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Expeditionen

Expedition zu Bagrati II*


Towards Bagrati II near Gomukh.

Ich starte in Delhi, übernachte in Rishikesh und treffe meine Leute in Uttarkashi, einer kleinen Stadt am Fuße der Berge, die bekannt für das Nehru Institute of Mountaineering ist. Vier Inder, die sich auf den Mt. Everest vorbereiten, plus drei Guides und ich bilden die Gruppe. Nach einem Kennenlern- und Vorbereitungstag ist es auch schon wieder soweit und es geht im Jeep-Taxi weiter Richtung Gangotri. Unterwegs sieht man überall die Reste der verheerenden Erdrutsche, die 2013, nach einem gewaltigen Wolkenbruch, Teile des Landes fürchterlich verwüsteten.


The road from Uttarkashi to Gangotri: Surprisingly mostly good road, but often covered by the 2013 landslides. The road on the second trip from Srinagar to Joshimath after the Bagrati expedition was much more terrifying.

In Gangotri haben wir ein wenig Zeit, um den kleinen, aber wichtigen Ort, zu besuchen. Er gehört, neben Badrinath, Yamunotri und Kedarnath, zu den vier heiligen Pilgerorten im Norden des Landes. Wahre Yoga-Gurus müssen in den einsamen Hochtälern rund um die Ortschaft mindestens 1× ein halbes Jahr lang meditiert haben, um überhaupt zu höheren Weihen gelangen zu können. Im lokalen Tempel wird „Ganga“ verehrt, die aus einer spirituellen Quelle im Jenseits zu uns auf die Erde gebracht worden sein soll. Im Diesseits, also rund um Gangotri, ist die Präsenz des ehrwürdigen Ganges allgegenwärtig, sein Tosen stark und laut, sein Ursprung nur ein paar Kilometer entfernt.


The view to the Gangotri temple which is devoted to the worship of Ganga and on the shrine of king Bagrata who brought the celestial Ganges down to the Earth.

Heiliger Ganges! Nach der indischen Überlieferung versank der mythische König Bagrata einst so tief in die Meditation, dass es ihm schließlich gelang, den bis dato nur im Götter-Himmel fließenden Ganges auf die Erde herunterzuleiten. Dessen Wasser sollen so kräftig geflossen sein, dass schlussendlich Shiva, der Gott der Zerstörung, höchstpersönlich einschreiten musste, um der gewaltigen Wucht des Ganges den eigenen Kopf dagegen zu halten. Für uns Nicht-Götter liegt die Quelle des Ganges eindeutig am Gomukh, dem Gletschermaul des Gangotri-Gletschers, über den uns unser Fußweg nun führt.


Way from Gangotri along Gomukh to Nandavan: After “just unnamed mountains” the valley, where Indias holy Ganges springs, unveils the Bagrati group (II and III). We are about to climb Bagrati II on the normal route (to the left behind).

In langen drei Tagen geht es zu Fuß ins Basislager am Nandavan. Dort zeigt sich uns, in einem atemberaubenden Blick, der Shivling, einer der formschönsten Berge der Welt. Gern legen wir hier eine Ruhepause ein und folgen am nächsten Tag den Spuren zum Advanced Base Camp (ABC). Von dort steigen wir zu Lager 1 auf, gehen zurück zum ABC. Schlafen. Dann wieder hoch zum 1. Lager. Weiter bis zum Gipfellager. Und selbst bis dorthin, auf knapp 6.000 m, begleitet uns — um nicht zu sagen: verfolgt uns — ein Hund!


Different moods of the Shivling.

Im Gipfellager passe ich eine Sekunde nicht auf und sofort quetscht sich der Hund in das bereits mit drei Personen belegte kleine Zelt und lässt sich auf gar keinen Fall mehr in die Kälte heraustreiben. Vergiß es! Also mache ich ihm schließlich innerlich knurrend etwas Platz neben mir, um nicht als erster, auf über 6.000 m totgebissener Bergsteiger, in die Alpin-Geschichte einzugehen…


Bagrati I and the ridge to Vasuki Parvat from the summit camp. In the night a dog jumped into the tent.

