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Erste Hilfe für alte Säcke

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.
C1 Kolumne
Ausgabe 04/2013 vom 04.11.2013

Ältere Ausgaben


Erste Hilfe für alte Säcke



Neulich, auf der Albert-Link-Hütte: 11 Trainer von der IG Klettern beim Erste Hilfe-Auffrischkurs. Thema u.a.: „Ältere Leute und deren typische Probleme“ = Herzinfarkt, Kreislaufkollaps, Schlaganfall usw. Dabei stellte sich die Frage, ab wann man denn dazugehört, zur Risikogruppe der „älteren Leute“? Und die klare Antwort eines (frisch immatrikulierten) IG-FÜLs lautete: „So ab 30. 40. 50 etwa.“
Erinnerungs-Bild 1*:
IG-Truppe bei straaaaahlend schönem Herbstwetter im halbschattigen Konferenhinterzimmer der Albert-Link-Hütte
Ja! Genau so war das damals. Wenn man Mitte 20 ist, beginnt „das Alter“ in etwa 10 Jahren. Und „die Alten“ sind halt alle jene, die schon über 30 sind: Geschlechtslose sind das. Zombies beinahe. Wandelnde Mumien. Spassbremsen in jedem Fall! Was natürlich sofort zum diskreten In-sich-gehen gemahnt, wenn man bei solcher Gelegenheit a. mal wieder urplötzlich bemerkt, dass man selbst ja schon lange zum Lager dieser Säcke gehört; und im Zuge dieses ohnehin schon ernüchternden Erkenntnis-Prozess´ dann auch noch realisiert, b. wie unglaublich viel Zeit seines kostbaren Lebens man bereits in Erste Hilfe-Kursen verbracht hat...
Erinnerungs-Bild 2*:
Beweisfotos: Autor in allen Lebensphasen als Teilnehmer von mindestens 12 EH-Kursen
...was einen aber irgendwie auch zum „Erste Hilfe-Nestor“ adelt, also zu jemandem, der nicht nur die unterschiedlichen Darbietungsformen des stets überbordenden Inhalts recht „kompetent“ vergleichen kann. (Super, Flo B., war echt lässig!) Sondern der halt auch inzwischen die vielen verschiedenen Zustände von äh „Mitmach-Bereitschaft“ kennt, die sich unter den Teilnehmern solcher Pflichtveranstaltungen breitmachen kann.
Erinnerungs-Bild 3*:
EH-Kurs 2004, am Ostbahhof: Leiterin schläft vor der Gruppe mehrfach fast ein
Fazit: Wer immer je verunglücken sollte, dem kann bei Gott nichts besseres passieren, als von einer Truppe wie der unseren am Unfallort geborgen und versorgt zu werden. Es war jederzeit zu sehen: Unsere Leute wurden aktiv, brachten ihre Ideen, ihre Talente und ihre Selbst-Erfahrung ein. Erkannten gleich den Ernst der Lage. Und alle bekamen wir für unser Engagement auch ein „gefühltes Feedback“. Oder – anders ausgedrückt: Eine Art Belohnung über die feinstoffliche Art! Umgangssprachlich: „Etwas“ fuhr ein. Etwas ganz Spezielles. Etwas, das man im Fußball als den „12. Mann“ kennt: Eine geradezu mystische Kraft ist das, die den Haufen durchdringt und die Teile zu mehr als dem Ganzen verbindet . Allen Flügel verleiht – à la RedBull. Kein Zweifel nach dem Wochenende: Dieser „12. Mann“ ist uns & der Halle nach wie vor hold. Aber – ob wir ihn noch zu rufen vermögen, wie damals, als ALLES begann...
Erinnerungs-Bild 4*:
Eine Handvoll Wahnsinniger beim Rausflexen von Stahlbehältern aus ehemaligen Kartoffelsilos.
Wie auch immer – Tatsache ist: Eine zweite Total-Operation steht unserem Vereinsheim bevor, eine Operation, die (Gerüchte-Stand Ende 0kt. 2013) vermutlich im Jahr 2015 mit der Baumaßnahme eröffnet werden soll, die ungenutzten Schächte rund um unsere Kletter-Silos mit Unmengen von Beton auszugießen, um so dem geplanten 22stöckigen Hotel über uns ein solides Fundament zu schaffen. Möglicherweise wird davor die Büro-Etage ganz oben erst noch abgetragen, was natürlich neben vielem anderen die große Frage aufwirft: Ob – und wenn ja, wie lange: 1 Monat? 6 Monate? 1 Jahr? – wird unser schönes Heavens Gate dann seine Tore schließen müssen...
Visionäres Bild*:
Das HG als Großbaustelle
Ja! Über solche Fragen wird natürlich ernsthaft gesprochen, wenn eine Handvoll Herzblut-Trainer beim Glasl Rot zusammensitzt, wie eben neulich, beim Auffrisch-Kurs am Spitzingsattel. Dabei kam vor allem zur Sprache, dass keiner anscheinend irgendwas weiss: Nix! Null! (Noch) keine Ahnung: Was geplant ist? Wo es hingeht? Zu welchem Preis? Oder sagt man es uns den einfach nicht?

Auf der anderen Seite: Was soll man uns auch groß erzählen, wenn selbst von höchster Stelle gar nix kommt? Ein unguter Zustand ist das, echt keine Frage. Damokles-Stimmung. Zwischen den Stühlen. Und nur begrenzt ok. Denn: Der Bauch will wissen, was das Großhirn so denkt. Auch wenn es nichts denkt. Sondern nur wartet. Ab-wartet. Selbst diese Information ist besser als schweigen. Oder nichts tun, wie wir auf dem EH-Kurs einmal mehr erfahren durften...
Erinnerungs-Bild 5*:
FÜL C5 bricht auf Wanderweg röchelnd zusammen...
Es geht also mal wieder ums „Kommunizieren“, um diese verdammt hohe Kunst! Deswegen, Freunde, kommt öfter zum Tresen. Denn: Nirgendwo lässt sich dieses Miteinander-Reden besser einüben, als bei einer schönen frischen Halben, nach vier, fünf geilen Kletterrouten.
Mehr sog i jetzt ned,

Euer C1


*Wenn kein Bild da ist, muss die Phantasie herhalten.
04.11.2013 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH. Stand: 04.11.2013
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