Der HG
Oder: Die Mutter aller Schrauben
E
s
ist in keinster Weise übertrieben, zu behaupten, dass eine Helden
der Halle-Galerie ohne den HG – sprich: „
Ha-Gé“
– keine Helden der Halle-Galerie wäre. Sondern mehr so was wie
eine Briefmarkensammlung, in der
der
Blaue Mauritius fehlt.
Big Wallhalla: HG mit Nikolaus und blinder Judith (v.l.)
Der
HG jedenfalls ist von der 2. Sekunde an mit dabei, seit jenen wilden
Tagen also, als eine Handvoll wahrlich Irrer eine abgewrackte
Knödelfabrik in Europas höchste Kletterhalle umzubauen begann. 8
Wochen dauerte diese Aktion: Von Nov – Dez ´97. Im Januar ´98
stand sie dann da, wie ein frischgeschlüpfter Dino: Die Kletterhalle
Heavens Gate!
Und
es ist garantiert kein Zufall oder so, dass der Hans-Gerd
Mertensmeier, Bj. 66, die gleichen Initialen hat wie unser
prächtiges Vereinsheim! Und dass er auf seinem Weg zu uns zusammen
mit der blinden Judith (siehe HdH/3) kam, mit der er damals Tandem
fuhr, passt ebenfalls perfekt ins Bild. Der Rest ist Geschichte.
Während die Judith ihren Platz als „Brotzeitmacherin“ fand, fand
der HG hier sein Paradies: Eine Heimat im Verein. Inklusive einer
Endlosbaustelle, auf der es fast an allem fehlte, nur eben an einem
nicht: An dieser Gewissheit nämlich, dass es für jedes Problem auch
eine Lösung gibt. Man muss nur ´n bisschen gaga sein! Dann
schenkt´s Der Herr den Seinen for free.
Geht nich, gibt´s nich. Echt nich!
Dem
HG hat Der Herr ein Improvisation-Talent in die Wiege gelegt, das vor
garantiert nichts halt macht: Wasser, Elektrik, Erdaushub, Gerüstbau,
Feinmechanik, HighTech, Bohren, Schrauben, Feilen, Schweissen,
Streichen, Kacheln, Fliesen usw. – völlig egal!! Der HG macht
beinahe ALLES – und dies nicht selten gern halsbrecherisch...
Langer
Rede kurzer Sinn: Damals (wie heute) waren Leute gefragt, die sich
den typischen Herausforderungen in einer Halle wie der unseren
grundsätzlich mal stellten – ohne viel Gezeter & so. Zum
Beispiel ein schönes rustikales Sofa mal schnell „ir-gend-wie“
auf so etwa 15m Höhe im Boulderwurst-Silo anzubringen, damit sich
jene Damen und Herren, die sich bei den großen Anfangs-Festen noch
mit „Turm-Springen“ zu amüsieren pflegten, da oben auch ja
möglichst bequem in die Warteschlange einreihen konnten. Solche Jobs
liebt der HG! Genauso wie den Nervenkitzel. Nicht wirklich
überraschend also, dass er ein gutes Dutzend Brücken-Sprünge
(siehe HdH/4) auf seiner Haben-Seite hat. Sowie die Erfahrung von 3
Gardasee-Expeditionen, inkl. Sonnenplatten et al.
Die Anfänge der Weihnachtsfeiern. Noch mittendrin: Das Absprung-Sofa.
So
Ultraextrem-Bastler wie der HG kennen sich nicht nur mit wirklich
jedem Werkzeug aus, sondern haben dies auch noch. Am liebsten immer
in der Nähe. Und so kam es eben auch, dass der Raum da bei uns unter
der Treppe zur „Werkstatt vom HG“ mutierte – und damit zu einem
täglich größer werdendem, echten Problem. Genau so nämlich wie in
Kafkas „Verwandlung“, wo im Nebenzimmer ein riesiger Käfer
heranwächst, wuchs HGs Werkstatt unaufhörlich! Und so konzeptlos
noch dazu, dass es über die Jahre immer gefährlicher wurde, ohne
Helm da rein zu gehen. Wenn man das aber tat, aus welchen Gründen
auch immer, und wenn man dann auch noch den Lichtschalter fand, dann
– ja dann sah man: Die Apokalypse! Sodom und Gonorrhoe in höchster
Potenz. In HG´s Werkstatt sah´s aus wie nach einem
Granatenvolltreffer! Tagein, tagaus. Kanonenschlagmäßig. Weswegen
sich vor ein paar Jahren auch mal 6 oder 7 furchtlose Leute einen
ganzen Tag lang Zeit nahmen und Hunderte von Plastiksäcken mit
„nützlichen Sachen“ da rausholten, die schon zusammengewachsen
waren und sich zu bewegen begannen. Schön und gut, sagt der HG
heute. „Dafür steckt aber auch nur noch ein Bruchteil der
Möglichkeiten in der jetzigen Werkstatt: Punkt!“, geht nach
draußen eine rauchen...
