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C1-Kolumne: Hochalpine Witzfiguren

Hochalpine Witzfiguren. Oder: Die Geschichte vom Mt. Kinabalu Leute, laßt Euch vom „Mount Kinabalu“ erzählen. Es geschah am Tresen neulich, dass jemand diesen Berg erwähnte – und damit die Erinnerung an eine längst vergessene Reise wiederbelebte, die eigentlich als Strandurlaub geplant war und dann zu einer Spontan-Besteigung geriet: auf den mit 4.100m höchsten Berg von Südostasien, auf den Mt. Kinabalu eben. Und der steht in Malaysia. Das ist doch der Gipfel: Malaysia besteht aus zwei Landmassen. „Was willst denn in Malaysia, bitte?“ Gute Frage. Vage Antwort: Keine Ahnung eigentlich. Wir hatten einfach Zeit & Geld und hörten einen Kumpel schwärmen – von den Perhentian Islands im Südchinesischen Meer. Stairway to Heaven? „Ein Traum!“ verriet uns unser Freund vertraulich. „Da müsst´s ihr wirklich 1x hin.“ Gesagt, getan. Wir kauften ein Ticket, flogen von Muc nach Kuala Lumpur; stiegen in ein Sammeltaxi und fuhren direkt zur Ostküste weiter. Um es kurz zu machen: Die Perhentian Islands waren tatsächlich ein paradiesisches Fleckchen. Nur: die dort vorherrschende, irgendwie „talibaneske“ Lebenseinstellung harmonierte so gar nicht mit dem europäischen Freigeist – und so wurden wir des süßen Nichtstuns auch recht bald schon ziemlich müde. Da hörten wir vom Kinabalu... ... erfuhren von seiner abgeschiedenen Lage im Südchinesischen Meer – und lernten, dass in eben diesem Meer eine gewaltige Insel aus dem Wasser rausragt, auf der u.a. Borneo liegt, das Sultanat von Brunei und Malaysias „bessere Hälfte“, mit dem Mt. Kinabalu eben, einem prächtigen Viertausender. Gestatten: Der höchste Berg von Südostasien Wir wußten aus dem Lonely Planet, dass es da oben zapfig würde, man also warme Sachen braucht. Bloß hatten wir die nicht dabei. Also gingen wir zum Shopping. In Kuala Lumpur. Ins größte Sportgeschäft der Stadt. „Hello, can you help us, please. We need cloths for mountaineering.“ „Yes! Can make you very special price!“ Sehr gut. Wir schildertem dem Verkäufer unsere Wünsche und waren bald von einem Dutzend Leuten umringt, die sich köstlich amüsierten. Denn: Der Durchschnitts-Malaye ist ca. 150cm groß, wiegt höchsten 47 Kilo wiegt und hat im äußersten Fall Schuhgröße 38. Wir aber brauchten warme Socken, Mützen, Anoraks & so in (für dortige Verhältnisse) XXXXXXL-Size, die es selbst im ersten Haus am Platz nicht gab. Hmmmmm, was tun? Lieber zu klein als zu zapfig! „Besser als nix“, entschieden wir schließlich und kauften Funktionsjacken, mit Ärmeln bis zum Ellenbogen; Windstopper-Mützen, die an uns aussahen wie jüdische Gebetskäppis; Fäustlinge, in denen nur der Daumen Platz hatte; 2 Trainingshosen (übereinander), die gerade mal bis zur Kniescheibe gingen; und etliches mehr.. So ausgerüstet flogen wir von Malaysia (Festland) nach Malaysia (Insel), besorgten uns dort das obligatorische Permit, wurden per Busshuttle zum Basecamp verfrachtet – und einen Tag später ging´s auch schon los. Der Weg war kein Weg, sondern mehr eine senkrechte Treppe, die sich, in Form von unzähligen Stufen, von Meereshöhe aus 3.000 Höhenmeter schnurgerade durch dampfig-schwülen Regenwald hochzog – eine Etappe, wie geschaffen, um für sämtliche Sünden der Menschheit zu büßen... Moment, warum erzähl´ ich diese Geschichte überhaupt? Ach ja, weil wir dann am nächsten Morgen also, kurz vor Sonnenaufgang, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in unseren „neuen Sachen“ zum Gipfel aufbrachen – und dort oben dann rumstanden wie die meisten Leute hier bei uns in der Halle: Glücklich und zufrieden zwar, aber mit schmerzverzerrtem Gesicht, wegen der viiiiiiiel zu engen Schuhe. Auf dem Kopf eine höchst seltsame Kappe. Den Oberkörper halb frei. Wie ein Moschus-Ochse dampfend. In knielangen Hosen. Mit sich und der Welt total im Reinen - während der Rest der Bevölkerung glaubt, da ist jemand absolut gaga... Zum Beispiel (links) der gaga-briel. So gaga wie das Völkchen halt, das da tagein tagaus unsere Halle bevölkert. Und oben gern ein Bierchen zwitschert. Am Tresen. Und dabei Geschichten erzählt, die kein Mensch je glauben würde, hätt er sie so nicht selbst erlebt. Echt wahr, Euer C1

28.07.2010 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. Stand: 28.07.2010