Der Gipfeltag beginnt früh morgens. Und problemlos erreichen wir unser Ziel, den Gipfel von Bagrati II. Im Einklang mit den lokalen Gewohnheiten wird auch am Gipfel eine kleine puja abgehalten: Den Berggöttern zu Ehren werden Räucherstäbchen angezündet und eine Kokosnuss geopfert.


From time to time, some steep rock steps made the otherwise easy climbing interesting.

Auf dem Rückweg erfahren wir, dass über das ganze Tal verteilt noch 18 weitere Expeditionen lagern und auf ihr Gipfelglück hoffen: Am Thalay Sagar, Satopanth, Meru, Shivling, Chaukhamba und Bagrati.


On the summit ridge and view into the Gangotri valley from the summit.

In Uttarkashi nutze ich mit meinen Begleitern die Gelegenheiten zum Felsklettern. Mit extrem unterschiedlichen Vorstellungen, z.B. was die Helmpflicht anbelangt (diesbezüglich sind die indischen Begleiter in der Führung), Sichern mit 10 m Schlappseil (oje…) und Standplatzbau ganz allgemein. Schwitz! Um keine Überraschungen zu verpassen, stelle ich absichtlich keine Fragen. Am Ende einigen wir uns immerhin auf drei verschiedene Abseilsysteme: Auf das „indische,“ auf das „chinesische“ – und auf das „meine.“


Nehru Institute of Mountaineering and the climbing area Thekla near Uttarkashi.

Auf dem Rückweg frage ich den Taxifahrer, ob ich nicht auch einmal ans Steuer darf. Erstaunlicherweise hat er nichts dagegen, wechselt auf den Beifahrersitz und erklärt mir von dort alles über das Autofahren in Indien. So erfahre ich z.B., dass ein Auto ohne Hupe in Indien nur ein halbes Auto ist. Dass das Fahren in Indiens Hauptstadt null gefährlich sei, weil sich immer mindestens 50% der Fahrer an die Verkehrsregeln halten. Echt gefährlich dagegen soll es am Land draußen sein, wo sich 0% mehr zur Einhaltung der Verkehrsregeln verpflichtet fühlen.


All the group: Climbers, guides and the cook.

Hier noch ein paar Tipps zum korrekten Autofahren in Indien: Immer in der Mitte der Straße fahren und nur entgegenkommenden Bussen und Autos ausweichen – sonst nix und niemandem. Und natürlich: Immer hupen. Um z.B. an eine günstig gelegene Tankstelle zu gelangen, ist, speziell auf Autobahnen, ein bisschen Geisterfahren ganz normal. Deswegen, meint der Taxifahrer auch, muss man beim Autofahren in Indien sehr „alert“ sein, weil einem hier überall und in jedem Moment von allen nur denkbaren Seiten irgendjemand reinkrachen kann!


A well maintained path to Dunagiri village and Changabang base camp.

Neben indisch Autofahrenlernen bot sich auf dem Rückweg zudem die Gelegenheit, schon mal das Basislager vom Changabang zu erkunden, einem tatsächlich atemberaubenden Berg, mit seiner schrägen Nordwand, erstbegangen 1997.

*Facts

  • Bagrati II (6512 m), Garhwal-Himalaya
  • Datum: 14.–23.9.2014
  • Wetter: Sonnig und sehr warm (auf dem Gipfel gefühlt 0 Grad)
  • Route: Normalroute (Ostwand) mit fixen Seilen, Fixseile wurden belassen.
  • Anreise: Von Delhi über Rishikesh oder Dehradun nach Uttarkashi und Gangotri. Weiter im Fußmarsch nach Bhojvasa, Nandavan und vor dem Vasuki-See nach rechts.
  • Teilnehmer: 5 Climber, 3 Guides, 1 nepalesischer Koch (alle auf dem Gipfel), 1 extra Guide (bleibt im ABC), 1 weiterer Helfer, 10 Porters (bis Basislager), 1 unbekannter Hund (bis Gipfellager)

Text + Bilder: Jaro

09.12.2014 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH. Stand: 09.12.2014
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