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Soziale Kooperationsprojekte

Soziale Kooperationsprojekte mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen von IG Klettern e. V.


„Das hätte ich nicht gedacht, dass die das auch können“, sagt der zehnjährige Markus zu seiner Kursleiterin Ulli gewandt. Er klettert seit vier Jahren einmal in der Woche mit sechs anderen Kindern in den 30 Meter hohen Türmen von Heavens Gate. Seit gut drei Jahren finden parallel zu den regelmäßigen Kursen von IG Klettern e.V. für Kinder und Jugendliche immer mal wieder Projekte mit „den anderen“ statt.

Bild Schuhe Die „anderen“, das sind behinderte Kinder und Jugendliche, junge Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind oder Kinder und Jugendliche, die an Krebs erkrankt sind. Heute gehören „die anderen“ schon fast dazu. Wie alles begann und was die inklusiven Pläne von IG Klettern München & Südbayern e. V. sind, erfahren Sie hier.

Angefangen hat alles damit, dass Ulli Dietrich unter den ehrenamtlichen Mitgliedern von IG Klettern München & Südbayern e.V. 2010 einen Denkprozess angestoßen hat: „Gibt es Wege, die vielfältigen Erfahrungen des Kletterns Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, die große Hindernisse überwinden müssen, um sich an die Wand zu trauen, Freude an der Höhe zu finden und am sozialen Miteinander einer Klettergemeinschaft teilzuhaben?“ Ulli Dietrich ist vierfache Mutter, u.a. von einer mehrfach geistig-körperlich behinderten Tochter. Nach dem sich einige Helfer gefunden hatten, öffnete Heavens Gate Mitte 2010 als erstes die Tore für junge Flüchtlinge, die in München mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Im gleichen Jahr startete auch der erste Kurs für krebskranke Kinder und Jugendliche sowie deren Geschwister. Im Schuljahr 2011/12 wurden erstmals Gruppen gemischt, SchülerInnen der neunten Klasse einer Mittelschule kletterten mit SchülerInnen der neunten Klasse einer Förderschule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Das Projekt war ein voller Erfolg und bescherte IG Klettern München & Südbayern e. V. außerdem den Sportinklusionspreis des Referates für Bildung und Sport der Stadt München. Ulli Dietrich resümiert: „Nach den ersten zwei Jahren haben wir gemerkt, dass sich was bewegt, wenn auch langsam und sehr individuell. Zum Beispiel macht Achmed*, ein junger Flüchtling aus dem Irak, bei uns die Fachübungsleiterausbildung und arbeitet schon jetzt ehrenamtlich als Co-Trainer bei uns im Verein mit. Wir sind sehr stolz und für ihn ist es eine sehr große Unterstützung, dass er in unsere Gemeinschaft eingebunden ist. Das hat auch eine wichtige Signalwirkung für unsere Kinder und Jugendlichen im Verein. Achmed ist jetzt zu einer Autoritätsperson geworden und keiner mehr von den „anderen“. Auch einige krebskranke Kinder sind nach dem Kurs Mitglied bei uns im Verein geworden und gehen jetzt einmal wöchentlich mit gesunden Kindern klettern. Dadurch entsteht in den Gruppen eine ganz andere Atmosphäre. Zum Beispiel gibt es viel weniger Konkurrenz untereinander. Die Kinder nehmen mehr Rücksicht aufeinander und achten gegenseitig besser auf sich.

Nach den guten Erfahrungen und der öffentlichen Anerkennung des ersten inklusiven Projektes von IG Klettern München & Südbayern e. V., plant der Verein die inklusive Arbeit auszuweiten und zu vertiefen. Hierfür werden tatkräftige Unterstützer und finanzielle Mittel gesucht. Den Leitgedanken für diesen Prozess fasst Ulli Dietrich so zusammen: „Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendliche Gipfelstürmer werden können“.
*Name durch Redaktion geändert.

Soziale Kooperationsprojekte von IG Klettern München & Südbayern


Bild 1 Gemeinsames Klettern für behinderte und nichtbehinderte SchülerInnen der neunten Klasse im Schuljahr 2011/12

Für dieses Projekt erhielt IG Klettern 2011 den Sportinklusionspreis des Referates für Bildung und Sport der Stadt München
Projektidee Behinderte und nichtbehinderte Kinder Klettern zusammen in Heavens Gate.
Kooperationspartner Friedel Eder Schule (Förderschule für geistig behinderte Kinder) und die Mittelschule an der Hochstraße München
Zielgruppe Insgesamt 13 SchülerInnen der neunten Klasse von beiden Schulformen. Jeweils vier behinderte und vier nichtbehinderte SchülerInnen sind in wechselnder Zusammensetzung geklettert.
Projektdauer Von Oktober 2011 bis Mai 2012 trafen sich die SchülerInnen einmal wöchentlich jeweils für zwei Stunden, um in Heavens Gate gemeinsam zu klettern.
Im Frühjahr 2012 wurde gemeinsam eine achttägige Abschlussfahrt unternommen, die durch das Preisgeld des Sportinklusionspreises möglich wurde.
Zusammenfassender Eindruck Nach anfänglicher großer Vorsicht vor allem von Seiten der Hochstraßen-schüler fiel es allen zunehmend leichter miteinander in Kontakt zu kommen. Zum Ende des Projekts war der Umgang unkompliziert und sehr achtungsvoll. Die Ausfahrt ermöglichte, dass sich die SchülerInnen intensiver und auf der Alltagsebene kennenlernten. Zum Beispiel hatten Sie immer paarweise bestimmte Aufgaben zu erfüllen.
Die Abschlussfahrt führte die Gruppe nach Fischbachau in der Nähe von Schliersee. In einem Ferienwohnhaus vom Münchner Kindl-Heim der Stadt München bezogen die SchülerInnen Quartier und versorgten sich selbst. Den Rest des Tages wurde outdoor geklettert und abends oft gegrillt. Eine Wanderung um den Schliersee und Schnitzeljagden im Gebirge rundeten das Programm ab.


