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C1-Kolumne: Denkwürdige Augenblicke

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.
C1 Kolumne
Ausgabe 07/2010 vom 22.09.2010

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Denkwürdige Augenblicke.

Schönste Hallen-Augenblicke? Unvergessliche Momente? Muss ich echt kaum überlegen, fällt mir gleich was Nettes ein. Also: Beim Geburtstags-Klettern neulich, bei einer unsrer Hallen-Partys, da kamen sieben Kinder an (alle 7 um die 10), die zum ersten Mal im Leben unsere „Hallen-Atmo“ rochen – diesen „Duft“ vom Heavens Gate. Schon mal mit so ´nem Haufen total aufgeregter Kindern beim Klettern gewesen? Das geht in der Regel so:

„Unsere Geburtstagskinder“ warten meist am Eingang oben und bekommen – so Gott will – Dich als Trainer zugeteilt: „Hallöchen zusammen, ich bin der Zeh-Eins! Und wer ist das Geburtstagskind?“ Genau so nehmen sie dann Fahrt auf, unsere legendären Partys, mit Begrüßung, Klogehen, Schuhen. Dann: Der Sprung ins kalte Wasser! Abmarsch in den Orkus runter. Winkewinke zu der Mutti. Und die Teletubby-Truppe setzt sich schön brav in Bewegung, schweigend geht´s die Treppe runter, manche bibbernd, viele zweifelnd, ja – und dann passiert gewöhnlich etwas, was ich hier erzählen will:

Auf halber Höhe, auf der Treppe, hält meist irgendeine(r) inne, legt den Kopf in seinen Nacken, gaaaaaaanz langsam sinkt der Kopf nach hinter; und der Blick geht hoch und höher, bis die Rasselband schließlich sprachlos senkrecht in die Höhe guckt. (Ich liebe diesen Augenblick!) Und dann lasse ich sie schätzen: „Was glaubt ihr, wie hoch isn das?“ Und sie rechnen und sie denken und dann sagt z.B. einer: „Hundertachtundachzig Meter.“ Und die andern nicken´s ab.

Dann kommt meistens diese Frage: „Du-u, war da schon mal jemand oben?“

Darauf sage ich dann ehrlich, dass ich absolut dran glaube, dass ein paar aus unserer Truppe das heut auch noch schaffen werden. Ha! Dann verstummt die Truppe immer, ruckartig geradezu – und man kann ganz deutlich sehen, wie aus den sieben Kindergehirnen sieben ovale Denkblasen aufsteigen...
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
und in jeder kannst du lesen: „Der hat ja echt ´n Knall, der Alte!“
Was für herrliche Sekunden! Was für große Augenblicke! Hallen-Wahnsinn erster Sahne. Und gleichzeitig die irre Erkenntnis, dass man sein Leben lang Kind bleiben kann. Cut. Flashback ins Jahr 2002:

Wir sind nach Afrika geflogen, zu zweit, der Holger & ich, nach Tansania.

Sind gerade gelandet. Können das Flugzeug verlassen. Gehen die Gangway (= Treppe) hinunter, als es uns auf halber Höhe urgewaltigst die Sprache verschlägt: Uuuuuuuuuufffff! Da steht „Er“ schon, gleich neben dem Airport:

Der Kilimanjaro! Erwartet dich. Direkt atemberaubend. Viiiiiiel höher, als man ihn sich vorstellt hat. Selbst hier, in 80 Kilometern Entfernung, muss man den Kopf noch bis ins Genick zurückbiegen, um den trapezförmigen Riesentrichter in seiner ganzen blendenden Wucht zu erfassen: Da steht er also, der „Kili“ (oder „Kibo“.) Das Wahrzeichen von Afrika. Ein unglaubliches Etwas aus purer Natur. Liegt da mitten in der brüllenden Hitze. Einer der höchsten freistehenden Berge der Welt.
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Der Kili: Mit seinen 5.800m nochmal einen ganzen Kilometer höher als der Montblanc!
Seit diesem Anblick kenne ich mich mit Denkblasen aus. Und während solcher Kindergeburtstage, in diesen köstlichen Sekunden auf unserer Treppe, ahne ich manchmal, dass man gar nicht um die Welt reisen muss, um vor Staunen sprachlos zu werden. Ein Kurztripp zum Ostbahnhof reicht manchmal schon, um zu erkennen, dass auch der Kilimanjaro im Heavens Gate steht.

Herzlich willkommen!

Führungen täglich...

Euer C1
22.09.2010 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 22.09.2010