Welcome
to Meteora
von
Johannes Olszewski
Im
Frühling dieses Jahres ging es zum zweiten Mal nach Griechenland.
250
Kilometer südöstlich von Thessaloniki fanden wir unsere Träume
wieder: Gigantische Felsmassive, auf denen um der skurrilen Optik
dort noch eins draufzusetzen Mönche vor tausenden von Jahren ihre
Klöster errichtet hatten.
Die
Meteora Klöster!
Die
Landschaft dort ist wie ein Märchen. Man muss sie live gesehen
haben, um sie wirklich zu verstehen.

Einer
der bekanntesten Klöster
in Meteora
Das
Ambiente ist an Schönheit kaum zu übertreffen. All die wunderbaren
Pflanzen dort, die Schildkröten, die auf den Felstürmchen leben,
Sonnenuntergänge, wie ich sie noch nie gesehen hatte, ganz
eigentümliche Felsstrukturen, all das macht diesen Landstrich so
anziehend und unglaublich faszinierend.
Meteora,
da bin ich mir sicher, gehört zu den schönsten Flecken in Europa.
Solch
eine Landschaft dann noch mit Klettern und Highlinen zu erkunden, ist
für mich der einzige und wahre Sinn am Reisen.
Ich
habe dort so viele lustige, gefährliche und vor allem prägende
Situationen erlebt, die ich irgendwann sogar noch meinen Enkeln
erzählen kann.

Ein bisschen wie das
Yosemite Valley

Ostgruppe
der Felsen
Das
Meteora Gebiet diente übrigens auch als Kulisse für den James Bond
Film „In tödlicher Mission“, der mich, als ich ihn im Jahre 2008
zum ersten Mal sah, auf die Idee brachte, genau dort Highlines zu
spannen, wo Bond in der Schlussszene mit einem Helikopter gegen
atomare Superwaffen kämpft.

James Bond unterwegs in den Schluchten von Meteora
Aber
was sind überhaupt Highlines/ Slacklines?
Das
Balancieren auf einem 25mm breiten Band kommt ursprünglich aus dem
legendärem „Camp 4“ im Yosemite Valley .
Als
dort um 1980 an Regentagen Kletterer nichts zu tun hatten, wurden
Seile zum Balancieren zweckentfremdet.
Diese
wurden dann zu Bändern weiterentwickelt.
Die
erste Slackline in Deutschland war ein Schlauchband von Edelrid.
Scott
Balcom, einer dieser Pioniere, kam dann auf die Idee, das Balancieren
auf Bändern am Lostarrow Spire auszuprobieren, 400m über dem Tal.
Zum
ersten Mal lief ein Mensch auf einem flexiblen Seil über einem
Abgrund und erfand damit das Highlinen.
Hier
das Video zu der Erstbegehung:
http://www.youtube.com/watch?v=c6RYJFz1tqI
Tausende
haben sich dadurch von ihm inspirieren lassen.

Bernhard
Witz auf der von Scott Balcolm erstbegangenen Higline am Lost Arrow Spire

Am Boden gespannte
Bänder sind Slacklines. Diese werden bis zu 300m lang gespannt.
Weiter
gehts: Trip to Meteora
Der
Kletterer, den es dort hin verschlägt, liebt ausgesetzte,
wunderschöne und schlecht abgesicherte Mehrseillängentouren.
Und
der Highliner? Der muss auch klettern, vor allem aber am Seil
aufsteigen, viel Gepäck schleppen, und die Slacklines aufbauen,
was bei Felstürmchen die mehr als 200m hoch sind nicht gerade
einfach ist.
Genau
aus dem Grund hatte ich eine in Deutschland verbotene Armbrust
dabei, um das Seil über den Abgrund zu schießen. Am Zoll ist Gott
sei Dank alles gut gegangen, aber riskant war es trotzdem.
Nach
den Erfahrungen des letzten Jahres, wollten wir nun eine Art
„Highline Acro“ erschließen. Gut vorbereitet hatten Bernhard und
ich vor, mindestens 3 neue Spots erstzubegehen.

