C1 Kolumne
Ausgabe 06/2010
vom 12.08.2010
Ältere Ausgaben
Über's FÜL-Dasein.
Schifoan
is dös Leiwandste. Klettern ist das Aufregendste. Und
Kletter-Trainer müsste demnach der beste Job auf Erden sein. Und
wäre es auch, wenn sich da nicht manchmal so ein
„Flatulenzen-Gefühl“ breitmachen würde: Speziell bei
Schulklassen setzt das gerne ein...
Mit
12 blutigen Anfängern klettern zu gehen ist nämlich gar nicht so
ohne, wie sich mancher das vorstellt. Zum Beispiel unser
Kultusministerium, das uns Fachübungsleitern (FÜL) ja die Regeln
vorgibt. Der große Kletter-Rat (falls es den überhaupt gibt) also
hat mal in grauer Vorzeit beschlossen, dass 1 Trainer 12 Schulkinder
beaufsichtigen darf/kann. In der Regel sind das 2 Stunden. Und weil
die Kids ja auch was fürs Leben lernen sollen, bringt der FÜL
seiner 12er-Truppe in ca. 30 Minuten das Toprope-Klettern samt
Achterknoten und HMS-Sicherung + HMS-Hintersicherung bei. Anzuwenden
dann in 3er-Teams. Ok. Macht 4 solcher 3er-Teams (= 12 fremde
Menschenleben!) für die Du dann die nächsten paar Stunden in der
ganzen juristischen und versicherungstechnischen Bandbreite mit Haut
& Haar verantwortlich bist.
Deswegen
ist Kletter-Trainer auch kein Job für Jede(n). Gut zu wissen daher
auch, was Dich in etwa so erwartet:
Von wem sonst sollten Kletterer abstammen?
a. Kinder bis ca. 13 Jahre
Gönnen
Dir 0 Ruhepause. (In Worten: Null!) Weil noch total unberechenbar.
Auch in ihrem Leistungsvermögen - physisch wie psychisch. Maximal 2
können den Achter. Die anderen 10 knoten den Wahnsinn. Hoher
Random-Faktor also. Das gesamte Dasein oszilliert noch in
unberechenbaren Amplituden zwischen Tiefschlafphasen und
Überaktivität. Trotzdem: Extrem liebenswert die meisten. Baumeln
meist lieber, als dass sie klettern. Vergleichbarer Beruf: Dompteur
in einem Floh-Zirkus.
Sehen pubertierende Jungs im Spiegel
b. Schüler in der Pubertät
Beängstigende
Überschätzung der (männlichen) Unverwundbarkeit; bei
gleichzeitiger Unterschätzung der Erdanziehungskraft. Oft sehr
deftig-klare Wortwahl. Lernvermögen und/oder – bereitschaft: eher
begrenzt. Gibt ja schließlich keine Noten. Viele Mädels lieben es,
sich wie für eine Casting-Show herzurichten. Und würden lieber vorm
Spiegel stehen bleiben, als ihre schönen Fingernägel dem Roten
Baron opfern. Und pubertierende Jungs? Werden mit nem bisschen Luft
unterm Hintern meistens wieder ganz „normal“. Vergleichbare
Herausforderung im täglichen Leben: Eseltreiber.
Vorsicht! Es gibt 2 Partner-Checks!
c. Junge Frauen und ihre Klassenkameraden
So
um die 15 verändert sich alles! Besonders der Umgang zwischen den
Jungs und den Mädels. Wobei die Mädels fast schon wie junge Frauen
wirken. Während die jungen Männer sich noch wie große Jungs
verhalten, was auch eine Ahnung davon vermittelt, wie unsicher auch
oft der „Partner-Check“ durchgeführt wird. Jedenfalls der, auf
den´s beim Klettern ankommt. Noch mehr sog i aber ned...Sonst kommt
gleich die nächste Unterlassungsklage ins Haus. Deswegen
entschuldige ich mich hiermit auch gleich mal bei allen, die sich
unter Punkt b. evtl. als „störrische Esel“ verkasperlt fühlen.
Sorry, Leute! Mea Culpa.
Ja
– und wenn dann alle wieder gesund aus der Halle raus sind, und Du
als einziger zurückbleibst, bis zur Hüfte hoch in abgeworfenen
Gurten stehend, streng riechend wie ein Moschusochse – aber dafür
genau weißt, dass Deine 12 Leute diese 2 Stunden ihren Lebtag nicht
mehr vergessen werden! Und dann, ja dann setzt langsam dieses
Hoch-Gefühl der Zufriedenheit ein, das vermutlich nur wir
Klettertrainer so kennen: 12 Leute gleichzeitig happy gemacht! Und
dabei noch was verdient. Gibt´s a leiwandsteres Glück? Ja:
Kleinere Gruppen!
Findet
Euer C1