...und trifft auch dort nur auf beste Gesellschaft.
Wer
derart in der Halle aufgeht, der kommt am Klettern nicht vorbei, bzw.
am Klettern-Lernen. Und dabei „half“ dem furchtlosen
Maurer-Meister aus Delbrück natürlich der allseits bekannte Tom
Schlager. Der HG weiss noch genau, wie der Tom ihn ins Seil einband,
auf ein Gerüst in ca. 8m hochzog – und fertig. Das war auch schon
der Anfängerkurs. Alles weitere kam dann von selber, via learning by
doing. Und das Doing sah halt so aus, irgendwo stramm abgesichert,
diese tonnenschweren 8mm-Stahl-Trichter, die ja ganz am Anfang noch
unter jedem Silo dranhingen, irgendwie begehbar zu machen. Somit kann
man durchaus sagen, dass sich der HG die hohe Kunst des Klettern im
wahrsten Sinne des Wortes „erarbeitet“ hat. Und an Arbeit gab´s
damals so paradiesisch viel in der Halle, dass er in den ersten
Jahren auch an mindestens 365 Tagen dort anzutreffen war. Und in den
Nächten meistens dito. Was dann schon mal dazu führte, dass der HG
auch kein Bierchen verpasste, das sich da herrlich zwitschern ließ...
Der
Autor selbst kann leidlich bezeugen, wie mal, im Verlauf so einer
dionysischen Nacht, eine ganze Handvoll „Gsichter“ in praller
Hopfenseligkeit auf den Bodenmatten „notbiwakierte“. Wahr ist
auch: Als der 1. Hahn dann krähte, und das Morgengrauen
seinem Namen alle Ehre zu machen begann, sah man Autor und HG (in der
Löffel-Stellung!) in derselben Kuhle friedlich aneinandergekuschelt,
in welche sich im Lauf der Nacht ein Bier hinein ergossen hatte.
Kurz: Man aalte sich im Hopfensud schlafend. Was aber null
beunruhigend war, weil „Flüssigkeiten“ keine Bedrohung
darstellen; jedenfalls nicht, wenn der HG anwesend ist, der – man
höre und staune – fast 10 Jahre lang für die DLRG im Einsatz war:
Zunächst im Küstenwachdienst, dann als Ausbilder für
Rettungsschwimmer!
Schwimmt nicht in Geld. Aber immer gefragt.
Ergo:
Wem auch immer die Felle davonschwimmen, der wendet sich an den HG.
Und so ist er nicht nur ein gefragter Mann in der Halle, sondern auch
„outdoor“ ständig aktiv: Als Industriekletterer beispielsweise
und Aufhänger von Großplakaten. In der Schlosserei nebenan als
Metallarbeiter. Auf Großbaustellen im In- und Ausland. Und überhaupt
als „Mädchen für alles“, wenn z.B. irgendwo unsere
Kletterscheibe mal wieder auf- und/oder abgebaut werden soll. Oder
Tom´s Kletterturm irgendwohin muss; weswegen es vor ein paar Jahren
auch mal zu einer sog. „Gespannfahrt“ kam, bei der der HG den ca.
7m langen Turm-Anhänger mit dem IG-Bus bis nach Salzburg bringen
musste (, was durch den Umstand, dass der Tacho nicht ganz
funktionierte, nicht unbedingt erleichtert wurde). Aber egal, die
Reise ging los. Doch sie kam nicht bis ans Ziel. Beim Irschenberg
runter nämlich geriet das Gespann so außer Kontrolle, dass dem
(dabei unverletzt gebliebenen) HG mitsamt Bus und Anhänger ein
echter Überschlag gelang – und damit als erstem und bis dato
einzigem IG-Mitglied ever gleich auch noch die Totalsperrung(!!)
einer Bundesautobahn, von der er live aus dem Radio erfuhr, während
er bei seiner eigenen Bergung assistierte...
Seine Geschichten kommen sogar im Radio.
Geschichten
dieses Kalibers gäb es noch viel zu erzählen, nur – dem HG selbst
fällt keine einzige ein. Wozu auch, verdammt? So ist halt das Leben:
Eine riesige, tägliche Endlosbaustelle, auf der man stets was
basteln könnte. Oder eine rauchen. Oder’n großen Milchkaffee
trinken. Oder 1x im Monat in die Innenstadt fahren, zum
Blutplasmaspenden. Tja, der HG tut´s einfach. Und spricht nicht groß
drüber. Was typisch für so Menschen ist, von denen niemand sicher
weißt, ob sie nun Genies sind? Oder nur´n bisschen bluna...
Copyright Bilder: HG
Text: C1