Bernhard - einer der Besten der besten beim Befestigen der Fixpunkte
Das
Gepäck ist bei solchen Trips immer ein Problem, hier ein kleiner
Überblick:
Persönliches Klettermaterial
- Klettergurt
- Helm
- Kletterschuhe
- Bergschuhe
- Schraubkarabiner
--> anschreiben!
- Bandschlingen
- Abseilgerät (ATC,
8er..)
- Hand- und
Bruststeigklemmen
- Trittschlinge
- Prusik
- Stirnlampe -->
wichtig!
- ev. Magnesia
Klettermaterial und Zubehör
- 9x
Express-Schlingen
- Grigri
- Keilset à 9
Stück, aufsteigend von 1 bis 3,5cm
- Keilset alle
größen Hannes
- 3 x Riesenfriend,
10x andere größen
- 70m Kletterseil
- 60m
Halbstatikseil
- 70m Halbstatikseil
- 2x 30m
Halbstatikseil
- 2x climbing rope
- Kletterführer
Meteora Band 2 von Hasse
- 2x Walkie Talkie
- 2x Walkie Talkie
- 2x Walkie Taklie
- 1. Hilfe-Set klein
- Umlenkrolle klein
- Haul Bag
- Gri-Gri
- Gri-Gri 2
- ID
- ID
- 15 Quickdraws
- 2x 60m
Halbstatikseil
- Petzl hand drill and hammer
- ev. 1. Hilfe Set
- ev. Mini-Traxion
Camping
- 2er-Zelt für
Janek und Faith
- 4er-Zelt für
Anatolij, Alex, Andreas
- 3er-Zelt
- 2er-Zelt
- 4er Zelt
- 2er Zelt
- Abtrockungstuch
- Müllsäcke
- kleines Topfset
(flach, klein, bisschen größer)
- Primus-Gaskocher
- Gas- oder Benzinkocher für Biwak (Kartuschen gibt es bestimmt im Camping-Laden)
- Pfannen
Persönliches Campingmaterial
- Schlafmatte
- Schlafsack
- ev. Kissen
- Toilettenzeug
- Essteller,
Besteck, Becher/Tasse
- ev. Biwaksack
- Sonnencreme
- Kaugummis
- ID oder Pass
- Handy-Ladegerät
- 25m Slacktoolsline zum Lowlinen
Multimedia
- Netbook mit
externer HD um Fotos drauf zu spitzen
- Ixus-Digicam
- HD-Videokamera
- grosse HD-Videocam
- EOS-Spiegelreflex-Kamera
- iPod
- USB2miniUSB-Kabel
- JBL Soundstation
Mit Ladefunktion für MP3 Player, Handys etc....
- Speaker, not
really loud but working
- warscheinlich mein
laptop und definitive mein camera
- Laserentfernungsmesser
mit Stativ
- GPS Datalogger
Highline 1
- 110m Distance Line
vernäht
- 110m Control
vernäht
- Pulley-System
Highline 2
- 60m Distance Band
vernäht
- Slackline-Tools 18:1 Rollenflaschenzug
komplett mit Eddy und 30m Statikseil.
Highline 3
- 60m Distance Band
vernäht
- Slackline-Tools 18:1 Rollenflaschenzug
komplett mit Eddy und 30m Statikseil
Highline Zusatzmaterial
- 10x Flexitube
500kg 1m
- 2x 15m Control
Band
- 10x
Edelstahlschäkel
- 2x 5m Guide
Ratsche
- Superlink-Ratsche
- 80m Type-18
webbing
- 4x Industrie
Rundschlingen
- Armbrust
- 10 Pfeile
- Angelschnur 100m
- Distanzmessgerät
- Reebschnur 60m 2mm
- Petzl Messer
- Leash (alle)
- ev.
Slacklineschuhe
- 9x triangle
maillons
- 5x oval maillons
- min. 6x Maillons
- 2x Linelocker
- 4x Industrie
Rundschlingen
- 4x Industrie
Rundschlingen
- 4x
Slackline-Banana
- 5x Stahlkarabiner
- 4x 0,5m und 4x
1,5m Feuerwehrschlauch
- 2 Stahlringe für
die leash
- Feuerwehrschlauchstücke 2x ca. 1.70m.
- 2. Angelschnur
- 2x Gaffa-Tape
- Rolle, um sich über die Highline zu ziehen
- Schraubkettenglieder
- Stahlkarabiner
- 3x 8er oder Ringe
- ev. Feuerwehrschläuche
Verankerungen
- Makita
Akkubohrhammer
- 2x 14,4V Li-ion
Akkus
- Aufladegerät
- Bosch SDS Bohrer
14mmx250mm
- Rundbürste 18mm
- Schraubschlüssel
f. M12
- Latex Handschuhe
- Spachtel
- Bosch Gbh
Akkuschlagbohrer
- 2x 36v Bosch
Akkus
