biographie*, absolut nicht nachfühlen konnten, was man denn an diesen „langhaarigen Schwuchteln“ bitteschön so toll finden konnte? Und deswegen auch nicht auf die Konzerte mitgingen. In der Anfangsphase der Band, sprich in den Jahren 1962 -´66, traten die Stones etwa 2.000x auf! Und aus irgendwelchen unglaublichen Gründen lag im Anschluss an diese Konzerte sogar noch mehr Unterwäsche in der Gegend herum, als bei uns in der Früh immer, wenn die Heavens Gate-Putztruppe kommt.
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Wie nach einem Stones-Konzert:
Jeder zweite verliess die Halle gestern wieder ohne Unterwäsche

Worauf ich hinaus will? Auf Weihnachten natürlich: Steht nämlich wieder vor der Tür – und damit auch die krasse Frage, was kommt untern Tannenbaum? Was kriegt Mutti? Was der Pa? Ein Buch vielleicht? Oder was Leichtes, mit so höchstens 4, 5 Gramm? Aber gerne! Bitteschön - unser Knaller für das Fest:
Klettergutscheine
Kletterschmuck
IG-Kletterkurse zum Verschenken! Einfach anklicken, downloaden, fertig. Mit Platz für einen netten Text. Zum Beipiel: „Von mir. Für Dich: Ein Stündchen. Mit Trainer!“ Der Brüller für die ganze Familie. Denn: Sportklettern, so sagen wichtige Leute, ist längst keine Trendsportart mehr, sondern voll der Breitensport. Was nichts anderes bedeutet, als dass sich nicht mehr nur „Extreme“ an diesem tollen Erlebnis erquicken. Sondern längst auch Herr Hinz und Frau Kunz - und diese beiden in stetig wachsender Zahl. Eine Analyse übrigens hat gerade ergeben, dass sich denn auch in der Altersklasse Ü40 die meisten Unfälle ereignen. Zufall? Nein, sagen die Forscher, diese Herrschaften neigen am ehesten dazu, sich total krass zu überfordern: Weil sie sich an Jüngeren messen. Sprich: mit 50 noch wie 20 sein wollen. Und nur eines im Sinn haben, damals wie heute: Klettern! Verdammt. So gesehen fast schon ein Glück, dass Keith Richards, mittlerweile 67(!!), unsere Halle nicht kennt. Oder? Genau!

Euer C1


* Keith Richards, Life, Heyne 2010, über 700 Seiten, gebunden, knapp 30.- €: Geil!
18.11.2010 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 18.11.2010