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Hotel Heavens Gate

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.
C1 Kolumne
Ausgabe 02/2013 vom 31.07.2013

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Hotel Heavens Gate



Dank Willy Michl* wissen wir: Das Paradies ist dort, wo die Isar durchfliesst. Und mitten in diesem Garten Eden, etwa 100 sichere Meter über dem „smaragd-grü-üüühnen“ Wasserspiegel gelegen, befindet sich das Heavens Gate, das schon bald nicht mehr nur die verrückteste Kletterhalle Münchens sein könnte; sondern die bekannteste auf diesem Planeten.
# Phantasie-Bild 1:
Blick von oben – via GoogleEarth – auf die schönste Stadt der Welt
Denn: Die Würfel sind gefallen! Auf das Flachdach unserer Halle soll demnächst ein angeblich 22stöckiges Hotel draufgebaut werden. So hoch wie die Frauenkirche. Das neue Wahrzeichen der Stadt? Eine Traumlage in jedem Fall, von der man wohl auch ohne Föhn bis nach Venedig blicken kann.
# Phantasie-Bild 2:
Markusplatz
Gleich weiter mit der Zukunftsmusik: Das Fundament dieses Bauwerks (= unsere Halle) soll dann, im Zuge der bereits genehmigten Totalumgestaltung des kompletten Pfanni-Geländes**, „entsprechend upgegradet“ werden. Heißt: Man träumt bereits von einer repräsentativen Außenkletteranlage, aus der das neue Hotel dann kühn herausragen wird, wie das „I“ über dem Tüpfelchen! Oder umgekehrt? Wer mag das heute schon zu sagen.
# Phantasie-Bild 3:
Skizze einer atemberaubend geilen Kletterfassade,
über der sich ein noch atemberaubenderes Hotel erhebt
Große Aufgaben also kommen nicht nur auf unseren Vereins-Vorstand zu. Sondern eigentlich auf alle, die „irgendwie“ vom Heavens Gate leben: Weil sie hier ihr Geld verdienen. Oder: Weil sie hier ihren Jungbrunnen haben, der ihrem Dasein Sinn und Halt gibt, mit einem Vereinsheim, das zur IG Klettern M&S e.V. dazugehört, wie das Haus zur Weinbergschnecke...

# Phantasie-Bild 4:
Einsiedlerkrebs
Um nun auf den Punkt zu kommen – und damit zu der großen Frage: Wird dieses kleine gallische Dorf, das wir ja gottseidank immer noch sind, wird unser Kletter-Biotop dann auch noch aufblühen können wie bisher? (Also: Bei einer Tür-an-Tür-Situation von Anarchie und Kapital!) Kann daraus überhaupt eine Symbiose erwachsen? Oder wird es irgendwann zu einer „Abfindung“ kommen, weil dem großen Geld eben auch jene Macht innewohnt, Schnecken aus ihren Häusern „argumentieren“ zu können, z.B. wenn quer durchs Land Leitungs-Trassen gebaut werden müssen. Oder neue Startbahnen. Oder wenn die Attraktivität eines millionenschweren Prestige-Projekts die stolze Isar hinunter zu gehen droht, weil Klettern im Jahr 2020 schon wieder derart out sein könnte, wie heutzutage z.B. Squash...
# Phantasie-Bild 5:
Anwohner-Protest gegen die 3. Startbahn am Münchner Flughafen
Zu dieser Überlegung passt die Nachricht, dass das IOC beschlossen hat, die Disziplin Klettern bis mindestens 2020 nicht bei Olympischen Spielen zuzulassen. Damit bleibt unserer Sportart also der große Ritterschlag versagt.
# Phantasie-Bild 6:
Nach unten gerichteter Daumen
Desweiteren kann beobachtet werden, dass die Massenbewegung „Klettern“ ihren Zenit wohl überschritten hat, oder? Vielleicht gibt es aber auch nur so viele Hallen inzwischen, dass sich die Besucher – und damit der Umsatz – eben auf immer mehr Töpfe verteilt? Wie auch immer: Es tut sich allerhand in unserer Szene, die ihren elegantesten Biwakplatz schon bald in jenem mondänen Hotel finden könnte, das im hauseigenen Keller einen kleinen Verein beherbergt, mit der höchsten Indoor-Wand Europas. Und einer eigenen Kletterschule, inkl. Trainern for some fun. Was werden dann nicht alles für Leute an unseren Tresen runterkommen, to book this and to book that! Childrenbirthdays for example. Or these lecker little snakes.
# Phantasie-Bild 7:
Chinesische Reisegruppe am Tresen
Aber: Wird der HaGé dann immer noch spontan mal schnell den Grill anschmeißen dürfen? Oder stört der Rauch dann weiter oben? Wer vermag das jetzt schon zu sagen, was die Zukunft bringen wird: Eine bessere, eine schlechter oder nur einen andere Welt für uns und unseren Verein? Fest steht nur soviel: Wenn wir Mitglieder und Trainer(!) unserem Vorstand nicht dabei helfen, diesen Schritt in die Zukunft im Sinne aller zu gestalten, dann kann es dem Verein durchaus passieren, erst wie ein Stück Treibholz durch die wilden Kurven und Kehren zwischen Wolfratshausen und Pupplinger Au geschüttelt und dann irgendwo an Land gespült zu werden, irgendwohin, auf den blendend „weißen Ki-hiees“...
# Phantasie-Chor:
(Und jetzt alle, zwo-drei-vier):
„Is dös dann no des Isar-Flimmern,
mittendrin im Paradies?“


Tusch & Applaus.
Schöne Ferien,
Euer C1


*Willy Michl/“Isarflimmern“: http://www.youtube.com/watch?v=FElttDdXdGg
**siehe: http://werksviertel.de

31.07.2013 Infos: 089 20003070 oder hg@kletternmachtspass.de
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH. Stand: 31.07.2013
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