Bild 2 Kletterausfahrt
mit jungen unbegleiteten Flüchtlingen aus verschiedenen Herkunftsländern ins Bayerische Oberland 2011
Projektidee Unbegleiteten jungen Flüchtlingen eine „Auszeit“ aus ihrem oft schwierigen und anstrengenden Alltag in der Fremde ohne Eltern zu ermöglichen.
Kooperationspartner Heimaten e. V.
Zielgruppe 18 junge unbegleitete Flüchtlinge aus verschiedenen Krisengebieten
Projektdauer Drei Tage übers Wochenende in einer Hütte im Oberland
Zusammenfassender Eindruck Die Jugendlichen konnten durch die Bergwelt, den Aktivitäten am Fels und der Organisation in der Hütte von jetzt auf gleich in eine andere Welt eintauchen. Das Wochenende bedeutete für sie deshalb ein richtige „Auszeit“ von ihren Ängsten und Sorgen.
Beim gegenseitigen sichern am Fels konnten sie schnell Vertrauen fassen und ihre Sprachkenntnisse verbessern.
Wichtig war das gemeinsame Kochen am Abend, zu dem jeder etwas betrug. Am Ende konnten alle auf eine bunte „interkulturelle Tafel“ blicken, die für jeden etwas bereithielt.


Bild 3 Klettern
mit ehemals an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen und deren Geschwister seit 2010



Diese Gruppen finden jährlich an insgesamt acht Vormittagen statt. Zusätzlich gibt es einen oder mehrere Ausflüge.

Es nehmen immer neue ehemals an Krebs erkrankte Kinder und deren Geschwister an den Kursen teil.
Projektidee Ca. 3/4 der Kinder, die jährlich an Krebs erkranken, können geheilt werden. Fast alle haben durch die Erkrankung einen tiefen Entwicklungseinschnitt. Häufig ist außerdem ihre Beziehung zu den Geschwisterkindern sehr belastet. Denn das kranke Kind stand über einen langen Zeitraum im Mittelpunkt der Familie. Das gemeinsame Klettern soll den ehemals erkrankten Kindern und ihren Geschwistern helfen, sich neu zu begegnen und ihre Beziehung neu auszubalancieren.
Kooperationspartner KONA e.V. und Naturerlebnistouren e.V.
Zielgruppe Kinderpatienten und deren Geschwister im Alter von 6 bis 18 Jahren, die von der Koordinationsstelle psychosozialer Nachsorge an Krebs erkrankter Kinder betreute werden (KONA e.V.).
An dem Kurs nehmen jährlich insgesamt 16 Kinder und Jugendliche teil. Einige Kinder werden Mitglied bei IG Klettern München & Südbayern e. V. und klettern dann in den betreuten Mitglieder-Kursen für Kinder und Jugendliche mit. Dann kann ein neues krebskrankes Kind nachrücken. Insgesamt haben seit 2010 an diesem Kurs 30 Kinder und Jugendliche teilgenommen.
Projektdauer Pro Jahr wird jeweils an vier Vormittagen im Frühjahr und Herbst in Heavens Gate geklettert. Zusätzlich gibt es ein bis drei Mal im Jahr einen Ausflugstag. Diese werden in Kooperation mit Naturerlebnistouren e. V. durchgeführt.
Zusammenfassender Eindruck Der Zusammenhalt in diesen Gruppen wächst sehr schnell. Diese Erfahrung gibt Halt – insbesondere dann, wenn es zu gesundheitlichen Rückfällen kommt oder ein Kind oder Jugendlicher verstirbt.


Bild 4 Orientierungs- und Sozialkompetenztraining (OSK) für junge unbegleitete Flüchtlinge seit 2010


Diese Kurse finden einmal pro Halbjahr in der Kletterhalle Heavens Gate statt.
Projektidee OSK-Kurse für jugendliche Flüchtlinge sind Kurse der AWO München Stadt für Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Sie dienen zur Orientierung und zum Aufbau von sozialer Kompetenz. Ein Kurs besteht aus zehn Tagen. Zu Kursbeginn steht ein Klettertag im Heavens Gate, an dem sich die Jugendlichen in ungezwungener sportlicher Atmosphäre kennen lernen können.
Kooperationspartner Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt München, gemeinnützige GmbH
Zielgruppe Junge Flüchtlinge im Alter von 16 bis 21 Jahren aus verschiedenen Krisengebieten (max. 15 Teilnehmer).
Projektdauer OSK-Kurse werden zweimal im Jahr ganztätig für jeweils unterschiedliche junge Flüchtlinge in Heavens Gate durchgeführt. Die weiteren neun Tage der OSK-Kurse werden von der AWO intern durchgeführt.
Zusammenfassender Eindruck Besonders für jugendliche Männer ist der Klettersport eine Möglichkeit, ihren sportlichen Ehrgeiz unter Beweis zu stellen und sich untereinander zu messen. Sie können auf sehr unkomplizierte Weise Kontakt untereinander zu anderen Jugendlichen der Halle aufnehmen.


Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH. Stand: 10.12.2013 17:10
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