- Aufladegerät
2x SDS
12mm 150mm Bohrer
- 1x SDS 14mm 150mm
Bohrer
- Ausbläser gross
- Rundbürsten für
14mm-Löcher
- Schraubschlüssel
f. M12
- Petzl
Oudoorhammer
- Spachtel
- Latex Handschuhe
- Tüten für den Klebeabfall
- 10X 12/1m A2
Gewindestangen zugesägt und abefeilt = 40x 25cm Stücke
- 10x Fischer u. MKT
Injektionsmörtel
- Auspresspistole
Hilti passend zu Injektionsmörtel
- 30x Statikischer
- 10x Special Anker
14mm 130mm
- 30x Fixe Laschen
12mm
- 1 SDS 12mm 210mm
Bohrer
- gut geeignete
Ballpumpe zum Löcher ausblasen mit Verlängerung
- 15 MutternM12
- 30x Muttern mit Unterlegscheiben M12
Das
gesamte Material
Jeder,
der bereits einmal geflogen ist, weiß, dass man als „normaler“
Passagier nur 20 kg Gepäck mitnehmen darf. Mein eigenes Gepäck wog
diesmal 97kg .
Fliegen
ist für mich bei den nächsten Aktionen gestrichen. Jan Galek,
Jordan Tybon und Faith Dickey, die Highline Elite aus den USA trampte
von Polen bis eben nach Meteora. Sie mussten so kein Geld für die
Fahrt ausgeben, hatten dabei sehr interessante Erfahrungen gemacht
und coole Leute kennen gelernt und die 6kg CO2 Abgase, die beim
Fliegen entstanden wären, hatten sie auch vermieden.
Die
ständigen Telefonate mit der Airline wegen meines Gepäcks haben
mich in den letzten Wochen der Vorbereitung viel Nerven gekostet.
Beim Einchecken dann natürlich die Frage:“Übergepäck? Haben wir
leider nicht im Computer vermerkt! Das macht dann bitte 15€ pro
Kilogramm!“
1100
Euro einfach so? Nach langem Zureden haben wir dann erleichtert nur
200€ gezahlt.
Quasi
immer Ärger hat man mit dem Mörtel, den man für das Füllen der
Bohrlöcher braucht. Egal, welche Airline man wählt, wird eigentlich
häufig irgendetwas davon beschlagnahmt. Der Transport von Mörtel
ist im Gepäck erlaubt, deswegen hatte ich extra noch bei der
Fluggesellschaft angerufen. Aber am Flughafen wusste niemand
Bescheid. Also böse Überraschung beim Öffnen des Gepäck es in
Griechenland, die Hälfte des für uns so wichtigen Mörtels muss vom
Flughafenpersonal entfernt worden sein, denn es fehlte.
Alltag
für Highliner!
Endlich
da!
Auf
dem Campingplatz Varchos am Fuße der Felsen eröffneten wir unser
Basislager.
Nach
dieser stressigen Anreise waren wir natürlich alle froh, ein uns
wohl bekanntes Gesicht in Meteora zu sehen.
Gustl,
der Lokalhero, den wir letztes Jahr kennen lernten, war dieses Jahr
auch wieder mit von der Partie.
Seine
Hilfe hat uns bei unserer ersten Reise viel gebracht und dafür
gesorgt, dass alles doch noch gut verlief.
Da
Gustl bereits mehr Touren Solo geklettert ist als ich mit Seil,
konnte er uns unglaublich wichtige Informationen über das Klettern
und
potenzielle Highline Möglichkeiten geben.
Manchmal
sagt Gustl über sich selbst, dass er verrückt sei. Jeden Abend die
krassen alten Klettergeschichten von ihm zu hören, war zwar auf
Dauer anstrengend, aber meistens verdammt lustig.
Auf
den ersten Blick, gibt es in Meteora theroretisch tausende von
Möglichkeiten, Highlines zu spannen. Sobald man sich aber mühsam
durch Dornengestrüpp zu den Felsen durchgekämpft hatte, schwand
meistens die anfangs so starke Euphorie schnell. Die zuvor geschätzte
Entfernung von schwierigen 50 Metern stellte sich dann doch
wesentlich größer dar, etwa 300 Meter.

