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Helden der Halle

Ausgabe #5 vom 01.09.2010
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Der HG

Oder: Die Mutter aller Schrauben
E s ist in keinster Weise übertrieben, zu behaupten, dass eine Helden der Halle-Galerie ohne den HG – sprich: „Ha-Gé“ – keine Helden der Halle-Galerie wäre. Sondern mehr so was wie eine Briefmarkensammlung, in der der Blaue Mauritius fehlt.

Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Big Wallhalla: HG mit Nikolaus und blinder Judith (v.l.)
Der HG jedenfalls ist von der 2. Sekunde an mit dabei, seit jenen wilden Tagen also, als eine Handvoll wahrlich Irrer eine abgewrackte Knödelfabrik in Europas höchste Kletterhalle umzubauen begann. 8 Wochen dauerte diese Aktion: Von Nov – Dez ´97. Im Januar ´98 stand sie dann da, wie ein frischgeschlüpfter Dino: Die Kletterhalle Heavens Gate!

Und es ist garantiert kein Zufall oder so, dass der Hans-Gerd Mertensmeier, Bj. 66, die gleichen Initialen hat wie unser prächtiges Vereinsheim! Und dass er auf seinem Weg zu uns zusammen mit der blinden Judith (siehe HdH/3) kam, mit der er damals Tandem fuhr, passt ebenfalls perfekt ins Bild. Der Rest ist Geschichte. Während die Judith ihren Platz als „Brotzeitmacherin“ fand, fand der HG hier sein Paradies: Eine Heimat im Verein. Inklusive einer Endlosbaustelle, auf der es fast an allem fehlte, nur eben an einem nicht: An dieser Gewissheit nämlich, dass es für jedes Problem auch eine Lösung gibt. Man muss nur ´n bisschen gaga sein! Dann schenkt´s Der Herr den Seinen for free.

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Geht nich, gibt´s nich. Echt nich!
Dem HG hat Der Herr ein Improvisation-Talent in die Wiege gelegt, das vor garantiert nichts halt macht: Wasser, Elektrik, Erdaushub, Gerüstbau, Feinmechanik, HighTech, Bohren, Schrauben, Feilen, Schweissen, Streichen, Kacheln, Fliesen usw. – völlig egal!! Der HG macht beinahe ALLES – und dies nicht selten gern halsbrecherisch...

Langer Rede kurzer Sinn: Damals (wie heute) waren Leute gefragt, die sich den typischen Herausforderungen in einer Halle wie der unseren grundsätzlich mal stellten – ohne viel Gezeter & so. Zum Beispiel ein schönes rustikales Sofa mal schnell „ir-gend-wie“ auf so etwa 15m Höhe im Boulderwurst-Silo anzubringen, damit sich jene Damen und Herren, die sich bei den großen Anfangs-Festen noch mit „Turm-Springen“ zu amüsieren pflegten, da oben auch ja möglichst bequem in die Warteschlange einreihen konnten. Solche Jobs liebt der HG! Genauso wie den Nervenkitzel. Nicht wirklich überraschend also, dass er ein gutes Dutzend Brücken-Sprünge (siehe HdH/4) auf seiner Haben-Seite hat. Sowie die Erfahrung von 3 Gardasee-Expeditionen, inkl. Sonnenplatten et al.

Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Die Anfänge der Weihnachtsfeiern. Noch mittendrin: Das Absprung-Sofa.
So Ultraextrem-Bastler wie der HG kennen sich nicht nur mit wirklich jedem Werkzeug aus, sondern haben dies auch noch. Am liebsten immer in der Nähe. Und so kam es eben auch, dass der Raum da bei uns unter der Treppe zur „Werkstatt vom HG“ mutierte – und damit zu einem täglich größer werdendem, echten Problem. Genau so nämlich wie in Kafkas „Verwandlung“, wo im Nebenzimmer ein riesiger Käfer heranwächst, wuchs HGs Werkstatt unaufhörlich! Und so konzeptlos noch dazu, dass es über die Jahre immer gefährlicher wurde, ohne Helm da rein zu gehen. Wenn man das aber tat, aus welchen Gründen auch immer, und wenn man dann auch noch den Lichtschalter fand, dann – ja dann sah man: Die Apokalypse! Sodom und Gonorrhoe in höchster Potenz. In HG´s Werkstatt sah´s aus wie nach einem Granatenvolltreffer! Tagein, tagaus. Kanonenschlagmäßig. Weswegen sich vor ein paar Jahren auch mal 6 oder 7 furchtlose Leute einen ganzen Tag lang Zeit nahmen und Hunderte von Plastiksäcken mit „nützlichen Sachen“ da rausholten, die schon zusammengewachsen waren und sich zu bewegen begannen. Schön und gut, sagt der HG heute. „Dafür steckt aber auch nur noch ein Bruchteil der Möglichkeiten in der jetzigen Werkstatt: Punkt!“, geht nach draußen eine rauchen...

