C1 Kolumne
Ausgabe 07/2010
vom 18.11.2010
Ältere Ausgaben
Weihnachtsbrüller
Wenn
man als Kletterer naturgemäß nur Klettern im Sinn hat, möchte man
natürlich auch nur über Dinge lesen, die sich irgendwie ums
Klettern drehen. Deswegen heißt die einzige Zeitschrift für
Kletterer auch „Klettern“ (– „Climb!“ gibt es ja nimmer).
So
ist das heute. Und so war es damals, in den 70er Jahren, als es auch
nur ein einziges Heftl weit und breit gab. Ein Heftl für alle, die
auch nur eines im Sinn hatten: Nämlich die Pubertät in den Griff
zu bekommen! Und die Mysterien der Liebe an und für sich zu
erlernen. Dabei half uns Dr. Sommer. Und das Fachblatt hieß: BRAVO!
Klettern? „Yeah! Yeah! Yeah!“
Damals
– in BRAVO – war die Welt noch in Ordnung. Zumindest die weite
Welt der Musik. Zwei Gegenpole gab´s, zwei konträre Gestirne: Die
Beatles und die Rolling Stones. Die Beatles waren „die Guten“,
allein natürlich schon wegen „Hey Jude“, der genialen
Schieber-Hymne, bei der sich die Jungs und die Mädchen immer wie
ertrinkend ineinander verhakten, dann mit geschlossenen Augen um die
eigene Achse rotierten – und sich dabei knapp 3 Minuten lang
abquetschten, was ging. Soviel kurz zur Beatles-Magie.
Keith Richards, an einem seiner besseren Tage...
Deutlich
weniger „schmusig“ ging´s bei den Rolling Stones zu. Es war ein
offenes Geheimnis, dass (mindestens) Keith Richards hoffnungslos
heroinsüchtig war. Und Mick Jagger über eine derart unglaubliche
Aura verfügte, dass es dem Publikum schlichtweg den Schalter
raushaute. Und dieses Publikum bestand anfangs fast nur aus Frauen.
Warum? Weil deren Männer, so mutmasst Keith Richards in seiner
soeben erschienenen Biographie*, absolut nicht nachfühlen konnten,
was man denn an diesen „langhaarigen Schwuchteln“ bitteschön so
toll finden konnte? Und deswegen auch nicht auf die Konzerte
mitgingen. In der Anfangsphase der Band, sprich in den Jahren 1962
-´66, traten die Stones etwa 2.000x auf! Und aus irgendwelchen
unglaublichen Gründen lag im Anschluss an diese Konzerte sogar noch
mehr Unterwäsche in der Gegend herum, als bei uns in der Früh
immer, wenn die Heavens Gate-Putztruppe kommt.
Wie nach einem Stones-Konzert:
Jeder zweite verliess die Halle gestern wieder ohne Unterwäsche
Worauf
ich hinaus will? Auf Weihnachten natürlich: Steht nämlich wieder
vor der Tür – und damit auch die krasse Frage, was kommt untern
Tannenbaum? Was kriegt Mutti? Was der Pa? Ein Buch vielleicht? Oder
was Leichtes, mit so höchstens 4, 5 Gramm? Aber gerne! Bitteschön -
unser Knaller für das Fest:
IG-Kletterkurse
zum Verschenken! Einfach anklicken, downloaden, fertig. Mit Platz für
einen netten Text. Zum Beipiel: „Von mir. Für Dich: Ein Stündchen.
Mit Trainer!“ Der Brüller für die ganze Familie. Denn:
Sportklettern, so sagen wichtige Leute, ist längst keine
Trendsportart mehr, sondern voll der Breitensport. Was nichts anderes
bedeutet, als dass sich nicht mehr nur „Extreme“ an diesem tollen
Erlebnis erquicken. Sondern längst auch Herr Hinz und Frau Kunz -
und diese beiden in stetig wachsender Zahl. Eine Analyse übrigens
hat gerade ergeben, dass sich denn auch in der Altersklasse Ü40 die
meisten Unfälle ereignen. Zufall? Nein, sagen die Forscher, diese
Herrschaften neigen am ehesten dazu, sich total krass zu überfordern:
Weil sie sich an Jüngeren messen. Sprich: mit 50 noch wie 20 sein
wollen. Und nur eines im Sinn haben, damals wie heute: Klettern!
Verdammt. So gesehen fast schon ein Glück, dass Keith Richards,
mittlerweile 67(!!), unsere Halle nicht kennt. Oder? Genau!
Euer
C1
*
Keith Richards, Life, Heyne 2010, über 700 Seiten, gebunden, knapp
30.- €: Geil!