Mit
seinen 70Jahren ist Gustl immer noch fitter als manch Jüngerer.
In
Bernhards Alter durchstieg er die Eiger-Nordwand!
Am
Vorabend saßen wir häufig gemeinsam am Lagerfeuer und besprachen
die Pläne für den nächsten Tag:
- Welches
Team arbeitet wo an einem Projekt?
- Wo
müssen neue Fixseile verlegt werden?
- Wer
organisiert Lebensmittel und Bier?
Gesprochen
wurde übrigens fast nur in Englisch. Das machte Sinn, wenn Polen,
Deutsche, Schweizer, und Amerikaner miteinander etwas auf die Reihe
bringen wollen.
Gleich
am zweiten Tag nach unserer Ankunft hatten Grischa, Daniel und ich
vor, den “Pixari“ zu besteigen:
Ein
Felsen, der aussieht wie ein riesiger Hintern direkt über dem Ort
Kastraki.
Ziel
war es, diesen Felsen mit Seilen zu versichern.

Unordnung
wird irgendwann Standard.
Das
Allmorgendliche Frühstück, am Camping Vrachos
Nach
Ewigkeiten erreichten wir den scheinbar richtigen Gipfel, doch aus
dem Plan, die von unten geschätzten 70m abzuseilen und direkt
auf dem Felsen, wo wir den „Arsch“ *
vermuteten zu landen, wurde leider nichts.
*
Die Verschneidung die von unten aussieht wie ein Hinterteil (geplante
Highline von einer Backe zur anderen)
Ein
Wind, wie wir ihn noch nie erlebt hatten, haute uns im wahrsten Sinne
des Wortes von den Beinen. Er war so stark, dass man nichts
verstand, selbst wenn man sich gegenseitig ins Ohr schrie. Wir
taumelten an der schmalen Gratkante einen Schritt nach vorne und
wurden im nächsten Moment wieder drei Schritte nach hinten
geschleudert. Das war das einzige Erlebnis, das mir jetzt im
Nachhinein ein etwas mulmiges Gefühlt bereitet.
Die
70 Meter zum Abseilen waren dann doch geschätzte 300.
Vom
Gipfel aus konnte man natürlich ganz genau sehen, wo wir uns
verlaufen hatten. Und die richtige Abzweigung, die uns von unten
angrinste, verlief durch ein 500m langes Dornengestrüpp.
Also
wieder absteigen und erneut einen Versuch wagen! Jeder von uns war
völlig verschwitzt, beinahe dehydriert und einen gewaltigen
Sonnenbrand gabs ohnehin.

Oben
links rausgekommen - unten rechts das anvisierte Ziel - dazwischen 3
Stunden Kotzen
Nach
3 weiteren Stunden standen wir dann endlich vor dem Einstieg unserer
Tour.
Die
erste Seillänge stieg Grischa vor, Daniel und ich stiegen am Seil
nach. Jetzt waren wir bei diesem berüchtigten „Sachsenband“
angelangt, vor dem uns Gustel so gewarnt hatte. Keinen Meter breit,
dafür aber fast 100m hoch, und wer es nicht glaubt natürlich
sächsisch schlecht abgesichert.
Keiner
von uns hatte auch nur ansatzweise Lust, das im Vorstieg zu klettern.
Nach
ewigen Diskussionen, alternativen Sicherungsvorschlägen (selber
Haken zu setzten, umzukehren usw.. )
hatte
ich genug und kroch an das Ende des Absatzes, der fast 15m lang war,
wagte dann den entscheidenden Sprung zum Massiv und landete auf dem
Felsen, auf den wir seit 10 Stunden wollten. Der erste Highlinespot
war bereit für die erste Highline.
Jedes
Team machte jeden Tag genau das gleiche durch wie wir. Da mussten 12
Seillängen im Dunkeln abgeklettert werden,
solo
irgendwelche Verbindungsschnüre geborgen und heikle Abstiegsmanöver
nachts bewältigt werden.
Dass
solche Anstrengungen am Ende mit den geilsten Highlines honoriert
wurden, die ich je gelaufen bin, machte alles nur schöner.
Wie
sagt man doch so gern: „ Der Weg ist das Ziel.“ Ich glaube, da
ist was dran.
Vielen
Dank an dieser Stelle an die IG-Klettern, die mich mit Material
unterstütze und an Emil Ducke, ohne
den
wir nicht solch beeindruckende Photos bekommen hätten.
„
Master Crumble“ 42m lang und 40m hoch
„
Heavensgate“ 30m lang und 200m hoch
„
Disturbing eternity“ 28m lang und etwa 250m hoch
„
Four your eyes only“ 42m lang, 200m hoch
„
Nonnentanz“ 36m lang und 150m hoch