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C1-Kolumne: Übers FÜL-Dasein

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.
C1 Kolumne
Ausgabe 06/2010 vom 12.08.2010
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Über's FÜL-Dasein.

Schifoan is dös Leiwandste. Klettern ist das Aufregendste. Und Kletter-Trainer müsste demnach der beste Job auf Erden sein. Und wäre es auch, wenn sich da nicht manchmal so ein „Flatulenzen-Gefühl“ breitmachen würde: Speziell bei Schulklassen setzt das gerne ein...

Mit 12 blutigen Anfängern klettern zu gehen ist nämlich gar nicht so ohne, wie sich mancher das vorstellt. Zum Beispiel unser Kultusministerium, das uns Fachübungsleitern (FÜL) ja die Regeln vorgibt. Der große Kletter-Rat (falls es den überhaupt gibt) also hat mal in grauer Vorzeit beschlossen, dass 1 Trainer 12 Schulkinder beaufsichtigen darf/kann. In der Regel sind das 2 Stunden. Und weil die Kids ja auch was fürs Leben lernen sollen, bringt der FÜL seiner 12er-Truppe in ca. 30 Minuten das Toprope-Klettern samt Achterknoten und HMS-Sicherung + HMS-Hintersicherung bei. Anzuwenden dann in 3er-Teams. Ok. Macht 4 solcher 3er-Teams (= 12 fremde Menschenleben!) für die Du dann die nächsten paar Stunden in der ganzen juristischen und versicherungstechnischen Bandbreite mit Haut & Haar verantwortlich bist.

Deswegen ist Kletter-Trainer auch kein Job für Jede(n). Gut zu wissen daher auch, was Dich in etwa so erwartet:
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Von wem sonst sollten Kletterer abstammen?
a. Kinder bis ca. 13 Jahre

Gönnen Dir 0 Ruhepause. (In Worten: Null!) Weil noch total unberechenbar. Auch in ihrem Leistungsvermögen - physisch wie psychisch. Maximal 2 können den Achter. Die anderen 10 knoten den Wahnsinn. Hoher Random-Faktor also. Das gesamte Dasein oszilliert noch in unberechenbaren Amplituden zwischen Tiefschlafphasen und Überaktivität. Trotzdem: Extrem liebenswert die meisten. Baumeln meist lieber, als dass sie klettern. Vergleichbarer Beruf: Dompteur in einem Floh-Zirkus.
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Sehen pubertierende Jungs im Spiegel
b. Schüler in der Pubertät

Beängstigende Überschätzung der (männlichen) Unverwundbarkeit; bei gleichzeitiger Unterschätzung der Erdanziehungskraft. Oft sehr deftig-klare Wortwahl. Lernvermögen und/oder – bereitschaft: eher begrenzt. Gibt ja schließlich keine Noten. Viele Mädels lieben es, sich wie für eine Casting-Show herzurichten. Und würden lieber vorm Spiegel stehen bleiben, als ihre schönen Fingernägel dem Roten Baron opfern. Und pubertierende Jungs? Werden mit nem bisschen Luft unterm Hintern meistens wieder ganz „normal“. Vergleichbare Herausforderung im täglichen Leben: Eseltreiber.
Kletterhalle Heavens Gate - C1-Kolumne
Vorsicht! Es gibt 2 Partner-Checks!
c. Junge Frauen und ihre Klassenkameraden

So um die 15 verändert sich alles! Besonders der Umgang zwischen den Jungs und den Mädels. Wobei die Mädels fast schon wie junge Frauen wirken. Während die jungen Männer sich noch wie große Jungs verhalten, was auch eine Ahnung davon vermittelt, wie unsicher auch oft der „Partner-Check“ durchgeführt wird. Jedenfalls der, auf den´s beim Klettern ankommt. Noch mehr sog i aber ned...Sonst kommt gleich die nächste Unterlassungsklage ins Haus. Deswegen entschuldige ich mich hiermit auch gleich mal bei allen, die sich unter Punkt b. evtl. als „störrische Esel“ verkasperlt fühlen. Sorry, Leute! Mea Culpa.

Ja – und wenn dann alle wieder gesund aus der Halle raus sind, und Du als einziger zurückbleibst, bis zur Hüfte hoch in abgeworfenen Gurten stehend, streng riechend wie ein Moschusochse – aber dafür genau weißt, dass Deine 12 Leute diese 2 Stunden ihren Lebtag nicht mehr vergessen werden! Und dann, ja dann setzt langsam dieses Hoch-Gefühl der Zufriedenheit ein, das vermutlich nur wir Klettertrainer so kennen: 12 Leute gleichzeitig happy gemacht! Und dabei noch was verdient. Gibt´s a leiwandsteres Glück? Ja: Kleinere Gruppen!

Findet
Euer C1
12.08.2010 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 12.08.2010