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...und trifft auch dort nur auf beste Gesellschaft.
Wer derart in der Halle aufgeht, der kommt am Klettern nicht vorbei, bzw. am Klettern-Lernen. Und dabei „half“ dem furchtlosen Maurer-Meister aus Delbrück natürlich der allseits bekannte Tom Schlager. Der HG weiss noch genau, wie der Tom ihn ins Seil einband, auf ein Gerüst in ca. 8m hochzog – und fertig. Das war auch schon der Anfängerkurs. Alles weitere kam dann von selber, via learning by doing. Und das Doing sah halt so aus, irgendwo stramm abgesichert, diese tonnenschweren 8mm-Stahl-Trichter, die ja ganz am Anfang noch unter jedem Silo dranhingen, irgendwie begehbar zu machen. Somit kann man durchaus sagen, dass sich der HG die hohe Kunst des Klettern im wahrsten Sinne des Wortes „erarbeitet“ hat. Und an Arbeit gab´s damals so paradiesisch viel in der Halle, dass er in den ersten Jahren auch an mindestens 365 Tagen dort anzutreffen war. Und in den Nächten meistens dito. Was dann schon mal dazu führte, dass der HG auch kein Bierchen verpasste, das sich da herrlich zwitschern ließ...

Der Autor selbst kann leidlich bezeugen, wie mal, im Verlauf so einer dionysischen Nacht, eine ganze Handvoll „Gsichter“ in praller Hopfenseligkeit auf den Bodenmatten „notbiwakierte“. Wahr ist auch: Als der 1. Hahn dann krähte, und das Morgengrauen seinem Namen alle Ehre zu machen begann, sah man Autor und HG (in der Löffel-Stellung!) in derselben Kuhle friedlich aneinandergekuschelt, in welche sich im Lauf der Nacht ein Bier hinein ergossen hatte. Kurz: Man aalte sich im Hopfensud schlafend. Was aber null beunruhigend war, weil „Flüssigkeiten“ keine Bedrohung darstellen; jedenfalls nicht, wenn der HG anwesend ist, der – man höre und staune – fast 10 Jahre lang für die DLRG im Einsatz war: Zunächst im Küstenwachdienst, dann als Ausbilder für Rettungsschwimmer!

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Schwimmt nicht in Geld. Aber immer gefragt.
Ergo: Wem auch immer die Felle davonschwimmen, der wendet sich an den HG. Und so ist er nicht nur ein gefragter Mann in der Halle, sondern auch „outdoor“ ständig aktiv: Als Industriekletterer beispielsweise und Aufhänger von Großplakaten. In der Schlosserei nebenan als Metallarbeiter. Auf Großbaustellen im In- und Ausland. Und überhaupt als „Mädchen für alles“, wenn z.B. irgendwo unsere Kletterscheibe mal wieder auf- und/oder abgebaut werden soll. Oder Tom´s Kletterturm irgendwohin muss; weswegen es vor ein paar Jahren auch mal zu einer sog. „Gespannfahrt“ kam, bei der der HG den ca. 7m langen Turm-Anhänger mit dem IG-Bus bis nach Salzburg bringen musste (, was durch den Umstand, dass der Tacho nicht ganz funktionierte, nicht unbedingt erleichtert wurde). Aber egal, die Reise ging los. Doch sie kam nicht bis ans Ziel. Beim Irschenberg runter nämlich geriet das Gespann so außer Kontrolle, dass dem (dabei unverletzt gebliebenen) HG mitsamt Bus und Anhänger ein echter Überschlag gelang – und damit als erstem und bis dato einzigem IG-Mitglied ever gleich auch noch die Totalsperrung(!!) einer Bundesautobahn, von der er live aus dem Radio erfuhr, während er bei seiner eigenen Bergung assistierte...

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Seine Geschichten kommen sogar im Radio.
Geschichten dieses Kalibers gäb es noch viel zu erzählen, nur – dem HG selbst fällt keine einzige ein. Wozu auch, verdammt? So ist halt das Leben: Eine riesige, tägliche Endlosbaustelle, auf der man stets was basteln könnte. Oder eine rauchen. Oder’n großen Milchkaffee trinken. Oder 1x im Monat in die Innenstadt fahren, zum Blutplasmaspenden. Tja, der HG tut´s einfach. Und spricht nicht groß drüber. Was typisch für so Menschen ist, von denen niemand sicher weißt, ob sie nun Genies sind? Oder nur´n bisschen bluna...

Copyright Bilder: HG

Text: C1

01.09.2010 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 01.09.2010